Sie wollte schon als Kind Polizistin werden. Heute ist Marina Scheibler Einsatzleiterin Regionalwache City bei der Stadtpolizei Zürich.
Bei grösseren Ereignissen – etwa schweren Verkehrsunfällen oder Bränden – führt sie den Einsatz vor Ort zusammen mit den Führungskräften der Partnerorganisationen. Häufig muss schnell gehandelt werden. «Aber wir haben auch ruhige Phasen – auf Patrouille sein, präventiv wirken, mit Bürger*innen sprechen, Auskünfte geben. Gerade zu Fuss im Quartier ist es nicht immer nur Action», erklärt Marina Scheibler. Sie schätzt die Kollegialität in ihrem Beruf und das vielseitige Arbeitsumfeld. «Wir haben sehr viele Fachbereiche – Verkehrspolizei, Wasserschutzpolizei, Interventionseinheit, Kriminalabteilung, Hundeführer*in und weitere. Man kann sich fachlich oder in der Führung weiterentwickeln. Das ist etwas, das mich stark motiviert.»
Arbeiten für die Stadt Zürich. Hier erfahrt ihr die Geschichten hinter den Berufen.
Neue Folge, neuer Beruf der Stadt Zürich, den wir euch heute vorstellen.
Heute geht's in die Uniform und zwar zur Stadtpolizei.
Ich bin Sven Bratschi und möchte herausfinden, was die gut 34 000 Mitarbeitenden der Stadt Zürich täglich leisten.
Heute treffe ich jemanden, der immer dann vor Ort ist, wenn man sich wünscht, nicht in dieser Situation zu sein: mitten in der Action.
Sie ist Einsatzleiterin bei der Stadtpolizei Zürich: Marina Scheibler.
Marina, hoi! Schön, bist du da.
Hoi Sven! Danke für die Einladung.
Lass uns direkt loslegen. Was war dein Traumberuf als Kind?
Ich wollte tatsächlich schon immer Polizistin werden. Es gibt sogar ein Video aus dem Kindergarten, wo ich das sage. Als ich bei der Stadtpolizei Zürich angenommen wurde, haben mir meine Eltern das Video wieder gezeigt. Das war schon lustig.
Wenn ihr Räuber und Poli gespielt habt – warst du also immer die Polizistin?
Nein, nicht immer. Ich bin auch gerne mal davongerannt und habe lieber den Räuber gespielt.
Heute bist du aber definitiv auf der anderen Seite. Man kann ja nicht direkt nach der Schule zur Polizei – was hast du zuerst gemacht?
Genau. Nach der Schule habe ich eine Lehre als Möbelschreinerin gemacht. Ich habe einige Jahre im Beruf gearbeitet, war Werkstattchefin und Lehrlingsausbilderin. Mit vierundzwanzig habe ich dann entschieden: Wenn ich Polizistin werden will, dann jetzt. Also habe ich mich beworben.
Gab’s einen bestimmten Moment, in dem du wusstest: Jetzt ziehe ich es durch?
Nicht einen Moment. Eher das Gefühl, dass die Zeit langsam knapp wird. Wenn man vielleicht noch mal zwei Jahre zurückgestellt wird, kann es sein, dass es irgendwann nicht mehr reicht. Mit vierundzwanzig, fünfundzwanzig dachte ich: jetzt oder nie.
Und es hat geklappt. Erinnerst du dich an deinen allerersten Einsatz?
Ja, das war am 1. Mai, während des Praktikums bei der Sicherheitspolizei. Gleich beim ersten Einsatz wurde ein Briefkasten gesprengt. Ich dachte: Wow, das ist jetzt also Polizei, Action pur! Und es ging tatsächlich so weiter.
Polizei: Da denkt man an Adrenalin, Stress, Gefahr. Bist du ständig im Alarmzustand?
Nein, so würde ich es nicht sagen. Es gibt Einsätze, bei denen es schnell gehen muss. Aber wir haben auch ruhige Phasen – auf Patrouille sein, präventiv wirken, mit Bürger*innen sprechen, Auskünfte geben. Gerade zu Fuss im Quartier ist es nicht nur Action. Es ist sehr abwechslungsreich.
Was ist der Teil des Berufs, den du am liebsten machst?
Ich helfe gern. Es muss für mich nicht immer ein grosser Fall oder eine Festnahme sein. Es reicht, wenn ich ein verlorenes Kind zu den Eltern zurückbringen oder jemandem eine Auskunft geben kann. Auch bei einer gestohlenen Brieftasche die Anzeige aufnehmen und die Person beruhigen – das macht für mich den Tag erfolgreich.
Heute bist du Einsatzleiterin bei der Stadtpolizei. Was genau bedeutet das?
Als Einsatzleiterin bin ich zuständig, wenn grössere Ereignisse passieren: schwere Verkehrsunfälle, Brände, grössere Vorfälle. Ich koordiniere den Einsatz vor Ort, die Streifenwagen, Spezialdienste wie Verkehrspolizei oder Assistenzdienste – und bin Bindeglied zwischen Einsatzzentrale und Kräften vor Ort. Bei Bedarf übernehmen wir, bis beispielsweise ein Brandtourenoffizier eintrifft.
Du hast gesagt, du willst nochmals einen neuen Job in Angriff nehmen – was reizt dich an der Polizei besonders?
Die Möglichkeiten. Wir haben sehr viele Spezialeinheiten – Verkehrspolizei, Wasserschutz, Kriminalabteilung, Hundeführer*in. Man kann sich fachlich oder in der Führung weiterentwickeln. Das ist etwas, was mich stark motiviert.
Die Arbeit ist vielseitig, aber auch belastend. Wie schaltest du ab? Ich arbeite gerne handwerklich, das erinnert mich an die Zeit als Schreinerin. Sport hilft auch: Joggen, den Kopf lüften. Musik mache ich ebenfalls, das tut gut. Und mit Kolleg*innen reden, ob privat oder beruflich, das hilft beim Verarbeiten.
Muss man lernen, Berufliches und Privates zu trennen?
Ein Stück weit schon. Als Polizistin wird man auch privat oft angesprochen – sei es an einem Grillfest oder wenn jemand eine Busse bekommen hat. Aber wir von der Uniformpolizei haben es einfacher: Sobald die Uniform weg ist, beginnt der private Teil.
Gibt es Einsätze, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?
Viele, besonders die lustigen. Einmal hat ein Mann die Polizei gerufen, weil in seiner Wohnung Licht brannte. Er kam von den Ferien zurück und dachte, es sei eingebrochen worden. Am Ende war es seine Freundin, die sonst nicht dort wohnt und ihn überraschen wollte mit einem Nachtessen, nicht vollständig bekleidet und mit dem Kochlöffel in der Hand. Peinlich für ihn, aber für uns zum Schmunzeln.
Und schwierige Einsätze?
Ja, leider auch, etwa bei Todesfällen. Es gibt Situationen, wo man in eine Wohnung gerufen wird, weil es komisch riecht – und dann merkt man, jemand ist seit Wochen tot. Das geht einem nahe. Man fragt sich: Wie konnte es so weit kommen? Aber man ist zu zweit unterwegs, kann darüber sprechen – das hilft.
Wie gehst du mit solchen Situationen um?
Im Einsatz bin ich sehr sachlich; ich habe einen Auftrag. Es geht darum, den Fall korrekt abzuarbeiten: Spurensicherung, Ursachenklärung, mögliche Hinweise auf ein Delikt. Emotionen kommen meistens erst später, wenn überhaupt.
Seit zehn Jahren bist du bei der Stadtpolizei. Was hält dich hier?
Einerseits das vielseitige Arbeitsumfeld, andererseits die Kollegialität. Und ich hatte viele Chancen: Ich war Patin für Aspirant*innen, Prüfungsexpertin, Kommunikationstrainerin, Teamleiterin in der zentralen Ausnüchterungs- und Betreuungsstelle. Immer neue Facetten. Das macht den Job besonders.
Du bist oft in der Stadt unterwegs, verändert sich dein Blick auf Zürich?
Ja, definitiv. Ich bin in Zürich aufgewachsen und sehe heute ganz andere Seiten, auch die Schattenseiten. Aber trotzdem geniesse ich es, etwa nach einem Nachtdienst über die Limmat zu schauen. Es bleibt eine schöne Stadt, und ich fühle mich hier zu Hause.
Was rätst du jungen Leuten, die sich für den Polizeiberuf interessieren?
Es lohnt sich, sich zu bewerben! Man kann zwar keine klassische Schnupperlehre machen, aber wer gerne mit Menschen arbeitet, Abwechslung sucht und Herausforderungen mag, für den ist es genau das Richtige.
Marina, danke vielmals für die spannenden Einblicke!
Danke auch.
Und euch zu Hause: Danke fürs Zuhören. Wenn ihr mehr über die Berufe bei der Stadt Zürich erfahren wollt, hört das nächste Mal wieder rein.