Die blauen Trams gehören zum Stadtbild Zürichs. Auf fünfzehn verschiedenen Linien chauffieren die städtischen Trampilot*innen ihre Fahrgäste zu verschiedenen Zielorten. Dabei bedeutet das Führen eines Trams mehr als Gas geben und Bremsen. Diedon Morina kehrte mit 23 Jahren dem Detailhandel den Rücken und wagte sich nach einer dreimonatigen Ausbildung als Trampilot auf die Schienen der Stadt Zürich.
«Wenn man ein dreiundvierzig Meter langes Tram durch die Stadt fährt, ist jeder Meter eine Herausforderung», berichtet er. «Das Wichtigste ist, dass man den Überblick behält, das Umfeld gut im Blick hat. Vor allem zu Stosszeiten, wenn der Verkehr sich staut, muss man mit viel Vorsicht und Rücksichtnahme auf die anderen Verkehrsteilnehmenden durch die Stadt fahren.» Es gibt durchaus auch ruhigere Momente, die der junge Tramchauffeur bei der Fahrt geniesst, etwa wenn am frühen Morgen die Sonne über dem See aufgeht.
Er schätzt an seiner Arbeit vor allem die Selbständigkeit und den Freiraum, seine Dienst- und Freitage so weit als möglich nach Wunsch planen zu können. Und er freut sich über positive Rückmeldungen der Kundschaft: «Die Wertschätzung der Fahrgäste ist etwas vom Schönsten.»
Zürich ist eine Stadt zum Leben und eine Stadt zum Arbeiten. Gut
34 000 Mitarbeitende sorgen in der Stadtverwaltung dafür, dass Zürich lebenswert ist und bleibt.
Wenn man erlebt, wie Zürich am Morgen erwacht, ist das etwas vom Schönsten. Oder wenn man mit dem 13er-Tram Richtung Albisgüetli fährt und die Sonne zwischen den Häusern aufgeht – das ist einfach genial.
Das ist Diedon Morina. Er arbeitet als Trampilot bei den VBZ und erzählt uns heute, was sein Job alles beinhaltet – und zwar weit mehr als nur Gas geben und bremsen.
Neben dem See, der Limmat und anderen Wahrzeichen gehören die blauen Trams fest zum Stadtbild von Zürich. 15 Linien schlängeln sich quer durch die Stadt. Millionen von Menschen sind schon mitgefahren – und viele davon hat auch Diedon Morina transportiert.
Ich bin Lara Blatter, herzlich willkommen zur heutigen Podcast-Folge.
Herr Morina, Sie fahren fast täglich mit dem Tram durch die Stadt. Zürich sieht ja je nach Ort, Wetter und Jahreszeit ganz unterschiedlich aus. Welches ist Ihr Lieblingsort zum Durchfahren?
Für mich ist es der Abschnitt vom Bellevue Richtung Bürkliplatz, früh am Morgen, wenn die Sonne über den See strahlt. Dieser Ausblick ist einzigartig. Auch die Fahrt nach Albisgüetli mit dem 13er, wenn die Sonne zwischen den Häusern hochkommt, ist immer wieder ein Highlight.
Haben Sie eigentlich eine Lieblingshaltestelle?
Nein, eigentlich nicht. Jede Haltestelle ist ein wenig anders – aber eine spezielle Lieblingshaltestelle habe ich nicht.
Sie sind 26 Jahre alt und seit zweieinhalb Jahren bei den VBZ. Viele stellen sich Tramfahren recht simpel vor: vorne sitzen, Gas geben, bremsen. Was gehört wirklich alles dazu?
Sehr viel mehr. Wir müssen Weichensteuerungen kontrollieren, Geschwindigkeiten einhalten – auch ausserhalb der Stadt – und natürlich Türen bedienen. Vor allem aber: aufmerksam bleiben. Der Job erfordert ständige Konzentration.
Was ist die grösste Herausforderung?
Mit einem 43 Meter langen Tram durch die Stadt zu fahren, ist grundsätzlich eine Herausforderung. Besonders während der Stosszeiten: morgens, wenn alle zur Arbeit fahren, und abends beim Feierabendverkehr. Dann ist es extrem eng in der Stadt. Da braucht es Übersicht, Rücksicht und Vorsicht gegenüber allen Verkehrsteilnehmenden.
Bevor Sie Tram fuhren, haben Sie im Detailhandel gearbeitet. Wann kam der Moment, dass Sie eine neue Herausforderung wollten?
Ich war lange im Verkauf tätig, aber mir fehlte etwas. Privat bin ich sehr gerne unterwegs – mit dem Auto, auf Reisen mit der Familie. Dann kam der Zufall: Ein ehemaliger Nachbar hat mich auf die VBZ aufmerksam gemacht. Ich habe mich beworben, die Aufnahmeprüfungen bestanden – und so bin ich Trampilot geworden.
Wieso Tram und nicht Bus?
Der Bus fährt wie ein Auto mit Reifen auf Asphalt. Das Tram dagegen läuft auf Schienen, mit einer ganz eigenen Technik. Mich reizte das mehr. Und anders als beim Autofahren benutze ich beim Tram meine Hände für alles – die Füsse machen fast nichts, ausser das Signal «Bing» zu geben, wenn es losgeht.
Wie läuft die Ausbildung ab?
Sie dauert drei Monate. Zuerst gibt es die Bewerbungsprozedur: Diagnostiktests, Vorstellungsgespräch, Vertrauensarzt, Verkehrspsychologin. Wenn alles passt, startet die Ausbildung.
Im ersten Monat fährt man mit der Fahrschule ohne Passagiere quer durch Zürich, lernt Stadt, Gleisabschnitte und Störungsfälle kennen. Am Ende folgt eine Prüfung.
Im zweiten Monat fährt man mit Instruktor*in bereits mit Fahrgästen im Liniennetz – wieder mit Prüfung am Ende.
Im dritten Monat fährt man alleine, allerdings noch offiziell in Ausbildung. Danach ist man selbständig im Einsatz.
Ist der Job manchmal einsam?
Es kommt darauf an. Während Corona mussten wir die Kabinenfenster geschlossen halten – da war es schon etwas einsam. Aber ich schätze die Ruhe. Man kann sich voll auf die Arbeit konzentrieren. Klar, manchmal singe oder rappe ich vor mich hin – die Leute sehen ja nur den Oberkörper und denken dann wohl, ich rede mit mir selbst. Aber das ist normal.
Seit die Fenster wieder offen sind, gibt es auch wieder Kontakt mit Fahrgästen. Manche grüssen, bedanken sich oder stellen Fragen. Das ist sehr schön.
Was schätzen Sie am meisten an Ihrem Job bei den VBZ?
Den Freiraum. Ich kann meine Dienste und freien Tage mitbestimmen – natürlich in Absprache mit der Disposition. Diese Selbständigkeit schätze ich sehr, das hat mir im Detailhandel gefehlt.
Ich hatte heute Morgen selbst ein Tram-Erlebnis. Es fuhr mir direkt vor der Nase weg – typisch Zürich, man ist gleich genervt. Was raten Sie Fahrgästen wie mir, damit gelassener umzugehen?
Ganz einfach: genug Zeit einplanen. Wir fahren nach Fahrplan und haben kaum Spielraum. Wenn ein Tram vor der Nase wegfährt, kommt bald das nächste. Besser also ein Tram früher einsteigen – so bleibt für uns übrigens auch Zeit für Pausen an der Endhaltestelle, die sonst oft wegfallen.
Hat sich Ihr Blick auf den Verkehr verändert, seit Sie Trampilot sind?
Absolut. Von oben sehe ich mehr. Ich würde sagen, 80 Prozent der Verkehrsteilnehmenden sind irgendwie abgelenkt – mit Handy, Zeitung oder anderem. Man muss vorausschauend fahren, lieber einmal mehr abbremsen, um gefährliche Situationen zu vermeiden.
Was war Ihr schönstes Erlebnis im Tram?
Es gibt viele. Schön ist es, wenn sich Fahrgäste bedanken oder Feedback geben. Ein besonderes Erlebnis war eine ältere Dame, die kaum einsteigen konnte. Ich bin ausgestiegen und habe ihr geholfen. Sie hat sich so gefreut und mir ein kleines Schöggeli geschenkt. Solche Momente zeigen mir, wie viel Wertschätzung es für diesen Job gibt.
Vielen Dank, Diedon Morina, für das Gespräch.
Das war der Podcast der Stadt Zürich als Arbeitgeberin. Wenn auch Sie Zürich mitgestalten möchten, besuchen Sie unsere Homepage: www.stadt-zuerich.ch/jobs-karriere. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.