Projektleiter Marco Radojevic arbeitet für den Projektstab Stadtrat der Stadt Zürich. Zu seinen Aufgaben gehört unter anderem die Organisation und Koordination von Grossanlässen. Er schätzt es, dass er mit seiner Arbeit etwas bewegen und zur Attraktivität der Stadt beitragen kann.
Zum Zeitpunkt der Podcast-Aufnahme bereitete Marco Radojevic die Rad- und Para-Cycling WM vor, die im September 2024 durch Zürichs Strassen geführt hat. Etwa 1300 Athlet*innen massen sich in verschiedenen Cycling- und Para-Cycling-Disziplinen, wobei im Verlauf der neun WM-Tage 53 Rennen stattfanden. Mit mehr als 1,2 Millionen Zuschauenden waren die logistischen Herausforderungen gross. «Das Einzige, was zählt, ist, dass wir im September parat sind», meint der Projektleiter im Vorhinein. «Alle Athlet*innen fahren erstmals über die gleiche Ziellinie auf dem Sächsilüüte-Platz und sind, wenn möglich, auf der gleichen Strecke unterwegs», erklärt Marco Radojevic. Damit setzt die Stadt Zürich ein deutliches Zeichen für die Inklusion, ist er überzeugt.
Zürich ist eine Stadt zum Leben und eine Stadt zum Arbeiten. Gut
34 000 Mitarbeitende sorgen in der Stadtverwaltung dafür, dass Zürich lebenswert ist und bleibt.
Grossanlässe, die in unserer Stadt stattfinden, zahlen auf die Attraktivität Zürichs ein. Und ganz persönlich: Ich will nicht, dass Zürich eine Stadt ist, in der man nur schläft, wohnt und arbeitet.
Genau deshalb organisiert Marco Radojevic Grossanlässe für die Stadt Zürich. Sein aktuelles Projekt ist die Rad- und Paracycling-WM im September. Was dort alles dazugehört, erzählt er uns in dieser Folge.
Während neun Tagen messen sich im September 2024 an der Rad- und Paracycling-WM rund 300 Athlet*innen im Zeitfahren, im Paracycling und in Strassenrennen. Es finden etwa 60 Rennen statt, rund 800’000 Zuschauer*innen werden erwartet.
Ich bin Lara Blatter. In der heutigen Podcast-Folge ist der zuständige Projektleiter der Stadt Zürich bei mir. Herzlich willkommen.
Herr Radojevic, ist man bei so einem grossen Projekt irgendwann an dem Punkt, an dem man sagen kann: Jetzt sind wir ready?
Entscheidend ist, dass wir im September ready sind. Das ist das Faszinierende an solchen Events: Man improvisiert, organisiert, arbeitet auf ein fixes Datum hin – und einzig dieses Datum zählt. Ich bin sehr zuversichtlich.
Sie arbeiten seit November 2022 bei der Stadt Zürich als Projektleiter. Was gehört zu Ihren Aufgaben?
Primär stelle ich die städtischen Projektgremien auf solide Beine: den Projektausschuss mit den Amtsleiter*innen sowie den Steuerungsausschuss mit Stadträt*innen und Regierungsrät*innen. Dahinter steckt viel Organisation: Geschäfte vorbereiten, Präsentationen erstellen, Protokolle schreiben.
Der kleinere Teil ist Routine. Der grössere Teil ist Problemlösen: Das Thema, das morgens auf dem Tisch landet, bis spätestens Ende Woche bereinigen – währenddessen kommen fünf, sechs neue dazu. Ein ständiges Improvisieren und Lösungen finden.
Konkret: Was liegt gerade auf Ihrem Tisch?
Die WM führt zu Verkehrseinschränkungen. Wir müssen die Bevölkerung breit informieren. Mit über 400 Stakeholder*innen sind wir im Austausch, federführend ist die Dienstabteilung Verkehr. Zusätzlich informieren wir Privathaushalte entlang der Rennstrecken direkt. Beispiel Abfall: Wer den Müll wie gewohnt am Renntag rausstellt, bekommt ihn nicht abgeholt. Also definieren wir jetzt, wer einen Brief erhält und wer nicht – auch eine Kostenfrage. Ziel ist, im Juni die erste grössere Bevölkerungsinformation zu versenden.
Welche Fähigkeit ist in Ihrem Job am wichtigsten?
Keine Berührungsängste vor neuen Themen und Problemstellungen. Es muss okay sein, am Anfang keine Ahnung zu haben – und sich dann konsequent einzuarbeiten. Offenheit fürs Neue ist zentral.
Sind Sie dem Radsport schon vorher nahe gewesen oder kam das mit dem Projekt?
Ich bin kein passionierter Velofahrer. Mich fasziniert der Grossanlass in der Stadt: das Alltägliche, in dem Menschen leben, mit dem Aussergewöhnlichen zu verbinden und die Zielkonflikte sauber zu bearbeiten.
Vor Ihrem Wechsel zur Stadt waren Sie lange an Universitäten: Bachelor und Master in Konstanz, danach das Doktorat in Zürich. Wie wird man vom Politologen zum Projektleiter?
Mir war die Wissenschaft zu wenig konkret. Ich wollte etwas bewegen, Ergebnisse sehen. Über Umwege bin ich zur Stadt gekommen – dort kann ich genau das tun.
Welche Stationen haben Sie sonst geprägt?
Während des Studiums habe ich in der Beratung für Bürger*innen-Beteiligungsprozesse gearbeitet – der enge Kontakt zu Gemeinden hat meine Faszination für das öffentliche Umfeld geweckt. Danach war ich kurz im Marketing-Consulting. Das hat mir klar gezeigt, was ich nicht möchte. Gespräche mit Menschen mit ähnlichem Hintergrund haben mir den Weg in den öffentlichen Sektor aufgezeigt.
Was lieben Sie an der Arbeit für die Stadt Zürich? Drei Punkte.
Erstens Sinnhaftigkeit: Man leistet einen Beitrag, damit die Stadt funktioniert und Menschen hier gerne leben. Zweitens Vielfalt: Die Stadt ist ein Grossunternehmen, ich arbeite mit vielen Bereichen und Kulturen zusammen und bekomme Einblick in sehr unterschiedliche Themen. Drittens attraktive Arbeitsbedingungen.
Zur WM selbst: Stadt und Kanton Zürich sowie Swiss Cycling sind involviert. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?
Stadt, Kanton und Swiss Cycling sind Träger und haben gemeinsam den Verein «Rad- und Paracycling-WM» gegründet. Die Stadt tritt als Trägerin auf und arbeitet mit dem lokalen Organisationskomitee sowie den städtischen Ämtern zusammen, um das Event umzusetzen. Themen sind zum Beispiel Crowd Management, Verkehr, Strom, Wasserversorgung, Abfallentsorgung.
Üblicherweise finden Rad- und Paracycling-WM nicht immer gemeinsam statt. In Zürich schon. Was bedeutet das für Sportler*innen mit Behinderung?
In Zürich fahren alle über dieselbe Ziellinie, möglicherweise sogar über weitgehend gleiche Strecken. Letztes Jahr in Glasgow waren Paracycling-Rennen teils weit ausserhalb. In Zürich ist alles kompakt. Das ist ein starkes Inklusionssignal – und ich finde es grossartig, dass unsere Stadt das setzt.
Gleichzeitig gibt es Umleitungen und temporäre Sperrungen. Das erhitzt Stimmen. Wie gehen Sie damit um?
Verständnis zuerst. Wer im Alltag eingeschränkt ist, muss das nicht toll finden. Gleichzeitig hat Zürich eine Grösse und Ausstrahlung, die auch von Grossanlässen lebt. Sie erhöhen die Attraktivität der Stadt. Und persönlich: Ich möchte, dass hier etwas stattfindet.
Ihr Highlight im September?
Ich bin im OK für den Start auf der Offenen Rennbahn Oerlikon. Dort bin ich privat oft bei Rennen. Wenn der Start reibungslos läuft, freue ich mich doppelt: auf meiner Lieblingssportanlage und beruflich.
Und nach der WM?
Erst ausruhen, vielleicht kurz Ferien. Danach finden sich in der Stadt Zürich genug spannende Projekte. Welche auf meinem Tisch landen, schaue ich nach der WM.
Herzlichen Dank für das Gespräch, Marco Radojevic.
Das war der Podcast der Stadt Zürich als Arbeitgeberin. Wenn auch Sie Zürich mitgestalten möchten, besuchen Sie unsere Homepage: www.stadt-zuerich.ch/jobs-karriere. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.