Der Einbezug und die Zusammenarbeit mit betroffenen Anspruchsgruppen zählen seit Langem zur Praxis der Stadtverwaltung und entsprechen dem Grundverständnis des Stadtrats: «Lösungen für die Bevölkerung und die Wirtschaft sollen auf eine partnerschaftliche Weise» erarbeitet werden, und es sollen «angemessene Formen der Mitwirkung zur Verfügung stehen» (Strategien Zürich 2040). In der Bevölkerungsbefragung 2025 wurden in diesem Zusammenhang in einem Fokusteil erstmals Fragen zum Thema «Mitwirkung (Partizipation) bei städtischen Projekten» gestellt.
Das Thema Mitwirkung/Partizipation ist für viele Menschen nicht einfach zu fassen, die Assoziationen dazu sind unterschiedlich. Um ein möglichst einheitliches Verständnis zu erlangen, wurde im Fragebogen der Bevölkerungsbefragung 2025 folgende Definition mitgeliefert:
«Bei manchen städtischen Projekten kann die Bevölkerung ihre Anliegen und Meinungen in Mitwirkungsprozessen einbringen – in Veranstaltungen vor Ort oder online (E-Partizipation). Es werden gemeinsam Ideen entwickelt und Lösungen gesucht. Solche Projekte können sich auf einzelne Quartiere oder die gesamte Stadt beziehen. Die Themen sind unterschiedlich. Beispiele sind die Neugestaltung eines zentralen Platzes, die Zukunft des öffentlichen Verkehrs oder altersfreundliche Quartiere.»
Auf die Frage, ob sich jemand schon in einem städtischen Mitwirkungsprozess eingebracht hat, sei es im eigenen Wohnquartier oder auf gesamtstädtischer Ebene, vor Ort oder online, antworten sechs Prozent mit «Ja mehrmals» und neun Prozent mit «Ja, einmal». 85 Prozent der befragten Personen antworten mit «Nein, noch nie».
Ältere Personen haben sich schon häufiger eingebracht als jüngere, Schweizer*innen öfter als Personen ohne Schweizer Pass.
«Weshalb haben Sie sich noch nie in städtischen Mitwirkungsprozessen eingebracht?» Diese Frage richtete sich an jene 85 Prozent der Einwohner*innen, die angegeben hatten, sich noch nie eingebracht zu haben. Die Hälfte dieser Gruppe begründet dies damit, dass sie noch nie von solchen Möglichkeiten zur Mitwirkung gehört habe. Ein Viertel führt Zeitmangel als Begründung auf, ein Fünftel fehlende Betroffenheit. Nur sieben Prozent begründen ihre Nicht-Teilnahme mit generellem Desinteresse an Mitwirkung.
Beim Vergleich der Begründungen verschiedener Altersgruppen fällt auf, dass die Jüngsten häufiger als Ältere die fehlende Kenntnis solcher Möglichkeiten angeben. Zudem vermerken sie überdurchschnittlich häufig, sie seien neu in der Stadt. Die älteste Gruppe hingegen nennt häufiger fehlende Betroffenheit als Grund sowie das Vertrauen, dass die Stadt ihre Projekte selbst gut umsetzt. Zudem äussert sie häufiger als Jüngere ein generelles Desinteresse an Mitwirkung.
Beim Vergleich der Begründungen zwischen Personen mit und ohne Schweizer Pass zeigen sich folgende Unterschiede: Ausländer*innen geben überdurchschnittlich häufig an, noch nie von solchen Mitwirkungsprozessen gehört zu haben, und sie erwähnen deutlich häufiger als Schweizer*innen Sprachbarrieren. Auch eine kurze Wohndauer in der Stadt wird von ihnen häufiger ins Feld geführt. Schweizer*innen hingegen sagen häufiger, sie hätten keine oder zu wenig Zeit oder sie hätten generell kein Interesse an Mitwirkung.
Die in der Grafik ersichtlichen zehn Antwortkategorien waren im Fragebogen ersichtlich und konnten als Antwort gewählt werden. Zudem war es möglich, eine andere, eigene Antwort zu notieren. Maximal konnten drei Antworten gegeben werden.
Die 15 Prozent der Einwohner*innen, die angegeben haben, sich bereits in städtischen Mitwirkungsprozessen eingebracht zu haben, wurden gefragt, ob sie sich bei einer nächsten Gelegenheit erneut einbringen werden. 81 Prozent von ihnen bejahen diese Frage. Unter ihnen finden sich häufiger Personen unter 60 Jahren als ältere und häufiger Ausländer*innen als Schweizer*innen.
19 Prozent der Gruppe, die bereits an einem städtischen Mitwirkungsprozess teilgenommen hat, möchten sich künftig nicht mehr einbringen. Sie wurden um eine Begründung gebeten: Rund ein Fünftel von ihnen ist der Ansicht, dass sie nichts bewirken können, einem weiteren Fünftel fehlt die Zeit zur Teilnahme. An dritter Stelle folgen gesundheitliche oder altersbedingte Gründe. Weitere Antworten werden von jeweils weniger als zehn Prozent der befragten Gruppe gegeben1.
In welcher Form bringen sich die Einwohner*innen von Zürich am liebsten in städtische Mitwirkungsprozesse ein? Gemäss Rückmeldungen der Bevölkerung sind eine Teilnahme ausschliesslich online oder «vor Ort und online» am attraktivsten: Je rund 40 Prozent begrüssen diese Optionen2. Nur 15 Prozent bevorzugen Beteiligungsprozesse ausschliesslich vor Ort.
Junge Personen und Ausländer*innen wünschen sich häufiger eine reine Online-Partizipation als ältere Einwohner*innen und als Schweizer*innen. Über 60-Jährige bevorzugen häufiger als Jüngere eine Teilnahme vor Ort.
Zu welchen Themen möchte sich die Bevölkerung über Mitwirkungsprozesse einbringen? Dazu konnten die Befragten maximal drei Themen nennen. Ihre Rückmeldungen wurden zu Kategorien zusammengefasst. Die zehn am häufigsten genannten Kategorien sind in der Grafik unten ersichtlich.
Die Antworten zeigen: Am häufigsten möchten sich Einwohner*innen3 in Mitwirkungsprozessen der Stadt einbringen, wenn es um Themen im Zusammenhang mit Raum-, Stadt- und Quartierplanung oder um allgemeine Verkehrsthemen4 geht. Rund ein Viertel beziehungsweise ein Fünftel der Rückmeldungen können diesen beiden Themenfeldern zugeordnet werden. Etwas mehr als jede zehnte Person würde sich gerne bei den Themen Grünflächen/Parks, Umwelt/Nachhaltigkeit, Wohnen oder Veloverkehr einbringen. Themen wie soziales Engagement, Kultur/Kunst, Freizeit/Sport oder Integration/Migration wurden weniger häufig genannt.
Frauen interessieren deutlich am häufigsten für Raum-, Stadt- und Quartierplanung, während sich Männer gleichermassen für allgemeine Verkehrsthemen und Raum-, Stadt- und Quartierplanung interessieren. Die Themen Grünflächen/Parks, Umwelt/Nachhaltigkeit, soziales Engagement, Kultur/Kunst sowie Integration/Migration interessieren Frauen häufiger als Männer.
Ältere Personen möchten sich häufiger zu Raum-, Stadt- und Quartierplanung und allgemeinen Verkehrsthemen einbringen als jüngere; ansonsten gibt es keine nennenswerten Unterschiede zwischen den verschiedenen Altersklassen.
Die meisten Stadtzürcher*innen stehen einer Mitwirkung offen gegenüber, sofern die Teilnahmeform passt und das Thema interessiert. Rund 15 Prozent haben sich bereits in Mitwirkungsprozessen eingebracht, und etwa 80 Prozent von ihnen geben an, bei einer nächsten Gelegenheit erneut teilzunehmen. Viele Einwohner*innen geben allerdings an, noch nie von Mitwirkungsmöglichkeiten bei städtischen Vorhaben gehört zu haben. Digitale Partizipations-Angebote werden von 85 Prozent der Bevölkerung entweder allein oder zusammen mit einer Teilnahme vor Ort als bevorzugte Art des Einbezugs angegeben. Von Interesse sind für die Einwohner*innen vor allem Mitwirkungsprozesse zur Raum-, Stadt- und Quartierplanung sowie zu allgemeinen Verkehrsthemen.
1 Die hier befragte Gruppe umfasst 143 Personen. Aufgrund dieser geringen Fallzahl sind die Konfidenzintervalle hoch und eine Analyse von Teilgruppenunterschieden wenig zuverlässig.
2 Ausgenommen davon ist die Meinung derjenigen Personen, die gemäss eigenen Angaben kein Interesse an Mitwirkung haben, sich nicht einbringen möchten oder keine Antwort gaben.
3 Ausgenommen sind Personen, die gemäss eigenen Angaben kein Interesse an Mitwirkung haben, sich nicht einbringen möchten oder keine Antwort gaben.
4 Die Verkehrsthemen «Veloverkehr», «öffentlicher Verkehr» und «Verkehrsberuhigung/Fussgänger» wurden in separaten Kategorien erfasst und sind nicht in «Verkehr allgemein» inkludiert. «Veloverkehr» wurde von 12 Prozent der Befragten genannt und erscheint ebenfalls unter den zehn am häufigsten genannten Themen.
Es handelt sich bei sämtlichen in den Grafiken dargestellten Ergebnissen um selbst deklarierte Informationen, mit Ausnahme der soziodemografischen Merkmale Geschlecht, Alter und Herkunft, die dem Bevölkerungsregister der Stadt Zürich entnommen sind.
Sichtbare Unterschiede in den Grafiken bedeuten nicht zwingend tatsächliche Unterschiede in der Grundgesamtheit der betrachteten Personengruppe. Dies deshalb, weil Aussagen über die Grundgesamtheit aus Stichprobenerhebungen mit Unsicherheiten behaftet sind. Über das Ausmass dieser Unsicherheiten geben die Konfidenzintervalle (auch Vertrauensintervalle genannt) in den Grafiken Auskunft. Die Konfidenzintervalle sind in den Grafiken bei «Mouseover» (wenn Sie mit dem Mauszeiger auf die gewünschten Balken fahren) ersichtlich. Bei den nicht gestapelten Säulengrafiken werden sie zudem als graue Striche (sogenannte Whisker) dargestellt. Unterschiede werden nur thematisiert, wenn sich die Konfidenzintervalle nicht überschneiden. Bei den beschriebenen Teilgruppenunterschieden wurde eine Auswahl getroffen.
Die Antwortkategorien «Weiss nicht» und «Keine Angabe» werden in den Auswertungen nicht berücksichtigt. Im Vergleich zu den Standardauswertungen sind aufgrund unterschiedlicher Zusammenfassung der einzelnen Antwortkategorien kleine Rundungsabweichungen in den Resultaten möglich.
Ist in einer Grafik nicht vermerkt, dass es sich um eine Darstellung von Mehrfachantworten handelt, so bedeutet dies, dass bei der Fragestellung jeweils nur eine Antwort erlaubt war.
Weitere Grafiken, methodische Informationen sowie ein Zugang zu den Rohdaten aller bisherigen Bevölkerungsbefragungen sind unter Bevölkerungsbefragung zu finden.
In der Bevölkerungsbefragung 2025 wurde bei der Variable Geschlecht neben «weiblich» und «männlich» zum dritten Mal auch die Kategorie «divers/non-binär, d. h. nicht (ausschliesslich) weiblich oder männlich» erhoben. Im Artikel sind aber nur die Kategorien «weiblich» und «männlich» aufgeführt, da die Fallzahlen der dritten Geschlechtskategorie sehr klein sind (2025 n = 11). Die Unsicherheiten wären für diese Kategorie zu gross, die Ergebnisse statistisch nicht «robust». Deshalb wurden die Antworten unter der dritten Geschlechtskategorie jeweils den amtlichen Angaben im Bevölkerungsregister der Stadt Zürich zugeordnet – dieses wird bisher ausschliesslich binär geführt.