Ein parlamentarischer Vorstoss, der 1989 in einer Volksabstimmung mündete, hatte den politischen Prozess zur Gründung des Gleichstellungsbüros in Gang gesetzt. Zwei Drittel der Zürcher Stimmbevölkerung befürworteten die Einrichtung einer städtischen Gleichstellungsstelle.
Fünf Jahre nach der Gründung rückte das Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann mit der Kampagne «Männergewalt macht keine Männer» häusliche Gewalt gegen Frauen ins Licht der Öffentlichkeit und legte damit den Grundstein für den Aufbau von Anlaufstellen für Betroffene in der Stadt Zürich. Gemeinsam mit der verwaltungsinternen Fachstelle für Frauenfragen wurden zudem erste Richtlinien gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz entwickelt und Gleichstellungsziele im städtischen Personalrecht verankert. So wurden etwa die Löhne der mehrheitlich weiblichen Angestellten in den öffentlichen Toilettenbetrieben an jene der Strassenreinigung angeglichen.
2005 entstand durch den Zusammenschluss beider Institutionen die heutige Fachstelle für Gleichstellung (ZFG). Seither fördert die Fachstelle die rechtliche und tatsächliche Gleichstellung innerhalb der Verwaltung ebenso wie für die Bevölkerung und Organisationen der Stadt Zürich. 2013 wurde ihr Auftrag um die Themen sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität erweitert – ein wichtiger Schritt hin zu einer umfassenden Gleichstellungspolitik. Auch hier übernahm die Stadt Zürich eine Vorreiterinnenrolle. 2020 erhielt die Stadt Zürich dafür als erste Verwaltung das Swiss LGBTI-Label.
Seit ihrer Gründung hat die Fachstelle Themen aufgegriffen, die gesellschaftlich oft erst im Entstehen waren. Viele davon prägen die Gleichstellungsarbeit bis heute.
Ein zentrales Anliegen ist die Lohngleichheit: Mit der Analyse «Lohnlandschaft Zürich» machte die Fachstelle 2010 erstmals sichtbar, wo und warum Frauen weniger verdienen. Auf dieser Basis wurden Lohngleichheitskontrollen eingeführt, um bei der Vergabe von städtischen Aufträgen faire Bedingungen zu sichern.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Fachstelle begleitet interne Projekte zur Arbeitszeitgestaltung und setzt sich dafür ein, dass Betreuungsarbeit nicht zu einem Nachteil in der Erwerbsbiografie wird – sei es durch Elternzeitregelungen oder durch die Sensibilisierung von Arbeitgebenden.
Auch die Situation von Frauen mit Migrationsgeschichte, insbesondere von Migrantinnen in der Care-Arbeit, hat die Fachstelle in den Fokus genommen. Mit Informationsangeboten wie der Plattform «CareInfo» stärkt sie Rechte und den Zugang zu Unterstützung.
Geschlechtsspezifische Gewalt, sexuelle und sexistische Belästigung und Diskriminierung im öffentlichen Raum und am Arbeitsplatz wurden zu einem weiteren Schwerpunkt der Arbeit der Fachstelle. Mit der Kampagne «Zürich schaut hin» setzt die Stadt ein sichtbares Zeichen gegen Sexismus, Homo- und Transfeindlichkeit – auf der Strasse, im Nachtleben und in Schulen. Mit dem Projekt «KMUkonkret+» engagiert sie sich gegen sexuelle und sexistische Belästigungen am Arbeitsplatz.
Die Gleichstellungsarbeit hat sich immer auch konzeptionell weiterentwickelt: Themen wie Intersektionalität und Mehrfachdiskriminierung zeigen, dass Geschlecht nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern mit Faktoren wie Herkunft, Alter, sozialer Lage oder Behinderung zusammenwirkt.
2009 lancierte die Stadt Zürich im Auftrag des Stadtrats den ersten Gleichstellungsplan. Damit erfüllte der Stadtrat eine Verpflichtung, die er mit der Unterzeichnung der «Europäischen Charta zur Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene» im Jahr 2007 eingegangen war – mit dem Ziel, die Umsetzung der Gleichstellung zu beschleunigen. Der Gleichstellungsplan 2024–2027 ist bereits der vierte Plan und zeigt: Gleichstellung ist kein abgeschlossener Auftrag, sondern ein Prozess, der sich an gesellschaftliche Realitäten anpasst und sie zugleich beeinflusst.
Zur Halbzeit des Gleichstellungsplans 2024–2027 kann insgesamt eine positive Bilanz gezogen werden. Viele Massnahmen wurden in den letzten zwei Jahren bereits erfolgreich umgesetzt. Gleichzeitig zeigt der Zwischenbericht, dass Fortschritte nicht selbstverständlich sind und die Arbeit konsequent weitergeführt werden muss.
Wie gross der Bedarf bleibt, zeigt die Praxis: Die Zahl der Beratungsanfragen ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Die Themen reichen von Lohndiskriminierung über Diskriminierung bei Schwangerschaft und Mutterschaft bis hin zu sexueller und sexistischer Belästigung, die ein Dauerbrenner bleibt.
35 Jahre nach ihrer Gründung steht die Fachstelle für Gleichstellung sinnbildlich für eine Stadt, die sich bewegt und verändert. Was 1990 als Pionierinnenprojekt begann, ist heute Teil des Selbstverständnisses einer vielfältigen, modernen Verwaltung. Doch Gleichstellung ist kein Zustand, sondern ein Auftrag: hinzuschauen, Probleme zu benennen und neue Wege zu finden.
Die Tagung am 5. März 2026 steht im Zeichen dieser Haltung. Mit dem Thema «Gewalt und Männlichkeiten – Impulse für eine gleichberechtigte Gesellschaft» blickt die Fachstelle zurück auf ihre Anfänge und greift zugleich ein aktuelles Thema auf – als Einladung weiterzudenken: Wie gestalten wir gemeinsam eine gewaltfreie Zukunft für alle?
Die Fachstelle für Gleichstellung hat ihren visuellen Auftritt gemeinsam mit der Zürcher Agentur Klub Galopp überarbeitet. Die beiden Illustratorinnen Maria Rehli und Nina Calderone gestalten visuelle Konzepte, die Haltung zeigen und Geschichten erzählen. Mit ihrer klaren und zugleich verspielten Bildsprache schafft es Klub Galopp, Gleichstellungsarbeit sicht- und nahbar zu machen.