Ursina Collenberg ist seit 2020 bei den Gesundheitszentren für das Alter tätig – zuerst als Praktikantin im Rahmen ihres Studiums in Sozialer Arbeit, danach als Sozialarbeiterin und seit Oktober 2025 schliesslich als Leiterin Sozialdienst der Akut- und Übergangspflege (AÜP). Worauf können sich die Patient*innen der AÜP bei den Gesundheitszentren verlassen? Für wen eignet sich das Angebot? Und wie schaffen wir es, dass die Rückkehrquote nach Hause nach einem AÜP-Aufenthalt bei rund 60 % liegt? Fragen, die uns Ursina im Gespräch beantwortet.
Ursina, an wen richtet sich euer AÜP-Angebot im Gesundheitszentrum Käferberg?
Primär an ältere Menschen, die nach einem Spitalaufenthalt noch nicht zurück nach Hause können. Zum Beispiel, weil sie noch zu wenig mobil, zu unsicher auf den Füssen sind. Dafür sind wir eine gute Anschlusslösung. Das gilt auch für Fälle, in denen Patient*innen nach dem Spital noch nicht fit genug sind für eine Reha. Denn gerade im Alter ist ein direkter Übertritt vom Spital in eine Reha oft zu anspruchsvoll.
Das Ziel der AÜP ist also…
… eine sichere Rückkehr nach Hause zu gewährleisten. Oder wir gleisen für die Zeit nach dem Aufenthalt bei uns, der maximal sechs Wochen dauert, eine Anschlusslösung auf – zum Beispiel den Übertritt in eine Altersinstitution. Mit 60 % Rückkehrquote nach Hause ist der Anteil der Patient*innen, die nach einem Aufenthalt bei uns wieder in ihr Zuhause zurückkehren können, hoch.
Du leitest den AÜP-Sozialdienst. Was ist dein beruflicher Hintergrund?
Ich absolvierte die Fachmittelschule mit dem Profil Theater. 2020 habe ich meinen Bachelor of Science in Sozialer Arbeit an der ZHAW abgeschlossen, 2025 den Master. Parallel zum Studium stieg ich bei den Gesundheitszentren ein und absolvierte ein Praktikum als Studierende Soziale Arbeit in der AÜP. Ich wollte und durfte bleiben, arbeitete über 4 Jahre als Sozialarbeiterin und bin seit Herbst 2025 Leiterin des Sozialdienstes AÜP.
Was ist dir im Umgang mit euren Patient*innen und Angehörigen besonders wichtig?
Bei uns steht der Mensch im Zentrum – das ist für mich entscheidend. Wir berücksichtigen die Situation der Patient*innen und ihrer Angehörigen bewusst in unserem Handeln und richten unsere Unterstützung daran aus. Dieser Perspektivenwechsel ist uns wichtig. Auch wenn wir routiniert arbeiten und klare Abläufe haben, bleibt es für die Betroffenen eine Ausnahmesituation. Dessen sind wir uns stets bewusst und nehmen uns die notwendige Zeit für die Menschen.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Zuweiserstellen?
Die Zusammenarbeit funktioniert aus meiner Sicht sehr gut. Die Patient*innen, die hierher zu uns kommen, wissen, was sie auf der AÜP erwartet. Und wir arbeiten Hand in Hand. Die Zuweisenden – das sind in aller Regel Spitäler – übermitteln uns im Rahmen von Fallübergaben die zentralen Informationen. Das ist auch wichtig, damit die Patient*innen und Angehörigen nicht alles doppelt und dreifach erzählen müssen.
Wie läuft es ab, wenn jemand Neues zu euch in die AÜP kommt?
In der Regel erhalten wir ein bis zwei Tage vor dem Eintritt alle relevanten Informationen zur eintretenden Person. Am ersten Tag läuft viel für die Patient*innen, Gespräche mit den anderen Disziplinen. Deshalb führen wir das Eintrittsgespräch in der Regel erst einen Tag später. Das hat den Vorteil, dass uns dann bereits die Einschätzungen von Pflege, Therapien und Arztdienst vorliegen und wir uns nach dem Gespräch mit der*dem Patient*in ein besseres Gesamtbild über die Situation verschaffen können. Für mich sind das alles einzelne Puzzleteile, die ich allesamt einbeziehen muss. Das ist wichtig für die weitere Planung.
Wie begleitest du die Patient*innen im weiteren Verlauf ihres Aufenthalts?
Zum Beispiel bieten wir Familiengespräche an. Gemeinsam mit den Angehörigen werden dort die Standortbestimmung, die Ziele des Aufenthalts und die konkrete Austrittsplanung besprochen. Wichtig dabei ist, dass auch die anderen Disziplinen wie Pflege, Therapien und Arztdienst mit am Tisch sitzen. Auch die Spitex haben wir oft dabei. Dieses interprofessionelle Zusammenarbeiten ist es auch, was meiner Meinung nach unsere AÜP ausmacht. Wir erfassen das Gesamtbild der Situation, denn es gibt viele Aspekte zu berücksichtigen, wenn Patient*innen nach ihrem Aufenthalt bei uns wieder nach Hause möchten. Und die Mehrheit möchte wieder nach Hause. Es gibt aber auch Fälle, in denen sich die Patient*innen mit der Situation anfreunden, dass rund um die Uhr Mitarbeitende da sind. Wir bieten ein Setting, das Sicherheit bietet und gleichzeitig schätzen viele das Gemeinschaftsgefühl hier. Das führt immer mal wieder dazu, dass sich die Patient*innen bewusst gegen eine Rückkehr nach Hause und für einen Einzug in eine Altersinstitution entscheiden.
Und was sind deine täglichen Herausforderungen?
Jeder Tag ist anders und bringt neue Herausforderungen. Das ist aber auch das, was ich schätze und spannend finde an meinem Beruf. Ich arbeite mit den verschiedensten Menschen zusammen, jede*r ist anders. Für mich ist es ein Lernprozess, der nie endet. Oft hat sich für Patient*innen und Angehörige viel angestaut, das sich dann mitunter bei uns entlädt. Das gehört aber auch dazu. Und in den maximal sechs Wochen, in denen die Menschen bei uns sind, gilt es, dass wir als Sozialarbeiter*innen ihre Rückkehr in den Alltag möglichst gut vorbereiten.
Die Akut- und Übergangspflege (AÜP) der Gesundheitszentren für das Alter bietet am Standort Käferberg insgesamt 60 Plätze. Ein Teil davon ist für die Rehabilitation von Menschen mit Demenz oder Delir reserviert. Die AÜP bietet sich dann an, wenn eine sichere Rückkehr nach Hause nach einem Spitalaufenthalt noch nicht möglich ist oder für eine bevorstehende Reha zuerst wieder die nötigen Kräfte aufgebaut werden müssen. Die Rückkehrquote nach Hause ist mit rund 60 % hoch. Ist eine Rückkehr nach sechs Wochen Aufenthalt weiterhin (noch) nicht möglich, kümmert sich unser AÜP-Sozialdienst gemeinsam mit Patient*in und Angehörigen darum, eine geeignete Anschlusslösung zu finden.
Spezialisiertes Angebot für Menschen mit Delir oder Demenz
Hochaltrige Menschen leiden nach einem Spitalaufenthalt häufig an einem Delir. Für sie sowie für Menschen mit einer dementiellen Erkrankung führt die AÜP ein spezialisiertes rehabilitatives Angebot. Pflege, Betreuung und Tagesgestaltung sind spezifisch auf ihre Bedürfnisse abgestimmt. Dieses Angebot ist in dieser Form besonders und trägt dem erhöhten Betreuungs- und Orientierungsbedarf gezielt Rechnung.
Bei Fragen steht Ihnen unser Beratungsteam telefonisch zur Verfügung.