Frau Blume, die HAZ haben den Gleichstellungspreis 2025 erhalten. Was hat das bei Ihnen persönlich, aber auch innerhalb der Organisation ausgelöst?
Für uns war das natürlich eine grosse Freude und ein starkes Zeichen der Anerkennung unserer Arbeit. Gerade in einer Zeit, in der wir einen spürbaren Backlash erleben – sei es in den USA, anderen europäischen Ländern oder auch hier in der Schweiz –, ist diese Auszeichnung alles andere als selbstverständlich. Sie gibt uns Rückenwind und zeigt: Unsere Arbeit ist wichtig, wird gesehen und geschätzt.
Die HAZ schaffen seit Jahrzehnten Safer Spaces, Beratung und Begegnung für queere Menschen. Die Fachstelle für Gleichstellung setzt sich ebenfalls für eine diskriminierungsfreie Stadt ein – nur eben aus der Verwaltung heraus. Wie erleben Sie das Zusammenspiel zwischen Ihrer Arbeit und jener der Fachstelle?
Die Zusammenarbeit war bisher immer sehr gut und konstruktiv – ein echtes Win-win für beide Seiten und die queere Community. Die Stadt verfügt über Strukturen und Reichweite, die wir als zivilgesellschaftliche Organisation so nicht haben. Wir bringen dagegen Nähe zur Community, Erfahrung und Fachwissen ein. Zusammen führen diese unterschiedlichen Perspektiven dazu, dass Angebote und Dienstleistungen gezielter wirken, und wir hoffen, dass wir diese Kooperation in Zukunft weiter vertiefen können.
Mit dem Preisgeld wollen Sie die Arbeit der HAZ weiter stärken. Welche Schwerpunkte sind Ihnen dabei besonders wichtig – und was bedeutet das für die queere Community in Zürich?
Die 20 000 Franken sind für uns ein sehr grosser Betrag. Wir möchten das Geld gezielt in unsere Freiwilligenarbeit investieren: in die Befähigung, Weiterbildung und Stärkung unserer zahlreichen Volunteers. Denn der allergrösste Teil unserer Angebote basiert auf ehrenamtlichem Engagement. Das ist unglaublich wertvoll, kann aber auch belastend sein und zu Erschöpfung führen. Mit dem Preisgeld können wir die Qualität unserer Arbeit sichern – und das kommt direkt der queeren Community in Zürich zugute.
Wenn Sie nach vorne schauen: Welche Wünsche oder Visionen haben Sie für die HAZ – und für die Gleichstellung in Zürich in den kommenden Jahren?
Wir müssen auch in den kommenden Jahren gegen gesellschaftlichen Backlash ankämpfen. Gleichzeitig sehen wir, dass es nach wie vor rechtliche Ungleichheiten für queere Menschen gibt. Unsere Schwerpunkte hier in Zürich liegen auf zwei Themen. Einerseits Sensibilisierung: Wir möchten die Gesamtgesellschaft erreichen, Akzeptanz stärken und Diskriminierungen abbauen – besonders gegenüber mehrfach marginalisierten Personen wie queeren Geflüchteten oder queeren Menschen mit Behinderungen. Dabei wünschen wir uns auch, dass der Kanton seine Verantwortung stärker wahrnimmt, damit Gleichstellung nicht nur städtisch, sondern auch kantonal verankert ist. Und zentral bleibt für uns natürlich andererseits, sichere und niederschwellige Räume zu erhalten, in denen sich die Community treffen, austauschen und gegenseitig unterstützen kann.
Michael Baumer übergibt den diesjährigen Gleichstellungspreis im Namen des Zürcher Stadtrats an die HAZ - Queer Zürich – eine Organisation, die sich seit über 50 Jahren mit Mut, Ausdauer und Herzblut für die queere Community engagiert.
Dabei war die Feier mehr als eine reine Preisübergabe: Sie war ein bewegendes und klares Zeichen für Vielfalt, Zusammenhalt und Gleichstellung. Mit musikalischer Begleitung des schwulen männerchor zürich, einer glamourösen Laudatio der Zürcher Drag Queen Mona Gamie, starken Worten des Co-Präsidiums der HAZ und einem Apéro voller schöner Gespräche und Begegnungen.
Der Gleichstellungspreis ist eine Auszeichnung des Stadtrats für ausserordentliche Leistungen und Engagements zugunsten der Gleichstellung. Die nächste Ausschreibung erfolgt im Jahr 2027.