Menstruation geht uns alle an. Viele erleben sie selbst. Andere sind indirekt betroffen: Kolleg*innen, Vorgesetzte oder Freund*innen. Ob am Arbeitsplatz, in der Schule oder zu Hause – wenn nicht über Menstruationsgesundheit gesprochen wird oder die nötige Infrastruktur fehlt, hat das Folgen für alle.
Im Auftrag der Stadt Zürich führte das IZFG eine Befragung zu Menstruationsbeschwerden in der Stadtverwaltung durch. Die Studie zeigt: 63 Prozent der befragten Mitarbeiter*innen1 der Stadt Zürich leiden regelmässig unter starken Menstruationsbeschwerden – besonders häufig jüngere Personen. Viele der Betroffenen arbeiten trotz Schmerzen, Müdigkeit oder Stimmungsschwankungen weiter und verschweigen ihre Situation. Zwei Drittel geben an, für Absenzen andere Gründe wie etwa Kopfschmerzen vorzuschieben. Dass bestehende Möglichkeiten wie Homeoffice, längere Pausen oder Krankmeldung von über 60 Prozent nicht genutzt werden, unterstreicht, wie stark das Tabu ist. Gleichzeitig geben 86 Prozent der Befragten an, dass sie sich am Arbeitsplatz mehr Offenheit gegenüber dem Thema wünschen.
«Menstruationsbeschwerden, von denen eine so grosse Zahl von Mitarbeiterinnen betroffen sind, dürfen kein Tabuthema bleiben. Mit der Befragung haben wir einen ersten Schritt gemacht. Nun gilt es, die Lage der Betroffenen zu verbessern und neue, ergänzende Massnahmen zu entwickeln», sagt Stadtrat Daniel Leupi, Vorsteher des Finanzdepartements.
Besonders deutlich wird die Bedeutung der menstruellen Gesundheit in den Wechseljahren, einer Lebensphase, in der körperliche, psychische und soziale Veränderungen stattfinden können. In vielen Betrieben gelten Wechseljahre bis heute als eine rein private oder medizinische Angelegenheit – nicht jedoch als strukturelles Thema, das Arbeitsbedingungen, Gleichstellung und Fachkräftesicherung beeinflusst. Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Konzentrationsprobleme können den Arbeitsalltag erheblich belasten. Gleichzeitig fehlen vielerorts Wissen, offene Kommunikation und passende Unterstützungsangebote.
Menstruationsgesundheit, ein ganzheitliches physisches, psychisches und soziales Wohlbefinden rund um die Monatsblutung, ist ein zentrales Gleichstellungsthema. Die Fachstelle für Gleichstellung setzt sich dafür ein, dieses Thema offen anzusprechen, Betroffene zu stärken und strukturelle Lösungen zu entwickeln. Mit den BiblioTalks im Oktober und November 2025 wurde Fachwissen vermittelt und Tabus angesprochen. Am 23. Oktober 2025 stand das Thema Wechseljahre im Fokus – eine Einladung, eine bislang wenig beachtete Lebensphase aus einer gleichstellungspolitischen Perspektive zu betrachten. Am 17. November 2025 wurden die Ergebnisse der Studie des IZFG zu Menstruationsbeschwerden am Arbeitsplatz vorgestellt und eingeordnet. Nur, wenn vermeintlich «private» Themen im Erwerbsleben Platz finden, kann Gleichstellung gefördert und gesunde Arbeitsbedingungen für alle geschaffen werden.
1 Die Studie richtete sich an alle Angestellten bis 55 Jahre, die im Personaladministrationssystem als Frauen erfasst sind. Die Schreibweise «Mitarbeiter*innen» weist darauf hin, dass darunter auch Personen sein können, die sich nicht als Frauen identifizieren.