Susanna Guyot wuchs in einem wunderschönen Aussenquartier von Luzern auf. Für ihren Vater sei wichtig gewesen, dass auch die Mädchen einen Beruf erlernten, weshalb sie das Lehrerseminar besucht habe mit der Absicht, Kindergärtnerin zu werden. «Im Semi hatten wir eine tolle Turnlehrerin. Darum dachte ich mir: Ich werde Turnlehrerin», erklärt sie ihren Richtungswechsel und fügt an: «Wir hatten das Glück, dass wir mit dem Semiabschluss die Matura und das Lehrerdiplom hatten.» Sie sei dann ein Jahr nach Zürich an die ETH gegangen, um Turnlehrerin zu werden und habe in Luzern auch auf dem Beruf gearbeitet, wenn auch nicht sehr lange. «Ich merkte, dass ich zwar furchtbar gerne turne, mir der Turnunterricht aber nicht sehr zusagt», erklärt sie ihre Entscheidung, als Primarlehrerin zu arbeiten.
«Ich nahm die Kinder als Persönlichkeiten an und begegnete ihnen auf Augenhöhe», erklärt Susanna Guyot ihre Haltung und ergänzt: «Mir war sehr wichtig, dass sie gerne zur Schule kommen und Freude haben, dass sie sich gegenseitig respektieren und niemand ausgelacht wird.» Dass die Kinder sich ihr gegenüber geöffnet hätten, habe ihr grosse Freude bereitet – und die Eltern zum Teil verwundert. «Es kam oft vor, dass die Kinder fragten, ob sie am nächsten Tag eine Stunde früher kommen dürfen», erinnert sich Susanna Guyot. Sie hätten dann hinten an den Pulten gesessen und miteinander gezeichnet.
Ihren Mann habe Susanna Guyot mit 38 Jahren kennengelernt und mit 40 geheiratet. «Dank eines der grössten Heiratsvermittlungsbüros», schmunzelt sie und erklärt: «Es gab in den Sommerferien immer einen Ort, an dem Lehrer*innen aus der ganzen Schweiz zusammenkamen, um Kurse zu besuchen – in der Deutschschweiz, in der Romandie oder im Tessin». Am Abend sei man dann mit der Klasse ausgegangen. «Mein zukünftiger Mann und ich waren gleichzeitig in einem Restaurant – ich mit der Kartonage-Klasse aus der Deutschschweiz, er mit jener aus der Romandie –, und beide Klassen entschieden weiterzuziehen», fasst sie den Abend zusammen. In einem Dancing habe er sie dann zum Tanzen aufgefordert. Zuerst hätten sie getanzt, danach vor allem geredet. «Wir hatten ein tolles Gespräch und sofort Parallelen gefunden», erinnert sie sich an die Anfänge ihrer Liebe.
Ihr Mann habe kein Deutsch gesprochen und konnte sich nicht vorstellen, Hausmann zu werden. «So kam es, dass ich in die Romandie zog. Er dachte nicht ans Heiraten. Aber mir war das zu riskant, da mir klar war, dass ich nicht unbedingt eine Anstellung finden würde», erklärt Susanna Guyot. Sie habe gerne zu Hause gearbeitet und angefangen, sich mit biologischem Gartenbau auseinanderzusetzen. Das sei damals ziemlich schwierig gewesen, weil es nicht viel Lektüre dazu gegeben habe. «Der biologische Gartenbau lag mir und bereitet mir grosse Freude», erinnert sich Susanna Guyot mit Stolz und fügt an: «Wir waren beide grosse Gemüseesser und hatten das ganze Jahr über frischen Salat.»
«Er hatte ein spezielles Haus: eine ehemalige Fabrik von 1800 mit dicken Steinmauern», beschreibt sie ihr neues Zuhause. Unten habe es eine Metallwerkstatt gehabt, oben zwei Wohnungen. «Wir haben das ganze Haus zusammen umgebaut: die Wände isoliert, die alten Balken hervorgeholt und eine Zentralheizung eingerichtet», erinnert sich Susanna Guyot. Zudem habe sie ständig Kurse besucht: Kartonage, Arbeiten mit Furnierholz, Schreinern, Peddigrohr und Weiden flechten. «Ich bin eine Handwerksfrau», lacht sie. «Sport wie Skifahren und Wandern verband meinen Mann und mich zusätzlich», beschreibt sie ihr Eheleben.
«Freunde haben uns von Weihnachten bis Neujahr in ihr Haus in Spanien eingeladen. Das milde Klima hat uns begeistert.» Daraufhin hätten sie ebenfalls ein Ferienhaus in Spanien gekauft. «Mein Mann sagte damals: Länger als einen Monat kann ich nicht aus der Schweiz weg», erinnert sich Susanna Guyot. Nach seiner Pensionierung seien sie aber immer länger und länger geblieben. «Am Ende waren wir nur noch ab und zu an Weihnachten und jeweils im Sommer in der Schweiz, weil dann zu viele Touristen da waren», beschreibt sie ihren damaligen Lebensmittelpunkt Palamós, ein Einheimischenstädtchen zwischen der französischen Grenze und Barcelona.
Mit 70 Jahren habe sie ihre ganze Familie ins Hotel nach Spanien eingeladen: Schwester und Bruder mit Familie. Alle hätten zugesagt. «Manchmal haben wir zusammen bei uns im Garten gegessen. Die Kinder konnten sich austoben. Wir waren wandern und im Restaurant essen. Wer Lust hatte, ging ins Städtchen flanieren», beschreibt sie die Zeit mit ihrer Familie. «Der Urlaub gefiel allen so gut, dass wir ihn fünf Jahre später wiederholten. Und dann nochmals. Meine Nichte war erst vergangene Pfingsten wieder in diesem Hotel. Der Ort ist uns allen ans Herz gewachsen», blickt sie zurück.
Nach dem Tod ihres Mannes habe sie das Haus in Spanien aufgegeben, weil es ihr zu viel wurde. Sie sei aber weiterhin in Spanien geblieben und habe sogar Altersresidenzen angeschaut, wobei ihr schnell klar geworden sei, dass diese für sie nicht infrage kämen. Also habe sie die Sommerferien bei ihrer Schwester in Zürich genutzt, um sich umzuschauen. «Es war schön, nach langer Zeit wieder sprechen zu können, wie mir der Schnabel gewachsen ist», erklärt Susanna Guyot ihre Entscheidung, mit ihrer Schwester Altersresidenzen in Zürich anzuschauen. «Beim Rebwies waren wir uns einig. Wir kamen zur Tür hinein und wussten sofort: Das ist es!», erinnert sie sich.
Ihr gefalle, dass die Stadt in der Nähe sei, man aber an ruhiger, schöner Lage wohne mit einem Wanderweg direkt vor der Nase. «Die Leitung und die Atmosphäre im Haus sind einfach nur positiv», nennt sie einen weiteren wichtigen Grund für ihre Wahl und ergänzt: «Die Bedienung ist so freundlich und aufmerksam. Seit meine Schwester nach einem Unfall ebenfalls hergezogen ist, weiss ich, dass auch die Pflege fantastisch ist». Freude habe sie auch an den Aktivitäten. «Beim Collagen kleben hat es mir so richtig den Ärmel reingenommen. Es gibt immer wieder Überraschungen», freut sie sich.
«Ich rate älteren Menschen, sich früh genug zu kümmern und die verschiedenen Residenzen zu besuchen, denn je später man kommt, desto schwieriger ist die Umstellung», erklärt sie ihre Beobachtung und fügt an: «Mit einer fortgeschrittenen Behinderung hat man mehr Mühe, sich einzugewöhnen. Der Schritt ist dann einfach zu gross». Es sei schon ein ganz anderes Leben, und man müsse sich positiv darauf einstellen. «Im Rebwies bekam ich beim Einzug ein Buch, das ein Bewohner vor einigen Jahren geschrieben hatte. Darin erzählen die Bewohnenden aus ihrer Jugend. Ich habe mir ankreuzen lassen, wer noch im Rebwies ist, habe ihre Geschichten gelesen und mich ihnen persönlich vorgestellt. So habe ich schnell Anschluss gefunden und mich gut eingelebt in meinem neuen Zuhause.», erklärt Susanna Guyot.