Nathalie, du hast in den letzten zwei Jahrzehnten eine beeindruckende Karriere in der Pflege hingelegt. War das geplant?
Überhaupt nicht. Nach meiner Lehre zur Fachfrau Gesundheit habe ich in verschiedenen Gesundheitszentren gearbeitet. Ich war zufrieden mit meiner Arbeit. Gleichzeitig hat sich in mir der Wunsch geregt, einen Schritt nach vorne zu gehen. Deshalb habe ich schon ein Jahr nach meinem Lehrabschluss eine Weiterbildung absolviert.
Welche?
Ein Studium zur diplomierten Pflegefachperson HF. Zwei Jahre später habe ich mich dann zur Berufsbildnerin weiterbilden lassen. Bildung liegt mir sehr am Herzen. Nochmals ein Jahr später habe ich mich zur Prüfungsexpertin ausbilden lassen, so dass ich heute kantonale Prüfungen von Assistent*innen Gesundheit und Soziales (AGS) abnehmen kann.
Das sind drei Weiterbildungen in 9 Jahren.
Ja, mich hat einfach so viel interessiert – und es gibt gerade in der Pflege ein zunehmend breites Angebot an Weiterbildungen. Und zwar nicht nur in der Führung, sondern auch für die Fachkarriere. 2021 habe ich noch den CAS Gerontologie und 2024 den CAS Intercare absolviert, um fachliche Verantwortung auf der Abteilung übernehmen zu können.
Warst du in all den Jahren für die Gesundheitszentren tätig?
Bis auf eine Ausnahme. 2019 habe ich einen kurzen Abstecher in ein anderes Pflegezentrum gemacht, um einen kürzeren Arbeitsweg zu haben. Ich war kurz zuvor Mutter geworden. Ich bin aber schon während der Probezeit wieder zum Mattenhof zurückgekommen.
Warum?
Ich habe die Professionalität vermisst.
Du hast insgesamt neun Jahre lang auf der Abteilung für Menschen mit Demenz gearbeitet.
Dabei wollte ich dort zunächst gar nicht hin! Ich hatte grosse Berührungsängste. Doch es war für mich die prägendste Zeit, es hat mich richtig gepackt. Die Arbeit mit demenzerkrankten Personen und ihren Angehörigen ist anspruchsvoll, aber es kommt viel zurück. Auf der Demenzabteilung habe ich gemerkt: Ich bin in der Pflege genau am richtigen Ort.
Trotzdem hast du die Demenzabteilung verlassen. Seit Juli letzten Jahres bist du Abteilungsleiterin auf einer «normalen» Langzeitpflegestation.
Der Abschied war schwer. Aber ich bin jemand, der immer nach vorne schaut. Als eine Stelle als Abteilungsleiterin auf einer Pflegestation ausgeschrieben war, hat mich meine frühere Abteilungsleiterin dazu ermuntert, mich zu bewerben.
Übernimmst du gern Verantwortung?
Ja. Früher war ich schüchtern und ziemlich verschlossen. Das hat sich durch das positive Feedback meiner Vorgesetzten geändert. Mein Selbstvertrauen ist mit den Jahren stetig gewachsen. Und auch die zunehmende Berufserfahrung führt dazu, dass man in die Verantwortung hineinwächst.
Was ist dir wichtig in deiner Rolle als Abteilungsleiterin?
Dass ich auf Augenhöhe kommuniziere und eine positive Feedbackkultur vorlebe. Jeder Mensch macht Fehler, aber man sollte immer etwas Positives daraus mitnehmen. Und es liegt mir viel daran, den Mitarbeitenden eine gute Work-Life-Balance zu ermöglichen. Das ist für mich Teil der Wertschätzung.
Was sind für dich die grössten Herausforderungen?
Auf organisatorischer Ebene personelle Engpässe, auf fachlicher Ebene komplexe Pflegesituationen. Aber man wird mit einem Problem nie allein gelassen. Einerseits tauscht man sich mit Fachpersonen wie etwa Demenzexpert*innen aus, andererseits kann man immer auf Mitarbeitende aus anderen Stationen zählen, die im Krankheitsfall einspringen. Der Zusammenhalt ist einzigartig.
Was bedeutet dir das Team?
Ohne ein gutes Team funktioniert es nicht. Hier gibt jeder sein Bestes, von der Ärztin über den Pflegenden bis hin zum technischen Dienst. Manchmal sind es Kleinigkeiten wie die Reparatur einer Lichterkette, die den Bewohnenden ein Lächeln ins Gesicht zaubern.
Was sollte ein*e Mitarbeiter*in in deinen Augen mitbringen?
Sozial- und Fachkompetenz, Empathie, Selbstreflexion. Und eine positive Grundeinstellung: Wer mit Unbehagen zur Arbeit kommt, ist nicht am richtigen Platz.
Du bist zweifache Mutter und arbeitest in einem 80-Prozent-Pensum. Wie gelingt es dir, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen?
Als die Kinder noch jünger waren, habe ich mein Pensum vorübergehend reduziert. Für dieses Entgegenkommen bin ich nach wie vor sehr dankbar. Jetzt arbeite ich zwar wieder in einem 80-Prozent-Pensum, habe aber als Abteilungsleiterin kaum mehr Spät- und Nachtdienste.
Was macht die Arbeit in der Pflege so besonders?
Viele glauben, dass unser Job eintönig ist. Dabei sind die Aufgaben vielfältig und anspruchsvoll. Langweilig wird es nie. Menschen mit ihren Angehörigen bis ans Ende des Lebens zu begleiten, ist darüber hinaus eine Tätigkeit, die Sinn stiftet.
Ein besonderer Moment, an den du dich erinnerst?
Ich durfte einmal eine Bewohnerin auf ihrem letzten Weg begleiten. Ich habe ihre Hand gehalten, bis sie loslassen konnte. In diesem Augenblick wusste ich, dass ich keinen anderen Beruf machen möchte.
Was kommt als nächstes?
Während meiner gesamten Berufslaufbahn habe ich immer nebenbei für einen zusätzlichen Abschluss gelernt. Deshalb freue ich mich darauf, einfach einmal «nur» zu arbeiten.
Keine Weiterbildungspläne?
Ganz ehrlich? Doch (lacht). 2027 möchte ich den CAS Teamleitung absolvieren. Ich freue mich schon sehr darauf.