Michael Frei ist seit 2023 Betriebsleiter des Gesundheitszentrums für das Alter Laubegg. Im Interview berichtet er von einem Projekt mit der AOZ.
Die Gesundheitszentren für das Alter sollen Orte der Begegnung sein und den Austausch fördern: Das ist in der Altersstrategie 2035 der Stadt Zürich festgehalten. Orte, an denen Menschen verschiedener Generationen zusammenkommen. Das Gesundheitszentrum Laubegg bringt mit dem Projekt Spielenachmittage in Zusammenarbeit mit der AOZ nicht nur Generationen zusammen, sondern auch Kulturen. Bei den Teilnehmenden vonseiten der AOZ handelte es sich nämlich vor allem um junge Asylsuchende im Alter von 17 bis 25 Jahren, die zurzeit Deutsch lernen. Sie treffen sich mit den Bewohnenden des Gesundheitszentrums für das Alter Laubegg vor Ort zum gemeinsamen Spielen.
Michael, wie kam es zu dem Projekt?
Eine Fachmitarbeiterin Agogik der AOZ kam mit der Idee auf mich zu. Meinen Kontakt hatte sie von einer gemeinsamen Kollegin, die bei der Fachstelle Zürich im Alter (ZiA) arbeitet. Sie war auf der Suche nach Möglichkeiten, wie ihre Schüler*innen spielerisch Deutsch lernen und dabei Einblicke in das Leben in der Schweiz gewinnen könnten. Ihre Frage war, ob wir bereit wären, zu dem Zweck bei uns einen Spielenachmittag mit unseren Bewohnenden und den jungen Menschen der AOZ zu organisieren. Viele von ihnen stammen zum Beispiel aus Afghanistan, sodass neben dem intergenerationellen auch ein kultureller Austausch stattfinden würde.
Was hat dich dazu bewogen, zuzusagen?
Ich war von Anfang an Feuer und Flamme für das Projekt, denn ich wusste, dass unsere Bewohnenden sehr zugänglich sind und offen für Neues: neue Begegnungen, neue Kulturen. Mein Gefühl täuschte mich nicht. Es gab einen sehr schönen Austausch, bei dem die Generationen miteinander ins Gespräch kamen. Manche Gruppen waren ganz in ihr Spiel vertieft, andere haben über Hobbys und ihr Leben berichtet. Alle Teilnehmenden brachten eine grosse Offenheit mit.
Wie war die Reaktion der Bewohnenden auf das Angebot?
Ich kündigte den Spielenachmittag am Mittag als Möglichkeit an und war gespannt, wie viele Bewohnende kommen würden. Vonseiten der AOZ waren es 15 junge Menschen. Das traf sich hervorragend, denn auch 15 Bewohnende waren interessiert. Das ist eine sehr gute Resonanz für ein Angebot bei uns im Haus. Die AOZ hatte ein UNO-Spiel mitgebracht, wir steuerten ein Eile mit Weile bei – und los gingʼs!
Was war der Rahmen für den Austausch?
Abgesehen von den Spielregeln gab es keine Regeln. Ich bin der Ansicht, wenn man Neues ausprobiert, darf man nicht zu viele Leitplanken aufstellen, sonst erstickt man das Feuer. Wir wollten einfach Erfahrungen für allfällige künftige Begegnungen sammeln.
Was waren deine Erkenntnisse nach dem ersten Spielenachmittag?
Die Begegnung und der interkulturelle Austausch wurden als sehr schön und bereichernd wahrgenommen. Die Rückmeldungen fielen beidseitig sehr positiv aus. Wir können mit solchen Aktionen nicht die Welt verändern, aber wir können im Kleinen einen Rahmen schaffen, in dem sich Menschen kennen lernen, die sich sonst wohl nicht begegnet wären, und ein gegenseitiges Verständnis schaffen. Wenn Menschen miteinander reden, entsteht in der Regel Gutes.
Was würdest du allenfalls anders machen?
Wir haben die Bewohnenden gefragt, wie der Anlass für sie war und gemerkt, dass einige gerne darüber sprechen wollten. Künftig möchten wir sie im Anschluss an den Spielenachmittag gemeinsam abholen und zu einem Austausch einladen, bei dem sie ihre Gedanken teilen und in der Gruppe reflektieren können, wenn sie das möchten.
Es wird also weitere Spielenachmittage geben?
Unbedingt. Ein zweiter hat in der Zwischenzeit bereits stattgefunden. Wir möchten auch andere Betriebe dazu ermutigen, es auszuprobieren. Etwas sehr Schönes habe ich übrigens im Nachhinein erfahren. Ein Schüler der AOZ hatte nach dem Anlass den Wunsch geäussert, auch am Wochenende zu uns zu kommen. Da er in Uster wohnt, ist das nicht so praktisch. Man konnte ihm jedoch ein Alterszentrum in Uster vermitteln, wo er jetzt jeweils am Wochenende mit den Bewohnenden spielt. Im Kleinen anzufangen, kann also nachhaltig etwas bewirken.
Die AOZ erfüllt unter anderem Aufgaben der Sozialhilfe und der Integrationsförderung für Asylsuchende, Flüchtlinge sowie andere Zugewanderte. Mit ihrer Arbeit stärkt sie gesellschaftliches Engagement und gutes Zusammenleben in Vielfalt. In ihrem Deutschunterricht vermitteln sie nicht nur Sprache, sondern auch Kultur, Orientierung und Unterstützung.