«Die Senkung von Tempo 50 auf Tempo 30 wirkt auf den Lärm wie eine Halbierung des Verkehrs», erklärt Severin Thürig, Projektleiter Lärmschutz bei der Stadt Zürich. Zusammen mit seinem Team beurteilt er den Lärm in den Strassen Zürichs und plant Gegenmassnahmen, wenn der Pegel zu hoch ist.
Die Lärmschutzfachleute vom Umwelt- und Gesundheitsschutz berechnen verschiedene Szenarien, wie der Lärm an den entsprechenden Strassenabschnitten reduziert werden könnte. «Die Einführung von Tempo 30 ist eine mögliche Massnahme», meint der studierte Geograf. Mit einem lärmarmen Belag etwa lässt sich der Lärm zusätzlich verringern. Die Fachleute erstellen Gutachten, die nach verschiedenen Abwägungen in Bauprojekte des Tiefbauamts einfliessen.
Severin Thürig schätzt die Vielseitigkeit seines Berufs, die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Fachpersonen aus dem Umweltbereich, die Projekte in einem politischen Umfeld.
Zürich ist eine Stadt zum Leben und eine Stadt zum Arbeiten.
Gut 34 000 Mitarbeitende sorgen in der Stadtverwaltung dafür, dass Zürich lebenswert ist und bleibt.
«Ich gehe mit offeneren Ohren durch die Stadt, seit ich beim Lärmschutz arbeite.»
Das sagt Severin Thürig. Er ist Projektleiter Lärmschutz bei der Stadt Zürich. Seit er in diesem Bereich tätig ist, weiss er nicht nur, wie laut Zürich wirklich ist – er weiss auch, dass Lärm krank machen kann.
Wie die Stadt Zürich leiser werden soll, erzählt er in dieser Folge.
Zürich wächst – und damit wird es auch lauter. Damit die Lebensqualität hoch bleibt, braucht es wirksamen Lärmschutz. Die Lärmschutzstrategie der Stadt Zürich umfasst drei Bereiche: Lärmvorsorge beim Bauen, Alltagslärm und Strassenverkehr. Und genau beim Strassenlärm arbeitet unser heutiger Gast.
Herzlich willkommen zu dieser Podcast-Folge. Ich bin Lara Blatter und spreche heute mit Severin Thürig, Projektleiter Lärmschutz.
Hallo, freut mich, dass ich hier bin.
Wo ist es in Zürich am lautesten?
Grundsätzlich auf den grossen Strassen mit viel Verkehr – also den Ein- und Ausfallsachsen.
Sie haben im Vorgespräch gesagt: 140 000 Menschen in Zürich sind laut Schätzungen von übermässigem Lärm betroffen. Wird das unterschätzt?
Ja. Der Bund definiert Lärmgrenzwerte. Unsere Berechnungen zeigen, dass 140 000 Personen in Gebäuden leben, die mindestens an einem Punkt über diesem Grenzwert liegen. Lärm ist gesundheitsschädigend – darum müssen wir ihn reduzieren.
Ich wohne selbst an einer der lautesten Strassen Zürichs, der Hohlstrasse. Drei Autospuren, zwei Tramlinien, ein Bus. Was tun Sie konkret, damit es ruhiger wird?
Wir begleiten alle Strassenbauprojekte des Tiefbauamts. Wir berechnen Szenarien: Wie laut ist es heute, wie laut wäre es mit Tempo 30, wie laut mit einem lärmarmen Belag? Daraus erstellen wir akustische Gutachten, die als Entscheidungsgrundlage für Massnahmen dienen.
Also arbeiten Sie mit Tempo 30 und lärmmindernden Belägen?
Genau. Tempo 30 bringt rund –3 Dezibel, was akustisch einer Halbierung des Verkehrs entspricht. Lärmarme Beläge können zusätzlich 1 bis 3 Dezibel bringen. Zusammen ist das sehr wirksam.
Wie sieht Ihr Alltag aus?
Viel Büroarbeit. Wir arbeiten mit dem Lärmbelastungskataster, werten Verkehrszahlen aus und modellieren Lärmemissionen für ganze Strassenabschnitte. So wissen wir für jedes Gebäude in Zürich, wie laut es dort ist.
Sie sind erst seit einem Jahr bei der Stadt. Wie wird man Projektleiter Lärmschutz?
Lärm kann man nicht studieren. Ich habe Geografie mit Schwerpunkt Geoinformatik studiert und wollte nach dem Studium einen Job, der GIS (Geoinformationssysteme), Projektarbeit und Politik verbindet. Der Job bei der Stadt Zürich passte perfekt. Fachwissen zum Lärmschutz habe ich «on the job» und durch Weiterbildungen aufgebaut.
Wie hat der Job Ihr eigenes Verhältnis zu Lärm verändert?
Sehr. Ich nehme Lärm viel bewusster wahr. Ob in Parks oder auf Plätzen – ich höre sofort, wo es rauscht. Ich gehe mit offenen Ohren durch Zürich.
Was gefällt Ihnen an Ihrem Job und an der Stadt Zürich als Arbeitgeberin?
Die Vielfalt. Beim Umwelt- und Gesundheitsschutz arbeiten wir eng mit anderen Fachbereichen zusammen – Klima, Luftqualität, Hitzeminderung. Es gibt viele Synergien. Zudem schätze ich die Flexibilität: Ich arbeite 90 Prozent und kann meine Zeit sehr frei einteilen. Und die Sozialleistungen sind ausgezeichnet. Und ich kann etwas dazu beitragen, dass es der Bevölkerung besser geht.
Ihr Job bewegt sich an der Schnittstelle von Technik, Gesundheit und Politik. Wo liegt die grösste Herausforderung?
In der Umsetzung. Wir haben einen Plan mit Strassen, die Tempo 30 erhalten sollen. Dafür braucht es politische Unterstützung, aber auch Geduld – es gibt Einsprachen und viele Hürden. Trotzdem lohnt es sich, weil es die Lebensqualität direkt verbessert.
Manche sagen: «In einer Stadt ist es halt laut – wem es zu laut ist, der soll aufs Land ziehen.» Was entgegnen Sie?
Das kann man nicht einfach so sagen. Klar, eine Stadt ist nie völlig leise. Aber wir wissen, dass Lärm schädlich ist. Darum müssen wir etwas dagegen tun.
Vielen Dank für das Gespräch, Severin Thürig.
Danke auch.
Das war der Podcast der Stadt Zürich als Arbeitgeberin.
Wenn auch Sie Zürich mitgestalten möchten, besuchen Sie www.stadt-zuerich.ch/jobs-karriere.
Danke fürs Zuhören – und bis zum nächsten Mal.