Am 1. Oktober 1990 nahm das Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann, wie die Fachstelle damals hiess, seine Arbeit auf. Möglich wurde dies dank der Zustimmung von zwei Dritteln der Zürcher Stimmberechtigten zur Schaffung der Stelle im Jahr davor. Damit schrieb die Stadt Zürich Geschichte: Als erste Stadt der Schweiz richtete sie ein Gleichstellungsbüro ein.
35 Jahre später können wir auf viele Verbesserungen und Errungenschaften zurückblicken: 2013 wurde der Gleichstellungsauftrag der Fachstelle auf die Themen sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität erweitert. Kürzlich beschlossen wurde ein vorgeburtlicher Mutterschaftsurlaub für städtische Mitarbeitende; bereits seit einiger Zeit besteht zudem ein vierwöchiger Vaterschaftsurlaub. Der Frauenanteil in Kaderpositionen innerhalb der Stadtverwaltung ist gestiegen. Und mit Projekten wie «Zürich schaut hin» oder «KMUkonkret+» unternimmt die Stadt konkrete Anstrengungen gegen Belästigungen und Gewalt – im öffentlichen Raum, im Nachtleben, am Arbeitsplatz und in der Schule.
Gleichzeitig besteht in praktisch allen Lebensbereichen weiterhin Handlungsbedarf. Das bestätigt auch die Zwischenevaluation des Gleichstellungsplans 2024–2027. Die Gleichstellung aller Geschlechter ist als übergeordnete Aufgabe in der Stadtverwaltung verankert, und alle neun Departemente engagieren sich aktiv an der Umsetzung. Insgesamt liegt der Umsetzungsstand der Massnahmen im Schnitt bei rund zwei Dritteln. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Fortschritte nicht selbstverständlich sind und weiterhin das Engagement der gesamten Stadtverwaltung gefragt ist.
Unsere Vision ist der Kompass für die Gleichstellungsarbeit der Stadt Zürich: «Eine Stadt frei von Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, der sexuellen Orientierung oder der Geschlechtsidentität auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Die tatsächliche und rechtliche Gleichstellung in der Stadt Zürich ist verwirklicht». 2025 hat sich die Fachstelle organisatorisch neu aufgestellt, Wissen gezielt gebündelt und ihre strategischen Prioritäten weiterentwickelt. Neu leitet Binh Tschan den Bereich «Gleichstellungsprojekte», Aner Voloder ist für «Rechtsberatung und Bildung» verantwortlich. Der Stab unterstützt die Fachstelle in ihren organisatorischen und strategischen Aufgaben.
Jubiläen sind ein Grund zum Feiern – und zugleich eine Erinnerung daran, dass wir noch nicht am Ziel sind. Unser 35-jähriges Bestehen begehen wir deshalb am 5. März 2026 mit einer Tagung zum Thema Gewalt und Männlichkeiten und greifen damit eine aktuelle gesellschaftliche Debatte auf. Zur Tagung und Anmeldung.
Mirjam Gasser, Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung