André, welche Bedeutung hat die Hotellerie für die Bewohnenden der Gesundheitszentren?
Bei uns leben Menschen mit mittlerem bis hohem Pflegebedarf. Da liegt natürlich der Fokus auf der Pflege. Trotzdem ist die Hotellerie elementar. Dazu zählen Gastronomie, Reinigung und Wäscherei. Sie sind mitentscheidend für die Lebensqualität. Jeder Mensch schätzt saubere Wäsche, eine gepflegte Umgebung und gutes Essen.
Welche Bereiche gehören sonst noch zur Hotellerie?
Der Technische Dienst für die Instandhaltung der Infrastruktur, der Einkauf und die Logistik. Das klingt vielleicht etwas technokratisch, ist für die Bewohnenden aber zentral. Ein sauberes, funktionierendes Zuhause schenkt Würde. Das ist umso wichtiger, als ein Grossteil unserer Bewohnenden einen hohen Pflegegrad hat und sich ihr Alltag vor allem im Gesundheitszentrum abspielt. Gleichzeitig bereiten wir ihnen auch mit kleinen Dingen Freude: Wenn etwa ein Fernseher nicht funktioniert, sind unsere Mitarbeitenden vom Technischen Dienst zur Stelle. Ihre roten T-Shirts stehen für die Bewohnenden für etwas Positives.
Welche Rückmeldungen erhältst du von den Bewohnenden?
Die Dankbarkeit ist gross, oft schon bei Kleinigkeiten. Kürzlich kam eine Bewohnerin auf mich zu, weil die Räder ihres Rollstuhls abgenutzt waren. Wir haben dann einen neuen Rollstuhl für sie organisiert – und sie hat richtiggehend gestrahlt. Damit war ihre Woche gerettet.
Als Co-Leiter bist du weniger nah am Alltag der Bewohnenden als früher, wo du noch «auf dem Feld» tätig warst.
Das stimmt. Dafür kümmere ich mich verstärkt um das Wohl der Mitarbeitenden. Letztes Jahr haben wir zum Beispiel den Pausenraum im Gesundheitszentrum Riesbach umgebaut. Er ist jetzt deutlich einladender, und das positive Feedback freut mich sehr.
Welche Rolle spielt die Gastronomie im Alltag der Bewohnenden?
Unsere Bewohnenden essen auf den Abteilungen, deshalb ist es zentral, dass die Gerichte warm ankommen. Das stellen wir mit sogenannten Regenerierwagen sicher. Eine noch grössere Herausforderung ist jedoch, dass die Bewohnenden genug essen. Unsere Küche bietet eine grosse Vielfalt und versucht, individuelle Wünsche zu berücksichtigen. Über 250 verschiedene Geschmäcker zu treffen, ist kein Kinderspiel.
Worauf muss man bei der Ernährung älterer Menschen besonders achten?
Die Speisen müssen zugleich nahrhaft und leicht konsumierbar sein. Geschätzt wird vor allem die klassische Küche, exotische Gerichte kommen im Moment noch weniger gut an. Obwohl es auch Vegetarier*innen gibt, spielt Fleisch in dieser Generation eine wichtige Rolle. Und freitags ist traditionell Fischtag. So stellen wir sicher, dass auch bei kleinen Portionen ausreichend Proteine aufgenommen werden.
Wie stellt ihr sicher, dass die Bewohnenden ausreichend essen und trinken?
Gerade bei Menschen mit Demenzerkrankung ist das eine Herausforderung. Zum Glück unterstützen uns mehrere Assistent*innen Betreuung und Service sowie Pflegemitarbeitende, die bei den Mahlzeiten begleiten, Getränke nachschenken und zum Essen animieren. Manchmal muss man auch umdenken. So haben wir die letztjährige Weihnachtsfeier erstmals für alle Bewohnenden auf den Mittag gelegt, weil wir gemerkt haben, dass sie dann wacher sind und das feine Weihnachtsmenü mehr geniessen können. Das kam sowohl bei den Bewohnenden als auch bei den Angehörigen gut an.
Witikon und Riesbach sind grosse Betriebe, das erhöht die gastronomischen Herausforderungen.
Ja, wir produzieren rund 1500 Mahlzeiten am Tag – für unsere Bewohnenden, das Restaurant und externe Hort-Verpflegung. Entsprechend aufwändig ist auch der Abwasch. Kürzlich sind wir vom Kader diverser Bereiche wegen eines Teamanlasses der Gastronomie eingesprungen, haben Geschirr eingesammelt, die Abwaschmaschine befüllt und die Küche gereinigt, damit am nächsten Tag alles wieder parat war. Solche Aktionen erden und helfen gleichzeitig, dass alles wie ein Uhrwerk funktioniert. Es ist harte Arbeit, 365 Tage im Jahr. Man sieht oft nur die schön angerichteten Teller, aber ohne sauberes Geschirr funktioniert nichts.
In welchen Bereichen ist die Hotellerie sonst noch spürbar?
Das Gesundheitszentrum ist der Lebensmittelpunkt der Bewohnenden. Viele sind auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen und können beispielsweise nicht mehr ins Kino gehen. Also sind wir ihr Kino: Wir organisieren Filmabende, aber auch Spielnachmittage, kulturelle Anlässe oder besondere Aktionen – ergänzend zu unserem breiten Aktivierungsangebot.
Auch der Garten gehört zum Zuhause der Bewohnenden. Worauf achtet ihr hier?
Wir pflegen insgesamt 13’000 Quadratmeter Gartenfläche. In den Demenzgärten steht Sicherheit an erster Stelle. Gleichzeitig ist uns Nachhaltigkeit wichtig: Unsere bunte Blumenwiese zieht viele Schmetterlinge an und wird von den Bewohnenden sehr geschätzt.
Damit es den Bewohnenden gut geht, müssen sich auch die Mitarbeitenden wohl fühlen.
Absolut. Teamgeist wird bei uns im Betrieb grossgeschrieben. Ich schätze das Engagement und Miteinander sehr. Es ist eine Kunst, den Betrieb jeden Tag aufrechtzuerhalten und dabei die Bewohnenden ins Zentrum zu stellen. Deshalb investieren wir bewusst in Teamevents: Gemeinsam haben wir in bereichsübergreifenden Teams etwa ein Schildkrötengehege gebaut und einen Waldweg errichtet. Solche Anlässe schaffen Raum für Gespräche, die im Alltag oft keinen Platz finden.
Was wünschst du dir für die Zukunft?
Dass wir weiterhin innovativ bleiben. Digitalisierung kann vieles erleichtern. Statt unzählige Excel-Tabellen zu pflegen, sollen Systeme im Hintergrund arbeiten, damit wir mehr Zeit für die Bewohnenden haben.