In der Stadt Zürich stehen über 70 000 Bäume, die Pflege brauchen. Nadja Bonadurer ist Vorarbeiterin Baumpflege bei Grün Stadt Zürich und verbringt einen Grossteil ihres Arbeitsalltags in den Wipfeln der Bäume. Sie prüft, ob die Bäume von Schädlingen oder Pilzen befallen sind und schneidet tote Äste heraus, damit diese nicht plötzlich herunterfallen.
Die Baumpflege dient vor allem der Sicherheit der Bevölkerung. «Wenn Bäume krank sind und ihre Standfestigkeit gefährdet ist, müssen sie unter Umständen gefällt werden», erklärt sie. «Jeder Baum ist anders, jeder könnte brüchig sein. Man muss sich immer bewusst sein, was passieren könnte.» Wer in der Baumpflege arbeitet, muss fit und sportlich sein und auch ein bisschen das Abenteuer suchen, ist Nadja Bonadurer überzeugt, die ihre Arbeit seit 2016 mit Begeisterung ausübt. «Am meisten gefällt mir die Verbindung zur Natur», erklärt sie. «Bäume sind wichtig für uns. Sie sind die Lunge der Welt. Jeder einzelne Baum, den ich schützen und erhalten kann, ist für mich ein Geschenk.»
Zürich ist eine Stadt zum Leben und eine Stadt zum Arbeiten. Gut
34 000 Mitarbeitende sorgen in der Stadtverwaltung dafür, dass Zürich lebenswert ist und bleibt.
Bäume sind enorm wichtig – und das gerät in der Gesellschaft zuweilen in Vergessenheit. Jeder einzelne Baum, den ich schützen und erhalten kann, ist für mich ein riesiges Geschenk.
Das ist Nadja Bonadurer. Sie arbeitet als Baumpflegerin bei der Stadt Zürich. Die Nähe zur Natur schätzt sie an ihrem Job am meisten. Täglich auf Bäume zu klettern, hinterlässt aber auch Spuren. Mit uns spricht sie über körperliche Herausforderungen – und über ihre Leidenschaft für den Beruf.
Regelmässige Kontrollen auf Schädlinge und Pilze, totes Holz entfernen, damit keine Äste auf Strassen oder Menschen fallen: Die über 70 000 Bäume in der Stadt Zürich brauchen Pflege.
Ich bin Lara Blatter und habe heute die Baumpflegerin Nadja Bonadurer zu Gast. Herzlich willkommen.
Danke, ich freue mich, hier zu sein.
Wie viel Zeit verbringen Sie hoch oben in den Ästen?
Das ist sehr unterschiedlich. Wir bauen gerade ein Team auf. Als Vorarbeiterin erledige ich derzeit viel Administration – mehr im Büro als auf den Bäumen, auch wenn ich lieber draussen wäre.
Wie sieht Ihr Arbeitsalltag grundsätzlich aus?
In der reinen Baumpflege erhalten wir Aufträge von Privaten oder von städtischen Stellen. Vor Ort sperren wir den Bereich ab, prüfen Umgebung und Massnahmen, erstellen eine Notfallplanung, falls uns etwas passieren sollte. Dann wird der Baum mit einem Aufstiegsseil angeworfen, wir bauen unser Klettermaterial ein und beginnen mit der Pflege. Wir arbeiten mindestens zu zweit, damit wir einander im Notfall sichern können. Oft sind wir den ganzen Tag im Baum.
Welche Pflege braucht ein Baum?
Eigentlich braucht der Baum uns nicht. In der Stadt haben wir aber einen hohen Sicherheitsanspruch. Es geht darum, totes Holz zu entfernen, Gefahrenstellen zu beheben oder im Krankheitsfall Bäume zu fällen – etwa bei Pilzfruchtkörpern, welche die Standfestigkeit beeinträchtigen. Sicherheit steht im Vordergrund.
2021 hat ein heftiger Sturm viele Bäume beschädigt. Wie sah die Zeit danach aus?
Wir waren monatelang im Dauereinsatz. Ich persönlich habe etwa ein Jahr lang Bäume nachgeschnitten und stabilisiert. Es tat weh zu sehen, wie viele alte Bäume betroffen waren.
Sie sind seit 2016 in der Baumpflege. Wie kamen Sie dazu?
Per Zufall. Ich war lange im Garten- und Landschaftsbau, wurde dort aber unglücklich. Bei einer Mittagspause im Wald sah ich eine Stellenausschreibung der Stadt Bern. Obwohl ich wenig Klettererfahrung hatte, bewarb ich mich – und es hat mich völlig gepackt: so nah an und mit der Natur zu arbeiten.
Klettern lernt man dann on the job?
Ja. Am Anfang beisst man sich durch, egal wie sportlich man ist. Dranbleiben ist entscheidend. Dehnen, Yoga, Regeneration – alles wichtig, damit der Körper mitkommt.
Warum der Wechsel nach Zürich?
In meinem damaligen Team traten schon in relativ jungen Jahren Abnützungserscheinungen auf. Ich kletterte 100 Prozent, täglich acht Stunden im Baum. Erholung nur über Nacht oder über das Wochenende – das war auf Dauer zu hart. Ich wollte langfristig gesund bleiben. Mein Chef wies mich auf eine Chance in Zürich hin. So kam ich zur Baumkontrolle – heute mit einem Mix aus Büro und Baum. Wir bauen das neue Team auf; das Draussensein nimmt wieder zu.
Wie gross ist das Team der Baumpflegenden in der Stadt Zürich?
Aktuell rund zehn Personen, wir sind noch im Aufbau. Ich bin in Zürich zurzeit die einzige Frau im Team, aber in der Privatwirtschaft kommen immer mehr Frauen dazu – das tut der Dynamik gut.
Was lieben Sie besonders an Ihrem Job?
Die Verbindung mit der Natur. Man spürt die Bäume – das klingt spirituell, ist aber real. Bäume sind lebenswichtig, unsere Lunge. Jeden einzelnen zu schützen, empfinde ich als Geschenk. Und ja, der körperliche Aspekt: Abenteuer, Adrenalin. Jeder Baum ist anders, reagiert anders. Das fordert Respekt und hält wach – besonders nach Ferien, wenn der erste 25–30-Meter-Baum ansteht.
Klimaerhitzung: Wie beeinflusst sie Ihre Arbeit?
Der Aufwand steigt. Mehr Totholz, mehr Pflege, teils Fällungen, weil Bäume die Belastung nicht mehr schaffen. Gleichzeitig pflanzen wir stadtweit jährlich rund 950 sogenannte Klimabäume. Wir testen, welche Arten mit Hitze, Trockenheit, Salz, Verdichtung und wenig Raum besser zurechtkommen. Einheimische Arten bevorzugen wir, aber auch sie kämpfen zunehmend. Es ist ein laufender Lernprozess.
Und ja: «Mehr Bäume» scheitert oft am Untergrund. Leitungen, enge Räume – ein Baum ist keine Topfpflanze. Er braucht Platz fürs Wurzelwerk.
Wie begeistern Sie andere für Bäume und Ihren Beruf?
Indem ich aus dem Herzen erzähle. Begeisterung steckt an. Viele wollen mitkommen, schauen, mitklettern. Ich habe schon Zweitausrüstungen organisiert und Leute mit nach oben genommen. Wenn man durch die Stadt geht und bewusst hinschaut, merkt man: Diese Bäume geben uns etwas – und jemand kümmert sich darum.
Vielen Dank für das Gespräch, Nadja Bonadurer.
Danke vielmals.
Das war der Podcast der Stadt Zürich als Arbeitgeberin. Wenn auch Sie Zürich mitgestalten möchten, besuchen Sie www.stadt-zuerich.ch/jobs-karriere. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.