Geena Nilavoor (50), diplomierte Pflegefachfrau HF im Gesundheitszentrum für das Alter Käferberg, kam vor acht Jahren in die Schweiz. Die Möglichkeit, sich kostenlos in einem speziell auf den Pflegealltag zugeschnittenen Deutschkurs weiterzubilden, empfindet sie als grosse Chance. Ein solches Angebot kannte sie bis dahin nicht.
Geena, wie bist du zur Pflege gekommen?
Das wusste ich schon sehr früh. Meine Mutter hat damals als Pflegefachfrau gearbeitet und ich war oft mit ihr im Spital. Ich liebe es, mit Menschen zusammen zu sein und ich helfe gern. Meine Berufswahl hat aber auch einen rationalen Aspekt: Pflege wird immer gebraucht, es mangelt nie an Arbeit.
Und wie wurde aus diesem Wunsch Realität?
Ich habe in Indien den Bachelor of Nursing abgeschlossen, bevor ich zu meinem Mann nach Wien gezogen bin. Dort habe ich zwölf Jahre lang in der Pflege gearbeitet. Ausserdem ich habe drei Kinder bekommen. Vor acht Jahren sind wir dann als Familie in die Schweiz gezogen, weil wir hier viele Freunde haben.
Was ist in deinen Augen besonders wichtig, wenn man in der Pflege arbeitet?
Geduld, Ruhe und Verständnis. Man muss die Bedürfnisse der Bewohnenden verstehen und gut mit ihnen kommunizieren. Ebenso wichtig ist die Kommunikation innerhalb des Teams. Dazu gehören auch ein selbstbewusstes und verantwortungsbewusstes Auftreten.
Deine Muttersprache ist Malayalam, deine Ausbildung hast du in Englisch absolviert. Wie hast du Deutsch gelernt?
2004 habe ich an den Goethe-Instituten in Chennai und Puna Deutschkurse bis zum Level A2 besucht. In Wien habe ich die Stufe B1 abgeschlossen, in Zürich dann B2 sowie das C1-Modul «Kommunikation und Dokumentation».
Mit welchen sprachlichen Schwierigkeiten warst du vor dem Kurs im Berufsalltag am häufigsten konfrontiert?
Am meisten Probleme hat mir die Aussprache bereitet. Die Umlaute machen mich fertig! (lacht) Als ich noch in Wien war, gab es häufiger Nachfragen, weil man mich nicht verstanden hat. Ich wurde dann gebeten, langsamer und deutlicher zu sprechen. Aber auch Wortschatz und Grammatik sind für mich eine Herausforderung.
Warum ist Sprache in der Pflege so wichtig?
In der Pflege gibt es viele Fachbegriffe, die man kennen und verstehen muss. Und wir müssen viel dokumentieren. Es ist wichtig, fehlerfrei und präzise zu schreiben, um Missverständnisse zu vermeiden. In meiner Rolle als RAI-Superuserin bin ich auf meiner Abteilung dafür verantwortlich, dass die Assessments korrekt ausgefüllt werden. Meine Aufgabe ist es, Fehler in den Berichten über den Gesundheitszustand der Bewohnenden oder in der Pflegeplanung zu vermeiden. Das ist auch für die Zusammenarbeit mit den Krankenkassen wichtig.
War das deine Motivation, einen weiteren Deutschkurs beim Schulungszentrum Gesundheit (SGZ Campus) zu besuchen?
Ja, denn ich habe mich unsicher gefühlt. Ich war immer eher still, weil da diese Sprachbarriere war. Was ich an den Deutschkursen besonders geschätzt habe: Unsere Kursleiterin hat unsere Unterlagen aus der Pflege benutzt, um auf unsere individuellen Schwierigkeiten eingehen zu können. Einen derart berufsspezifischen Deutschkurs kannte ich bis dahin nicht. Das hat mich enorm weitergebracht.
Der Kurs ist nicht als klassischer Frontalunterricht aufgebaut, sondern orientiert sich stark an den Bedürfnissen der Teilnehmenden. Wie hast du diese Unterrichtsform erlebt?
Mir hat diese Mischung aus erklärendem Unterricht und selbständiger Gruppenarbeit gefallen. Ich war immer motiviert, mich sprachlich weiterzuentwickeln. Für mich ist das Lernen eine willkommene Abwechslung zur Arbeit und zum Familienleben. In der Schule geht es nur um mich. Das ist erfüllend. Auch wenn ich abends nach meiner Schicht oft müde war und der Weg weit: Ich habe die Zeit gerne investiert.
Welche Rolle spielt es für dich, dass dir diese Deutschkurse vom Arbeitgeber kostenlos ermöglicht werden?
Das ist für mich sehr wertvoll. Ich sehe es als grosse Chance, dass ich mich im Rahmen meiner Arbeit sprachlich weiterbilden kann. Gerade weil Sprache in der Pflege so wichtig ist.
Merkst du auch Veränderungen in deinem beruflichen Selbstvertrauen oder darin, wie sicher du im Team auftrittst?
Auf jeden Fall. Ich bin nicht mehr so schüchtern, sondern trete selbstbewusst auf – auch am Telefon. Und ich kann mit den Bewohnenden und innerhalb des Teams viel besser kommunizieren. Das vereinfacht meinen Arbeitsalltag sehr.
Planst du noch weitere Sprachkurse?
Sobald ich Zeit habe, möchte ich unbedingt das Niveau C1 abschliessen und die entsprechende Prüfung absolvieren.
Mit welchem Ziel?
Das verrate ich noch nicht. Ich möchte mich zuerst weiterentwickeln und dann weiterschauen. Mit C1 stehen mir alle Möglichkeiten offen.
Möchten Sie Ihre Mitarbeitenden in der deutschen Sprache stärken?
Die Deutschkurse des Schulungszentrums Gesundheit unterstützen Mitarbeitende dort, wo Sprache im Pflegealltag wichtig ist: im Kontakt mit Bewohnenden, im Austausch im Team und bei der Dokumentation. Der kompetenzorientierte Werkstattunterricht orientiert sich an den individuellen Sprachkompetenzen der Teilnehmenden und ist praxisnah auf ihren Arbeitsalltag abgestimmt.