«Um acht ist damals das Frühstück da gewesen.» So erinnert sich Daniel Zimmermann an seine Lehrzeit in den Neunzigerjahren. Heute läuft der Morgen im Gesundheitszentrum Bachwiesen anders. Der Alltag orientiert sich stärker an den individuellen Bedürfnissen und Rhythmen der Bewohnenden – und genau dort beginnt unser Blick hinter die Türen des Wohnbereichs für Menschen mit Demenz.
Judith Kronbach (0:00:02):
In der heutigen Folge erhalten wir einen Einblick in einen Wohnbereich für Menschen mit Demenz.
Susanne Chierchia (0:00:06):
Grüezi miteinander, herzlich willkommen im Gesundheitszentrum Bachwiesen.
Judith Kronbach (0:00:11):
Wie sieht der Alltag im Gesundheitszentrum Bachwiesen aus?
Daniel Zimmermann (0:00:14):
In den 90er-Jahren habe ich die Lehre gemacht. Um acht Uhr gab es Frühstück und wer nicht da war, dann war das Frühstück vorbei. Das hat sich zum Glück zum Wohl unserer Bewohnenden und natürlich auch für uns verändert.
Judith Kronbach (0:00:29):
In dieser Folge erfahren wir, was sich in der Zwischenzeit verändert hat. Und wir hören berührende und humorvolle Erlebnisse.
Tania Archidiacono Lavanga (0:00:36):
Dann haben wir versucht, den Bewohner hochzuheben. Und er hat bei uns auch nicht reagiert. Dann haben wir uns angeschaut: «Ui, was machen wir jetzt?» Dann haben wir uns einfach auf den Boden gelegt. Und irgendwann, als wir rechts und links mit ihm in Kontakt waren, hat er immer den Kopf gedreht: «Aha, da ist jemand.» Dann konnte er uns wahrnehmen.
Daniel Zimmermann (0:01:01):
Es dauerte vielleicht eine Viertelstunde, und von einer Sekunde auf die andere hat es bei dem Mann klick gemacht: «So, jetzt gehen wir nach Hause.»
Judith Kronbach (0:01:10):
Ich bin Judith Kronbach, Expertin für Demenz. Ich treffe in dieser Folge im Gesundheitszentrum Bachwiesen Susanne Chierchia vom Empfang, die Abteilungsleiterin Tania Archidiacono Lavanga und den Fachexperten für Demenz, Daniel Zimmermann. Das ist «Chopfsach – Demenz im Zentrum», die Spezialstaffel der Gesundheitszentren für das Alter der Stadt Zürich. Folge 2: Alltag im Wohnbereich für Menschen mit Demenz. Der erste Kontakt in einem Gesundheitszentrum findet oft am Empfang statt. Wie Susanne Chierchia den Alltag erlebt, damit beginnen wir die Folge.
Susanne Chierchia (0:01:54):
Ich arbeite seit über 15 Jahren hier im Gesundheitszentrum Bachwiesen. Es gibt immer wieder besondere Situationen.
Judith Kronbach (0:02:02):
Erzähl uns doch einmal von so einer besonderen Situation.
Susanne Chierchia (0:02:04):
Wir haben eine Coiffeuse im Haus, die anderthalb Tage bei uns ist. Sie hat ihren Salon da gegenüber von mir und hat mich gerufen. Sie hat gesagt: «Ich habe eine Bewohnerin, die sich nicht hinsetzen will. Kannst du mir helfen?» Dann bin ich hineingegangen. Die Bewohnende stand ganz störrisch da und ich habe sie gefragt, ob sie sich nicht hinsetzen möchte. Ich habe gemerkt, dass sie gar nicht versteht, was ich von ihr möchte beziehungsweise, dass sie sich hinsetzen soll, damit ihre Haare gemacht werden können. Dann habe ich überlegt: Was kann ich machen? Ich habe einen Stuhl geholt und gesagt: «Ich setze mich jetzt hin.» Dann habe ich mich hingesetzt. Sie hat mich angeschaut und sich ebenfalls hingesetzt. Mega schön. Ja.
Judith Kronbach (0:02:57):
Und dann treffen wir Tania und Daniel. Sie nehmen uns mit in den Wohnbereich für Menschen mit Demenz.
Judith Kronbach (0:03:06):
Dani, wo gehen wir hin?
Daniel Zimmermann (0:03:07):
Wir gehen jetzt auf die Abteilung B2.
Genau, wir schauen einmal hinein, wie es dort aussieht, ob die Leute wach und fit sind.
Judith Kronbach (0:03:15):
Tania ist noch mit uns unterwegs. Tania, wie viele Bewohnende hat es hier?
Tania Archidiacono Lavanga (0:03:19):
Auf der Abteilung sind es 15 Bewohnende, teilweise in Einzelzimmern. Es gibt auch Doppelzimmer mit zwei Betten. Jetzt war gerade Mittagszeit. Wir schauen einmal, wer wach ist.
Judith Kronbach (0:03:41):
Wir gehen einen Stock höher und kommen dort in den Aufenthaltsraum.
Tania Archidiacono Lavanga (0:03:44):
Grüezi miteinander. Grüezi, grüezi. Es war gerade Mittag. Die meisten sind in der Regel im Zimmer und machen Mittagsruhe. Diejenigen, die sich nicht hinlegen möchten, dürfen gerne hierbleiben. Wir haben hier in der Stube noch einen grosszügigen Balkon, von dem die Leute ins Grüne schauen können. Wir schauen immer individuell mit dem Essen. Manchmal gibt es auch Leute, die erst um halb zwei oder um zwei Uhr zu Mittag essen, je nachdem, wann sie aufstehen.
Judith Kronbach (0:04:25):
Drei Bewohnende sind noch am Essen oder bereits beim Kaffee. Dani plaudert mit einem Bewohner.
Daniel Zimmermann (0:04:30):
Waren Sie heute schon draussen?
Bewohner:Ja.
Daniel Zimmermann:(0:04:35):
Draussen ist es jetzt angenehm mit dem kühlen Wind.
Bewohner:
Ja.
Daniel Zimmermann:(0:04:40):
Drinnen ist es schon etwas drückender. Dann einen guten Mittag.
Bewohner:
Danke vielmals.
Daniel Zimmermann (0:04:45):
Bis später. Danke.
Judith Kronbach (0:04:48):
Wie viele Bewohnende hat es im ganzen Gesundheitszentrum Bachwiesen?
Daniel Zimmermann (0:04:53):
Es ist so, dass das eine Haus jetzt abgerissen wird. In diesem Haus, in dem wir jetzt stehen, mit diesen vier Abteilungen, sind wir schlussendlich 64 Bewohnende. Also aktuell haben wir noch 64 Bewohnerinnen und Bewohner. Ausschliesslich Menschen mit Demenz. Es wird ein Demenzhaus.
Judith Kronbach (0:05:09):
Also alle Menschen, die hier wohnen, haben eine Demenz und kommen aus der Stadt Zürich?
Daniel Zimmermann (0:05:14):
Es kommen sicher auch Menschen aus der Agglomeration. Aber die meisten haben in dieser Gegend gewohnt.
Judith Kronbach (0:05:19):
Also damit sie wirklich zu Hause sind und nicht in ein anderes Quartier ziehen müssen.
Daniel Zimmermann (0:05:24):
Genau. Viele sind natürlich froh, hier in der Umgebung von Albisrieden zu sein. Sie schauen hinaus und sagen: «Ah, dort habe ich gewohnt.» Das ist manchmal eindrücklich, wenn sie erzählen: «Schauen Sie, dort bin ich in die Kirche gegangen.» Oder sie erkennen das Albisrieder-Dörfli, wo sie spazieren oder einkaufen gegangen sind. Das gibt ihnen auch das Gefühl, weiterhin in ihrer Umgebung zu sein.
Judith Kronbach (0:05:44):
Ein Stück weit das Gefühl, zu Hause zu sein, oder?
Daniel Zimmermann (0:05:45):
Genau, absolut. Das macht mich manchmal auch traurig, weil sie sehen: «Dort habe ich gewohnt und jetzt bin ich hier. Ich kann nicht mehr nach Hause.» Das ist manchmal mit Trauer verbunden.
Tania Archidiacono Lavanga (0:05:56):
Und auf dem Balkon sieht man sehr schön auf den Uetliberg. Vor allem im Herbst und Winter noch mehr, wenn es nicht so grün ist. Dann sieht man, wenn es verschneit ist, und kann diese Themen aufgreifen, zum Beispiel beim Frühstück oder Mittagessen: «Schauen Sie, es hat geschneit.» Man hat also immer einen Bezug zum Quartier.
Judith Kronbach (0:06:17):
Es ist ein lebendiges Gesundheitszentrum.
Daniel Zimmermann (0:06:20):
Ja, wir haben hier ein Restaurant und dadurch natürlich sehr viele Familien und Kinder in unserem Garten. Und auch Angehörige, die da Mittagessen kommen. Darum ist es manchmal am Mittag recht lebhaft.
Judith Kronbach (0:06:33):
Wir gehen jetzt an einen ruhigeren Ort. Jetzt sind wir alle hier in diesem Zimmer. Wir können uns alle duzen, weil die Gesundheitszentren eine Du-Kultur haben. Dani, du hast uns ein Beispiel mitgebracht, das sehr eindrücklich ist.
Daniel Zimmermann (0:06:50):
Ja. Jeden Morgen, um Viertel vor sieben, wenn ich auf die Abteilung komme, bevor die Schiebetür aufgeht, ist immer der Gedanke: Ist ein Bewohner da? Sind mehrere Bewohnende da? Es ist jeden Tag ein bisschen anders. Aber jeden Morgen sitzt eine Bewohnerin dort. Sie schaut einen an, begrüsst einen: «Guten Morgen, gut geschlafen?» Das ist jeden Morgen so und eindrücklich. Wenn sie einmal nicht dort ist, denke ich: Was ist los? Wir sind uns das so gewohnt.
Wenn ich dann den Gang entlanglaufe, haben wir links wunderbare Bilder aus der Natur. Manchmal schaue ich sie an, manchmal ignoriere ich sie. Kurz vor dem Abteilungsbüro steht ein grüner Busch. Dort schläft regelmässig eine Bewohnerin. Manchmal ist es lustig, wie sie sich in die Decke eingemummelt hat. Oft merkt sie gar nicht, wenn ich vorbeilaufe. Manchmal hat sie ein halbes Auge offen und beobachtet, wer vorbeigeht, lässt sich aber nicht stören. Manchmal schläft sie bis um acht Uhr. Wenn sie bereit ist, steht sie auf.
Judith Kronbach:(0:07:49):
Das heisst, sie schläft auf dem Gang?
Daniel Zimmermann(0:07:51):
Sie schläft auf dem Gang, auf dem Sofa. Genau. Wir versuchen natürlich immer wieder, sie dazu zu bringen, ins Zimmer und in ihr Bett zu gehen. Aber sie ist in der Nacht immer wieder herausgekommen. Jetzt haben wir akzeptiert, dass sie auf dem Sofa im Gang schläft. Sie hat ihre Decke, ihr Kissen und fühlt sich dort wohl.
Judith Kronbach (0:08:08):
Gehen wir weiter. Ihr seid auf der Station angekommen, Tania. Zuerst gibt es einen Rapport. Was steht bei eurem Team im Zentrum?
Tania Archidiacono Lavanga (0:08:18):
Genau. Das ist der erste Rapport am Morgen, der Morgenrapport mit der Nachtwache im Büro. Dort treffen wir uns um sieben Uhr. Unser Team besteht aus ausgebildeten und diplomierten Mitarbeitenden, Fachangestellten Gesundheit sowie Lernenden und Studierenden. Die Nachtwache berichtet, wie die Nacht auf der Abteilung war. Ist etwas Besonderes passiert? Gab es Bewohnende, die unruhig waren oder nicht schlafen konnten? Standen Schmerzen im Vordergrund? Das berichtet sie alles. Anhand dieses Berichts setzen wir uns im Team zusammen. Die Tagesverantwortung sitzt vor dem Computer und wir schauen, was an Leistungen geplant ist, die wir im Alltag erbringen müssen.
Judith Kronbach:(0:09:11):
Das müsstest du noch erklären. Was heisst «Leistungen»?
Tania Archidiacono Lavanga(0:09:15):
Damit ist gemeint, bei wem welche Pflege geplant ist und wie. Wenn beispielsweise Frau Müller normalerweise um acht Uhr aufsteht, aber schlecht geschlafen hat, gehen wir ins Zimmer und sehen, dass sie schläft. Dann lassen wir die Person auch schlafen. Wir passen uns an. Entsprechend teilen wir die Mitarbeitenden ein: Wer ist schon wach, wer braucht noch Schlaf? Und wir schauen, dass die Arbeit untereinander gerecht verteilt wird.
Judith Kronbach (0:09:53):
Das heisst, die Teammitglieder werden den einzelnen Bewohnenden zugeteilt und sind für sie verantwortlich. Dann wird individuell entschieden: Helfe ich dieser Person zuerst beim Aufstehen und lasse eine andere Person noch schlafen? Da lasst ihr allen sehr viel Freiheit.
Tania Archidiacono Lavanga (0:10:12):
Ja, auf jeden Fall. Wir sind sehr flexibel und müssen auch flexibel sein, selbst wenn wir bereits eine Einteilung gemacht haben, aber eine Kollegin hat jetzt plötzlich drei Bewohnende, die gleichzeitig aufstehen möchten, unterstützt man sich gegenseitig. Eine Kollegin, die mit der Pflege fertig ist, kommt dann dazu und hilft. Es muss miteinander funktionieren. Es ist keine starre Struktur, an der wir festhalten, sondern wir bleiben flexibel, auch wenn wir grob planen.
Daniel Zimmermann (0:10:49):
Genau. Was ich noch sagen möchte: Wir arbeiten mit Diplomierten, Hilfspersonal und Lernenden zusammen. Dabei muss man natürlich immer schauen, welche Kompetenzen sie haben. Die einen Lernenden dürfen beispielsweise noch keine Verbände machen, andere noch keine Medikamente richten.
Judith Kronbach (0:11:06):
Und andere müssen es lernen.
Daniel Zimmermann (0:11:07):
Genau. Man muss planen und braucht viel Flexibilität. Das ist nicht immer ganz einfach.
Judith Kronbach (0:11:15):
Ich finde das sehr schön, wenn ihr das beschreibt. Wenn ich an meine Zeit als Lernende zurückdenke – das ist schon sehr lange her –, war das Ziel, dass alle spätestens um Viertel vor acht Uhr gepflegt und bereit am Frühstückstisch sitzen. Egal, was für eine Nacht sie hatten und welche Krankheit sie hatten. Daran wurde damals auch gemessen, ob ich wirklich eine gute Krankenschwester beziehungsweise ein guter Pfleger war.
Daniel Zimmermann (0:11:44):
Ja, das kenne ich auch noch. In den 90er-Jahren habe ich die Lehre gemacht. Um acht Uhr gab es Frühstück und wer nicht da war, dann war das Frühstück vorbei. Das hat sich zum Glück zum Wohl unserer Bewohnenden und auch für uns verändert.
Judith Kronbach (0:11:59):
Dani, du hast mir erzählt, dass ihr auch Bodenpflege macht. Kannst du erklären, was das heisst?
Daniel Zimmermann (0:12:05):
Zum Glück ist die Bodenpflege nicht so häufig. Das kann sehr herausfordernd sein. Ich habe ein Beispiel: Ein Bewohner hat ein Bodenbett. Das heisst, sein Bett ist sehr tief und die Matratze liegt vielleicht 20 Zentimeter über dem Boden. Zusätzlich liegen mindestens vier Matratzen auf dem Boden.In der Nacht schläft er manchmal im Bett und manchmal bewegt er sich im ganzen Zimmer auf diesen Matratzen. Wir haben das zu seiner Sicherheit so eingerichtet, weil er schon gestürzt ist und hat sich eine Schürfung zugezogen. Wenn ich zu ihm ins Zimmer komme, muss ich immer schauen, wie es ihm geht. Ich setze mich meistens zu ihm auf den Boden und schaue, wie es ihm geht. Manchmal funktioniert es gut, dass er zurück aufs Bett rutscht, wenn er versteht, was ich möchte. Ich versuche natürlich, dass er wieder aufs Bett geht, damit ich das Bett hochstellen kann. Das ist für mich und meinen Rücken einfacher.
Es gab aber auch Situationen, in denen er am Boden war und ich mein Becken und alles zu ihm auf den Boden genommen habe und ihn dort so gut wie möglich gepflegt und angekleidet habe.
Wir haben bei ihm herausgefunden, dass er am frühen Morgen, wenn ich ihn pflegen möchte, meistens etwas – ich würde sagen – grantig oder herausfordernd ist. Und ich habe herausgefunden: Er braucht zuerst Frühstück. Wenn ich zu ihm gehe und er wach ist, hole ich zuerst das Frühstück und gebe es ihm manchmal.
Judith Kronbach(0:13:40):
Das stellst du ihm runter auf den Boden?
Daniel Zimmermann (0:13:42):
Ja, entweder ist er tatsächlich am Boden, mit dem Teller, und isst und trinkt dort, oder er geht zurück aufs Bett. Das ist sehr individuell, je nachdem, wie es ihm geht, was er kann und wie präsent er schon ist. Nach dem Frühstück, etwa eine halbe Stunde später, ist es oft umgekehrt. Dann kann er aufstehen beziehungsweise ich kann ihm helfen. Es ist viel einfacher. Deshalb müssen wir sehr flexibel und individuell sein.
Judith Kronbach (0:14:11):
Bleiben wir beim Morgen. Du hast gesagt, du bringst ihm das Frühstück einfach ins Zimmer. Das ist aber eher eine Ausnahme. Wie ist es in der Regel? Kommen die Leute zum Frühstück und isst man dann gemeinsam?
Daniel Zimmermann (0:14:24):
Ja. Das Frühstück kommt in der Regel etwa um Viertel vor acht auf die Abteilung. Dann wird ein Buffet aufgestellt. Es ist wie ein Frühstücksbuffet in einem Restaurant oder ein Sonntagsfrühstück: Es gibt Gipfeli und Brot, eine Fleischplatte und Käseplatten. Man kann Birchermüsli haben. Es gibt eine Kaffeemaschine.
Eine Bewohnerin kommt morgens und lässt sich ihren Kaffee selbst heraus. Sie nimmt, was sie möchte. Genau das ist der Sinn: Unsere Bewohnenden sollen möglichst viel Autonomie haben.
Judith Kronbach (0:15:03):
Sie sehen, worauf sie gerade Lust haben. Vielleicht ist es nicht mehr möglich, anhand einer Karte zu sagen, was man gerne essen möchte. Aber wenn man es sieht und riecht, geht es besser, oder?
Daniel Zimmermann (0:15:13):
Absolut. Man sagt ja, man sollte die Leute weniger fragen. Ich frage nicht nach vier verschiedenen Konfitüren, obwohl wir sie haben, sondern nehme vielleicht zwei mit und zeige sie ihnen, damit sie auswählen können.
Oder sie kommen zum Buffet, wenn es möglich ist, und wählen selbst aus. Für andere muss ich entscheiden. Oder ich bringe sie in den Aufenthaltsraum beziehungsweise an ihren Platz. Ich kann ihnen beispielsweise zwei Konfitüren oder eine Fleischplatte zeigen, damit sie mir zeigen können, was sie möchten.
Das Schöne bei uns ist die sogenannte Frühstücksbegleitung. Das läuft interprofessionell. Jeden Morgen ist jemand dafür eingeteilt. Das kann unsere Seelsorgerin sein oder jemand aus der Physio-, Ergo- oder Aktivierungstherapie. Sie kommen jeweils von acht bis halb zehn Uhr und sind ausschliesslich dafür da. Sie schauen, dass die Leute etwas zu essen und zu trinken haben. Es ist jemand da, der ihnen Sicherheit gibt. Für uns in der Pflege bedeutet das: Ich kann einen Bewohner zum Frühstück bringen und dann bereits weitergehen, weil ich weiss, dass jemand dort ist.
Judith Kronbach (0:16:21):
Das heisst, die Bewohnenden können ganz individuell essen, was sie möchten, aber es ist jemand da, der ihnen bei Bedarf hilft. Damit kommen wir vielleicht noch zum Schweregrad der Demenz. In welchem Spektrum befinden sich eure Bewohnenden?
Tania Archidiacono Lavanga (0:16:37):
Wir haben bei uns auf der Abteilung Menschen mit mittelschwerer bis schwerer Demenz. Es gibt Leute, die vorwiegend im Bett sind, weil sie müde sind und mehr Raum und Ruhe brauchen. Wir haben aber auch Leute, die mit dem Rollator herumlaufen und etwas suchen – einen Raum, ein Zuhause – oder sagen: «Ich muss jetzt gehen, ich habe einen Termin.»
Judith Kronbach (0:17:12):
Wenn wir das Thema Heimgehen aufgreifen: Das ist etwas, das man häufig hört – «Ich will nach Hause.» Sind eure Türen geschlossen oder können sich die Menschen individuell bewegen und auch das Haus verlassen?
Tania Archidiacono Lavanga (0:17:25):
Genau. Vor allem gegen Abend sind die Türen geschlossen. Von zehn Uhr morgens bis fünf Uhr nachmittags sind sie bei uns offen. Das heisst, die Bewohnerinnen und Bewohner können sich auf der Abteilung, im ganzen Haus sowie ausserhalb, beispielsweise im Garten, bewegen.
Alle, die einen hohen Bewegungsbedarf haben, erhalten eine sogenannte Weglaufuhr. Wenn sie die Abteilung oder das Areal verlassen, können wir reagieren.
Judith Kronbach (0:18:08):
Also könnt ihr nachvollziehen, wo sie unterwegs sind. Ist es auch schon vorgekommen, dass jemand wirklich weiter weggegangen ist?
Tania Archidiacono Lavanga (0:18:14):
Ja. Wenn jemand das Areal verlässt, ertönt bei uns auf der Abteilung ein Alarm. Dann wissen wir, dass wir reagieren müssen. Wir haben im Bachwiesen einen Aussendienst. Das ist ein spezieller Dienst, der schaut, wo die Leute sind beziehungsweise bei der Suche hilft. Und da steht an der Tafel: Eingang, Gartentor, hinten, links. Dann kann man gezielt nach den Bewohnerinnen und Bewohnern suchen.
Judith Kronbach (0:18:47):
Hast du dazu auch ein Beispiel?
Tania Archidiacono Lavanga (0:18:50):
Ja. Letzten Herbst gab es einen Bewohner, der ein starkes Bedürfnis hatte, hinauszugehen. Wir haben ihn begleitet. Dann wollte er alleine gehen und hat das Areal verlassen und ist zu den Nachbarhäusern gegangen.
Plötzlich kam ein Passant zu uns an den Empfang. Wir wussten bereits, dass der Bewohner weg war. Der Passant meldete uns, dass er einen Bewohner gesehen habe. Weil die Rollatoren angeschrieben sind, konnte er den Namen sehen. «Der Herr sowieso lieft da auf dem Boden, in der Wiese.»
Dann sind wir natürlich zu zweit losgegangen und haben einen Rollstuhl mitgenommen. Er war beim Gehen gestürzt. Die lange Strecke war irgendwann zu viel. Als wir ankamen, waren bereits viele Passanten um ihn herum und wollten ihm helfen. Für den Bewohner waren das zu viele Informationen und zu viele Fragen. Er wehrte alles ab, sagte Nein und schlug um sich, weil es einfach zu viel war. Er war völlig überfordert.
Die Leute wollten helfen und waren sehr hilfsbereit. Als wir kamen, mussten wir sagen: «Vielen Dank, wir übernehmen.» Natürlich wollten sie noch wissen, ob sie helfen können und ob alles gut ist.
Dann versuchten wir, den Bewohner aufzurichten, aber er reagierte auch bei uns nicht. Wir schauten uns an: Was machen wir jetzt? Dann haben wir uns einfach zu ihm auf den Boden gelegt. Der Bewohner lag ebenfalls dort. Wir lagen auf dieser Wiese in der Sonne. Irgendwann wurde es heiss. Wir schauten nach vorne, sprachen mit ihm und nahmen Kontakt auf: «Grüezi, wie geht es Ihnen? Tut Ihnen etwas weh?» Irgendwann, als wir etwas in Kontakt waren, drehte er den Kopf immer wieder nach rechts und links: «Aha, da ist jemand.» Dann konnte er uns wahrnehmen.
Judith Kronbach (0:21:07):
Da ist jetzt jemand wirklich buchstäblich auf der gleichen Ebene.
Tania Archidiacono Lavanga (0:21:11):
Genau. Das ist wichtig. Natürlich waren dort Velofahrer und Passanten, die dachten: «Was machen die da auf dem Boden? Brauchen die Hilfe?» Es gab viel Hilfsbereitschaft. Eigentlich haben wir einfach einen Zugang gesucht, damit wir den Bewohner vom Boden aufrichten können.
Daniel Zimmermann (0:21:34):
Ja, es war wirklich auf einem Veloweg bei der Strasse. Wir haben versucht, etwas auf die Seite zu gehen, damit die Leute an uns vorbeikommen. Ich habe schon zu Tania gesagt: «Mein Gott, was denken die Leute?» Wir sassen dort mit dem Bewohner mitten an der Strasse beziehungsweise auf dem Trottoir. Es war fast ein bisschen peinlich.
Ich erinnere mich, dass etwa 20 Meter weiter eine Frau sass. Sie rief zu uns herüber und sagte, wir müssten ihn so und so aufnehmen. Wir haben mit ihm gesprochen. Es dauerte vielleicht eine Viertelstunde. Von einer Sekunde auf die andere klickte es bei dem Mann: «So, jetzt gehen wir nach Hause.» Wir standen auf. Er brauchte fast keine Hilfe. Dann konnten wir nach Hause gehen. Ich weiss nicht, was passiert ist.
Judith Kronbach (0:22:22):
Zeit, Zuwendung, auf der gleichen Ebene. Sehr eindrücklich. Danke vielmals. Dani, gehen wir zurück auf eure Station, ins Haus. Es kommt ja auch vor, dass die Leute nicht hinausgehen, sondern in die Zimmer anderer Bewohnender gehen. Was passiert dann?
Daniel Zimmermann (0:22:40):
Das kommt ab und zu vor. Aktuell haben wir vor allem einen Bewohner, der herumläuft. Wenn er ein freies Bett sieht und müde ist, legt er sich dort hin. Wir schauen im Team natürlich, wem das Zimmer gehört. Wenn er dort schläft, ist das an sich kein grosses Problem.
Es gibt Bewohnende, die darauf nicht reagieren oder es gar nicht bemerken. Andere sagen natürlich: «Hey, das ist mein Bett. Geh raus.» Dann kann es verbal schon einmal zu Konflikten kommen.
Wir gehen dann zu ihm und sagen: «Kommen Sie, ich begleite Sie in ein anderes Zimmer», oder locken ihn beispielsweise mit einem Kaffee hinaus. Man sollte nicht unbedingt sagen: «Sie sind hier falsch.» So etwas kommt ab und zu vor.
Judith Kronbach (0:23:32):
Nehmen die Bewohnenden manchmal auch Sachen mit?
Daniel Zimmermann (0:23:35):
Ja, wir sind Profis im Suchen hier auf der Abteilung. Manche wissen nicht mehr, dass sie im eigenen Zimmer sind und nehmen beispielsweise eine Brille mit. Wir hatten auch schon eine Suchaktion, weil plötzlich jemand eine Prothese in der Hand hatte, die ihm nicht gehörte und dann mussten wir erst einmal forschen, wem gehört die Prothese. Das kommt immer wieder vor. Vor allem bei Brillen ist es hilfreich, sie anzuschreiben oder ein Merkmal anzubringen, damit man weiss, wem sie gehören. Das kommt häufig vor.
Judith Kronbach (0:24:07):
Ich spüre, dass euch eure Bewohnenden sehr am Herzen liegen. Tania, was macht eure Station so besonders und worauf legt ihr als Team Wert?
Tania Archidiacono Lavanga (0:24:17):
Uns ist die Individualität der Bewohnenden sehr wichtig. Wir haben eine Rahmenstruktur, nach der wir uns organisieren können und in der wir auch die Lernenden und Studierenden einbeziehen können. Trotzdem richtet sich der Alltag danach, was die Bewohnenden möchten oder brauchen.
Auch wenn beispielsweise Duschen geplant ist, die Bewohnerin aber lieber baden möchte, dann baden wir. Oder wenn wir sehen, dass Duschen heute gar nicht geht, passen wir uns an. Ich habe auch schon erlebt, dass ich jemanden baden durfte, wenn die Person dabei eine Badehose trug – wegen des Schamgefühls.
Wichtig ist die Individualität. Wir haben Angebote wie die Aktivierung, die auf die Abteilung kommt. Wir backen mit den Leuten. Auch die Jahreszeiten spielen eine Rolle. Wenn jetzt dann wieder Winter wird, ist Backzeit und wir backen Guetzli. Es sind einfache Dinge: einen Fruchtsalat machen, einen Apfel schneiden. Dann hilft man sich gegenseitig in der Gruppe. Vielleicht gibt es drei Bewohnerinnen oder Bewohner, die nur zuschauen. Aber auch das ist Gemeinschaft. Man hört etwas, riecht die Früchte oder das Backen – das macht es aus.
Judith Kronbach (0:25:44):
Das gibt das Gefühl, zu Hause zu sein. Ich erlebe immer wieder, wenn man von aussen in eine Institution kommt – und das wird mir auch häufig gesagt –, dass man den Eindruck hat: Die sitzen eigentlich nur den ganzen Tag da, kommen zum Essen und um sechs Uhr müssen sie ins Bett. Das ist ein Bild, das man haben kann.
Du sagst aber, ihr macht sehr viel individuell und richtet euch nach dem Rhythmus der einzelnen Bewohnerinnen und Bewohner. Welche Angebote gibt es?
Daniel Zimmermann (0:26:15):
Bei uns im Haus gibt es Aktivierung und Ergotherapie. Sie machen teilweise Einzelbetreuung und arbeiten sehr individuell. Auch wenn etwas geplant ist und sie sehen, dass es einem Bewohner nicht gut geht oder dass er etwas anderes braucht, können sie individuell auf ihn eingehen.
Es gibt auch viele Gruppenaktivitäten. Wir haben eine ausgebildete Musiktherapeutin hier. Ich glaube, sie spielt sicher zehn Instrumente. Das ist sehr eindrücklich. Mit Musik kann man bei unseren Leuten sehr viel erreichen.
Auch wenn ich manchmal mit ihnen die alten Schweizerlieder singe, haben sie grosse Freude und es kommen viele Erinnerungen hoch.
Wir haben auch Tiere im Garten: Geissen und Fische. Das schätzen die Leute sehr. Unsere Aktivierungsfachfrau hat zwei Hunde, die sie regelmässig mitnimmt und mit denen sie zu den Bewohnenden geht. Es ist eindrücklich, was das bewirken kann. Bei Menschen, die teilweise fast keine Mimik mehr zeigen, sieht man plötzlich ein Funkeln in den Augen oder sie versuchen zu lächeln. Tiere können etwas sehr Schönes bewirken.
Judith Kronbach (0:27:19):
Ihr geht also wirklich individuell auf die einzelnen Personen ein – oder in kleinen oder in grösseren Gruppen. Und die Leute können auch einfach zuschauen und auf diese Weise dabei sein.
Tania Archidiacono Lavanga (0:27:31):
Genau. Wichtig ist auch zu sagen: Nicht jede Person verträgt gleich viel. Wenn sehr viel läuft, kann eine Reizüberflutung die Leute sehr unruhig machen und überfordern. Darum sind eine Zehn-Minuten-Aktivierung oder kurze Begegnungen bei gewissen Leuten viel sinnvoller, als den ganzen Tag etwas zu unternehmen.
Judith Kronbach (0:28:02):
Wenn ein anstrengender Arbeitsalltag zu Ende geht, Tania, was bleibt für dich? Was motiviert dich, jeden Tag wieder zu arbeiten? Was sind deine besonderen Momente?
Tania Archidiacono Lavanga (0:28:17):
Es ist sicher anstrengend, aber es kommt auch sehr viel zurück. Die Menschen, die hier sind, haben eine Biografie, ein Leben, eine Geschichte, die sie immer wieder erzählen können.
Wenn ich an den Herrn zurückdenke, den wir vom Boden auf der Strasse hochgenommen haben, ist das für mich wie ein Highlight. Dann schaut er einen an: «Aha, ich bin da.» Und ich sage: «Ja, und wir haben es gut miteinander.» Und er sagt: «Ja, wir haben es gut miteinander.»
Es sind solche Momente. Auch die Dankbarkeit, die zurückkommt: wenn man vorbeigeht und jemand einen mit grossen Augen anschaut und man merkt, die Person erkennt mich. «Sie dürfen bei mir sitzen.» Das ist sehr bereichernd.
Judith Kronbach (0:29:15):
Dani, wie geht es dir auf dieser Station? Hast du auch ein Beispiel dafür, weshalb du so gerne auf diesem Wohnbereich für Menschen mit Demenz arbeitest und Fachexperte bist?
Daniel Zimmermann (0:29:28):
Tania hat schon sehr viel gesagt. Demenz fasziniert mich seit Jahren. Ich finde es schön, dass nicht die Krankheit im Vordergrund steht, sondern der Mensch dahinter.
Ich finde es immer wieder sehr spannend, die Biografien der Bewohnenden zu hören. Manchmal merke ich schon etwas, wenn ich ihnen einfach meine Hand gebe. Es braucht nicht immer etwas Grosses, um ihnen emotional etwas zurückzugeben. Manchmal braucht es einfach Zeit.
In meinem Job habe ich den Luxus, dass ich mich auch einmal zehn Minuten zu einem Bewohner setzen, mit ihm singen oder einen kurzen Spaziergang machen kann. Das schätze ich sehr und die Bewohnenden schätzen es ebenfalls. Es kommt sehr viel zurück.
Judith Kronbach (0:30:14):
Und zum Schluss fällt Dani noch eine Anekdote ein.
Daniel Zimmermann (0:30:17):
Eine schwierige, aber eine mit Happy End. Wir haben einen Bewohner vermisst und die Polizei angerufen. «Ja, sie haben etwa 500 Meter von hier einen Herren gefunden» und ich sagte: «Ja, den vermissen wir.»
Ich bin ihn holen gegangen. Es war ein Bürogebäude. Ich ging zum Empfang, fand aber niemanden. Dann ging ich um das Haus herum und fast in den Keller hinunter. Dort unten war ein Bürotisch. Es war, glaube ich eine Wäscherei.
Der Herr, den ich vermisst hatte, sass dort auf dem Bürostuhl des Chefs. Die Polizei war ebenfalls dort. In diesem Moment war ich etwas überfordert. Er wollte nicht mehr hinaus. Für ihn war klar: Er arbeitete dort. Er hatte auch Papier in die Hand genommen. Ich weiss nicht, wie vertraulich diese Unterlagen waren.
Es dauerte sicher etwa 20 Minuten, bis ich ihn überzeugen konnte: «Kommen Sie jetzt, wir gehen raus.» Dann gingen wir den Gang entlang und ich versuchte, ihn etwas abzulenken und dann ruft er plötzlich, ich muss Polizei haben. Zum Glück stand dort tatsächlich das Polizeiauto. Und plötzlich war es überhaupt kein Problem mehr: Er stieg ein. So wurden wir luxuriös von der Polizei wieder nach Hause gebracht.
Judith Kronbach (0:31:29):
Das war die zweite Folge von «Chopfsach – Demenz im Zentrum», der Spezialstaffel der Gesundheitszentren für das Alter der Stadt Zürich. In der nächsten Folge gehen wir ins Tageszentrum des Gesundheitszentrums Mattenhof in Zürich-Schwamendingen. Das Tageszentrum ist eines der Entlastungsangebote für Angehörige.
Gast im Tageszentrum (0:31:50):
«Ich habe einen Fahrdienst, dem hat die Empfängerin gesagt, wissen sie wo Sie hin müssen? Zum Glück weiss ich es noch.»]
Judith Kronbach (0:31:59):
Also, Sie werden zu Hause vom Fahrdienst abgeholt, bis vor die Tür gebracht und können dann selbst mit dem Rollator hineinlaufen.
«Chopfsach – Demenz im Zentrum» wird von der Podcastschmiede produziert. Produzentin ist Franziska Engelhardt. Mastering: Anna Morf. Konzept: Franziska Engelhardt und Judith Kronbach. Musik: Daniel Hobi.
«Chopfsach – Demenz im Zentrum» gibt es bis Dezember alle zwei Wochen. Mehr Infos und alle Folgen finden Sie unter stadt-zuerich.ch/gfa-podcast. Alle weiteren «Chopfsach»-Folgen gibt es auf allen gängigen Podcast-Apps.
Der flexible Tagesablauf
Ein flexibler Tagesablauf bedeutet nicht, dass es keine Struktur gibt. Wiederkehrende Abläufe geben den Bewohnenden Orientierung und Sicherheit. Gleichzeitig bleibt genügend Raum, um auf persönliche Bedürfnisse und die jeweilige Tagesform einzugehen. Tania Archidiacono Lavanga, Abteilungsleiterin im Gesundheitszentrum Bachwiesen, erklärt: «Jede Fachperson wird einer*m Bewohner*in zugeteilt, um den Ablauf individuell gestalten zu können.» So ist es möglich, auf unterschiedliche Gewohnheiten und Rhythmen einzugehen.
Individuelle Lösungen
Jede*r Bewohner*in der Demenzabteilung erhält eine individuell angepasste Pflege, die sowohl den körperlichen als auch emotionalen Anforderungen gerecht wird. Wie unterschiedlich diese Bedürfnisse sein können, zeigt das Zimmer eines Bewohners. Sein Bett steht nur wenig über dem Boden, rundherum liegen Matratzen. Daniel Zimmermann erklärt: «Manchmal schläft er im Bett oder krabbelt im ganzen Zimmer umher. Wir haben diese Matratzen für seine Sicherheit ausgebreitet, weil er auch schon hingefallen ist und sich Schürfwunden zugezogen hat.» Solche Situationen verlangen von den Pflegenden viel Flexibilität und originelle Lösungen.
Struktur und Flexibilität
Der Alltag im Wohnbereich braucht beides: Orientierung und die Möglichkeit, auf wechselnde Bedürfnisse einzugehen. Im Mittelpunkt steht dabei immer die einzelne Person – mit ihren Gewohnheiten, Bedürfnissen und ihrer Persönlichkeit. Diese Haltung ist Tania Archidiacono Lavanga besonders wichtig: «Unsere Bewohnenden liegen uns extrem am Herzen.»
Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen
Um die optimale Versorgung der Bewohnenden zu erreichen, arbeiten verschiedene Berufsgruppen zusammen. Dazu gehören unter anderem Aktivierungsangebote und Ergotherapie, die geistige und körperliche Anregung ermöglichen. Das Ziel ist, eine möglichst hohe Lebensqualität zu erhalten.
Die Gesundheitszentren für das Alter der Stadt Zürich setzen auf Pflegekonzepte, die Flexibilität und personalisierte Lösungen ermöglichen. Diese Folge von «Chopfsach – Demenz im Zentrum» zeigt, wie wichtig es ist, den Menschen hinter der Diagnose Demenz zu sehen und auf seine persönlichen Bedürfnisse einzugehen.
«Chopfsach – Demenz im Zentrum» ist eine Spezialstaffel in Zusammenarbeit mit den Gesundheitszentren für das Alter der Stadt Zürich. Bis Dezember erscheint alle zwei Wochen eine neue Folge. Als Nächstes geht es um Angehörige von Menschen mit Demenz und darum, wie Tageszentren sie entlasten können.
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