Fernand Friedländer wurde 1930 im französischen Cannes geboren als Sohn eines Schweizer Bankangestellten und einer Italienerin, die ebenfalls bei der Bank arbeitete. Das Gespür für verschiedene Kulturen wurde ihm in die Wiege gelegt: Sein Vater war in jungen Jahren nach Italien ausgewandert und hatte dort bei der Arbeit seine spätere Frau kennengelernt. Es folgten Stationen in Bukarest, Nizza und Cannes, wo das Paar eine Familie gründete mit vier Buben und einem Mädchen. 1936 zog die siebenköpfige Familie nach Zürich, und der damals sechsjährige Fernand wurde eingeschult – ein ziemlicher Kulturschock. Doch Fernand Friedländer fand seinen Weg und machte sich schnell mit Sprache und Umfeld vertraut.
Seine spätere Frau lernte Fernand Friedländer bei einem Tanzkurs kennen. «Sie sagte, ich hätte so gut gerochen», erinnert er sich. Doch bis zur Hochzeit sollte noch einige Zeit vergehen. Während seiner Rekrutenschule und ihrer Zeit als Au-pair in der Westschweiz und später in England blieben die beiden in engem Kontakt – ausschliesslich per Brief. «Ich habe damals schriftlich um ihre Hand angehalten. Und sie hat meinen Antrag ebenfalls per Brief angenommen», führt er aus. 1956 heirateten sie und begannen ihr gemeinsames Leben in Zürich. «Ich hätte sie jederzeit wieder geheiratet. Sie war eine wunderschöne Frau mit einem fantastischen Charakter», schwärmt Fernand Friedländer.
Beruflich führte ihn sein Weg zur Maschinenfabrik Oerlikon, wo Fernand Friedländer als Ingenieur arbeitete. Er träumte davon, nach Brasilien auszuwandern und lernte mit seiner Frau die Sprache. Als sich der Plan nicht umsetzen liess, sah er ein Inserat in der NZZ, in dem ein junger Ingenieur in Portugiesisch-Ostafrika (heute Mosambik) gesucht wurde – und wanderte mit seiner Frau aus: «Wir führten ein privilegiertes Leben mit einem Kindermädchen für unsere beiden Kinder, die dort geboren wurden, und einem persönlichen Angestellten», erinnert er sich. 1962 zog die Familie zurück in die Schweiz: Sie liess sich zunächst in der Nähe von Genf nieder, lebte danach in Muzzano, einem Vorort von Lugano, bevor sie 1983 nach Zürich zurückkehrte. Dort war Fernand Friedländer zuerst in einem amerikanischen Beratungsunternehmen tätig und machte sich später selbstständig.
Neben seiner grossen Neugier für fremde Kulturen begleitete Fernand Friedländer seit seiner Jugend die Begeisterung für das Fliegen. «Ich war Fliegersoldat und hatte auf einem offenen Doppeldecker fliegen gelernt. Kurz nachdem ich zum Alleinflieger befördert wurde, warf man mich allerdings aufgrund waghalsiger Flugmanöver, die mich das Leben hätten kosten können, aus der Pilotenschule», gibt er freimütig preis. Später knüpfte er an seine Leidenschaft an und erwarb die Fluglizenz für eine Piper Cub, das ist ein einmotoriges zweisitziges Leichtflugzeug. Einmal nahm er seine Frau auf einen Flug mit. «Sie hatte solche Angst, dass sie nie wieder fliegen wollte», erinnert er sich.
Im Jahr 2020, als sich die Gesundheit seiner Frau verschlechterte, zog Fernand Friedländer mit ihr ins Gesundheitszentrum für das Alter Dorflinde in Oerlikon. «Die Dorflinde wurde uns empfohlen, und ich war begeistert von der Wohnung, die man uns zeigte», erklärt er. Dort kümmerte er sich um seine Frau bis zu ihrem Tod im Januar 2023. Bis heute wohnt er im Gesundheitszentrum Dorflinde und schätzt besonders die Herzlichkeit und das Engagement der Mitarbeitenden. «Sie sind mit Herzblut dabei, sehr aufmerksam und geben ihr Bestes. Ich fühle mich sehr gut aufgehoben», freut er sich. Ganz zur Ruhe gesetzt hat sich Fernand Friedländer noch immer nicht: Er engagiert sich nicht nur im Bewohnendenrat, dem Bindeglied zwischen den Bewohnenden und der Geschäftsleitung, sondern leitet auch mit Leidenschaft ein Sprachcafé im Gesundheitszentrum und ist bestens mit der modernen Technik vertraut. «Man muss den Geist so lange wie möglich wachhalten», ist er überzeugt.
Auf die Frage nach seinem Lebensmotto antwortet Fernand Friedländer nachdenklich: «Ich war schon immer etwas wild und ungestüm. Mein Rat: Überlegen Sie gut, bevor Sie etwas sagen. Wenn es nichts Positives ist, dann schweigen Sie lieber.» Mit 95 Jahren blickt Fernand Friedländer auf ein bewegtes Leben zurück, das ihn in 72 Länder führte und immer wieder zu neuen Herausforderungen. Seine Fähigkeit, sich anzupassen und Gemeinschaft zu schaffen, hat ihn geprägt – und sie inspiriert noch heute die Menschen um ihn.