Besa Tusi (links im Bild) und Edith Holik sind Pflegeexpertinnen im Gesundheitszentrum für das Alter Entlisberg respektive Gehrenholz. Beide haben im Sommer 2026 den Master of Science in Pflege an der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften abgeschlossen.
Warum hattet ihr euch für das Masterstudium entschieden?
Edith: Ich hatte an der ZHAW bereits das Bachelorstudium in Pflege absolviert, weil ich meine Fachkompetenz vertiefen wollte. Schon am Infoabend hatte es mich voll gepackt und mir war klar: Das ist es! Am Ende des Bachelorstudiums wurde uns das Masterstudium nähergebracht. Für mich war der Zeitpunkt damals noch nicht der richtige, ich hatte diese Option aber im Hinterkopf behalten. Als ich 2023 den Master in Angriff nahm, war mein Ziel, meine Fachkompetenzen weiter zu vertiefen und Pflegeexpertin zu werden.
Besa: Ich hatte ebenfalls schon das Bachelorstudium in Pflege an der ZHAW absolviert und 2016 zusätzlich noch den Master of Advanced Studies (MAS) in Gerontologischer Pflege. Anders als Edith übte ich die Funktion der Pflegeexpertin bereits aus, als ich mich für das Masterstudium entschied, inzwischen seit 7 Jahren. Um dieser anspruchsvollen Rolle noch besser gerecht zu werden, wollte ich mir die vertiefteren wissenschaftlichen Grundlagen aneignen, die der Master of Science vermittelt. Mein Ziel war es, Berufspraxis und Wissenschaft näher zusammenbringen und dafür zu sorgen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse direkt den Bewohnenden zugutekommen. Diese Perspektive hat mich vom ersten Tag an getragen.
Haben euch die Gesundheitszentren unterstützt?
Besa: Absolut. Mein Betrieb hat mir von Anfang an Vertrauen geschenkt und die Möglichkeit geboten, das Studium berufsbegleitend zu absolvieren. Ich schätze es sehr, dass sie in meine Entwicklung investiert haben. Das Studium konnte nur gelingen, weil Betrieb und Führung dieses Unterfangen mitgetragen haben. Zum Beispiel, indem sie mir bei der Arbeitsplanung entgegengekommen sind. Meine Vorgesetzte hat sich regelmässig nach meiner Gesundheit und meinem Wohlbefinden erkundigt, mir immer wieder Unterstützung angeboten und betont, dass ich jederzeit auf sie zukommen darf. Diese verlässliche Begleitung hat mir die Stabilität und Sicherheit gegeben, die ein berufsbegleitendes Studium braucht. Das ist für mich von grossem Wert.
Edith: Ich erlebte ebenfalls sehr viel Offenheit und Wohlwollen, als ich die Idee äusserte. Neben meinem Betrieb haben mich auch Eva Horvath, Leiterin klinische Pflegeentwicklung, und bei der Masterarbeit Kornelia Kotkowski, Leiterin Forschung, unterstützt. Die Pflegedienstleitung bei mir im Betreib hatte ebenfalls sehr grosses Interesse daran, was ich im Studium gerade lernte. Wir waren laufend darüber im Austausch und sie hat mich fachlich unterstützt, wenn ich für ein Modul ein Thema aus der Praxis brauchte. Zudem erkundigte sie sich immer wieder nach meinem Wohlbefinden und ermutigte mich, gut zu mir zu schauen. Zu wissen, dass man bei mir im Betrieb an meinem Studium und an meiner Gesundheit interessiert war, gab mir ein sehr gutes Gefühl.
Wie gelang es euch, Arbeit und Studium unter einen Hut zu bekommen?
Edith: Dabei war meine enorm gute Planung essenziell. Wenn ein Leistungsnachweis oder ein neues Modul anstand, habe ich mich hingesetzt und geschaut, wie ich meine Zeit einteile – und wie ich genügend Raum lasse, sodass meine Arbeit allenfalls noch von einer Zweitperson gelesen werden konnte. Ich habe jeweils festgehalten: Wann arbeite ich im Betrieb, wann arbeite ich am Leistungsnachweis und wie plane ich freie Tage ein, an denen ich mich erhole? Wenn ich dachte, es sei zu viel und mir platzt der Kopf, half es mir sehr, den Aufwand herunterzubrechen. Doch auch mit der besten Planung lässt sich nicht leugnen: Ein berufsbegleitendes Masterstudium ist sehr zeitintensiv und bedeutet, zeitweise auf soziale Kontakte zu verzichten.
Besa: Meine Rolle als Pflegexpertin und Masterstudentin, aber auch als Mutter, Ehefrau, Tochter und Schwiegertochter miteinander zu vereinbaren, war der Aspekt, an dem ich am meisten gewachsen bin. Ich habe gelernt, wie viel mit guter Organisation möglich ist. Die ersten beiden Studienjahre habe ich 100 % gearbeitet, im dritten Jahr habe ich gemerkt, dass mir das zu viel wird und ich der Masterarbeit genügend Raum geben möchte. Also habe ich auf 80 % reduziert. Ein gutes Zeitmanagement und eine offene Kommunikation sind nicht nur im Betrieb wichtig, sondern auch zuhause.
Wie bist du die Koordination mit deiner Familie konkret angegangen?
Besa: Ich habe jeweils alle wichtigen Termine in der Familienagenda eingetragen, damit alle stets wussten, wann eine intensive Phase auf mich zukommt. Duch mein Masterstudium wurde der Austausch nach dem Abendessen zu einem festen Ritual in meiner Familie. Dabei geht es darum, wie wir alle den Tag gemeistert haben und was bei jedem Einzelnen demnächst ansteht. Mit meinem Mann, meiner wichtigsten Stütze in der Zeit, habe ich jeweils bewusst für Gespräche Spaziergänge in der Natur unternommen. Es lässt sich alles gut miteinander vereinbaren, wenn man diszipliniert ist und ein tragfähiges Netzwerk hat. Natürlich musste ich zum Teil andere Dinge loslassen, um mich auf das Studium zu konzentrieren. Aber ich habe dadurch meine Grenzen besser kennengelernt und Gelassenheit gelernt. Durchzuhalten und dem Ziel Schritt für Schritt näherzukommen, kenne ich vom Marathonlaufen.
Was ist das Thema eurer Masterarbeit und wie seid ihr darauf gekommen?
Edith: Mein Thema lautet «Wissenstransfer in der Langzeitpflege aus der Perspektive der Pflegenden». Mir war wichtig, ein Thema zu finden, das dem Betrieb etwas bringt und einen direkten Bezug zu meiner Arbeit hat. Dadurch war mein Interesse daran riesig. Auf das Thema bekommen bin ich durch die enge Zusammenarbeit mit der Fachbeauftragten Geriatrie bei uns im Betrieb. Im Zentrum meiner Arbeit stand die Frage: Wie können wir den Pflegenden neues Wissen so vermitteln, dass sie es bestmöglich erfassen und nutzen können? Wissenstransfer wird sehr oft aus der Vorgesetztensicht betrachtet. Ich wollte darum bewusst die Perspektive der Pflegenden beleuchten. Die Themenidee kam von mir. Im Gespräch mit meiner Vorgesetzten nahm sie Gestalt an, und zusammen mit Kornelia Kotkowski habe ich sie weiter geschärft.
Besa: Mein Thema ist «Erfahrungen von Pflegfachpersonen mit der Implementierung und Anwendung des ISBAR-Instruments in Langzeitinstitutionen der Stadt Zürich». Der Themenvorschlag kam von Kornelia Kotkowski. Sie und die Dozierenden an der ZHAW bringen Themen für Masterarbeiten ein, die wir Studierenden bei Interesse wählen können. Als ich mich für ein Thema entscheiden musste, wurde bei uns im Betrieb gerade ISBAR eingeführt. Durch meine Masterarbeit bot sich mir die Chance, direkt und detailliert von den Pflegenden zu erfahren, wie sie die Umsetzung erleben und so einen echten praktischen Nutzen für den Betrieb zu generieren.
Wie seid ihr das wissenschaftliche Arbeiten angegangen?
Edith: Im Bachelor- und Masterstudium wurden wir auf das wissenschaftliche Arbeiten vorbereitet und dabei begleitet – von der Projektskizze bis zur Umsetzung. Dies geschah aber vor allem theoretisch. Eine eigene Studie durchzuführen, war für mich komplettes Neuland. Ich konnte diesbezüglich sehr stark vom Wissen und der Erfahrung von Kornelia Kotkowski profitieren. Insbesondere bei der Durchführung von leitfadengestützten Interviews hat sie mir Tipps und Feedback gegeben und die Ergebnisse mit mir reflektiert. Da meine Arbeit einen sehr hohen Praxisbezug hat, war Kornelia Kotkowski die Erstbegleiterin meiner Masterarbeit und wir bauten zügig einen intensiven Austausch auf.
Besa: Ich bin das Ganze Schritt für Schritt angegangen: verstehen, anwenden, reflektieren. Zu jedem Arbeitsschritt habe ich mir das nötige Wissen angeeignet. Dabei stand auch mir Kornelia Kotkowski stets zur Seite. Schon für den Master-Proposal empfahl sie mir konkrete Literatur, später bei den Interviews coachte sie mich und unterstützte mich bei der Datenanalyse. Die Arbeit war ein Prozess, während dessen ich das Vorgehen laufend reflektiert und geprüft habe – mit Kornelia Kotkowski und auch im Masterkolloquium an der ZHAW, bestehend aus Dozierenden und Studierenden. Anfangs war das wissenschaftliche Arbeiten sehr fordernd: etwa das methodische Vorgehen, der wissenschaftliche Schreibstil und das Eingrenzen des Themas. Das Coaching und die Unterstützung von Kornelia Kotkowski waren dabei sehr wertvoll.
Was würdest du anderen empfehlen, die ein Masterstudium absolvieren möchten?
Edith: Macht’s unbedingt! Aber nicht einfach, damit ihr es gemacht habt. Man sollte unbedingt ein Ziel vor Augen haben, auf das man hinarbeitet. So bleibt man motiviert, denn das Masterstudium ist intensiv und absorbierend. Eine gute Planung und Abstimmung mit dem Privatleben sind essenziell. In Vollzeit dauert das Studium 3 bis 4 Semester. Ich habe mich für die Teilzeitvariante entschieden, die 6 Semester dauert. Ab einem bestimmten Punkt im Studium muss man einen von drei Schwerpunkten wählen. Ich hatte mich für den Schwerpunkt Clinical Nurse Specialist (CNS) entschieden, da ich Pflegeexpertin werden wollte. Bereits zu Beginn des Studiums zu wissen, in welche Richtung man gehen möchte, halte ich für wichtig.
Besa: Dem schliesse ich mich an. Ich hatte mich für den Schwerpunkt Nurse Practitioner (NP) entschieden, um meine Kompetenzen in der klinischen Einschätzung, der Diagnostik und der Behandlungsplanung zu vertiefen und Menschen mit komplexen Krankheitsbildern in enger interprofessioneller Zusammenarbeit gezielt zu stärken. Ich kann das Masterstudium allen, die den Wunsch nach fachlicher Weiterentwicklung und ein Ziel vor Augen haben, von Herzen empfehlen. Es lohnt sich fachlich, beruflich und persönlich, braucht aber Einsatz, Disziplin, Durchhaltevermögen, eine gute Planung und einen starken Willen – und ein unterstützendes Umfeld. Man wird daran wachsen und die Freude am Erreichten ist meiner Meinung nach die Anstrengung wert.
Was ist für euch rückblickend der grösste Gewinn oder die grösste Erkenntnis aus dieser Erfahrung?
Besa: Dass ich mich fachlich, beruflich und persönlich weiterentwickelt habe und diese Entwicklung direkt in meiner täglichen Arbeit ankommt. Ich priorisiere schneller, analysiere komplexe Situationen strukturierter und begründe Entscheidungen fundierter und evidenzbasiert. All das stärkt mich in meiner Rolle als Pflegeexpertin und lässt sie mich bewusster ausfüllen. Persönlich habe ich zudem etwas Wunderbares gelernt: Man kann sehr viel erreichen, wenn man ein klares Ziel vor Augen und ein unterstützendes Umfeld hat. Dieses neu gewonnene Selbstvertrauen trage ich in jede neue Aufgabe. Mir ist zudem wichtig zu betonen, dass ein Studium in der Pflege ein Gewinn für alle ist: den Betrieb, das Team und auch die Bewohnenden. So stärken wir die Pflegequalität nachhaltig.
Edith: Ich sehe das genauso und nehme mit, dass es für mich auf jeden Fall die richtige Entscheidung war. Das Masterstudium war mit sehr viel Arbeit, Selbststudium und Selbstzweifeln verbunden. Der Aufwand hat sich aber gelohnt. Ich freue mich sehr, beruflich etwas für mich geschaffen zu haben und dadurch noch mehr Freude an meiner Arbeit zu haben. Vorher war ich am Bett tätig und hatte viel Kontakt mit den Bewohnenden. Neu ist mein Fokus nicht mehr ausschliesslich auf den Bewohnenden, sondern auch auf den Pflegenden. Ich beschäftige mich damit, was sie umtreibt und wie ich den Wissenstransfer optimal gestalte, damit sie ihre Arbeit bestmöglich ausführen können. Je besser mir das gelingt, desto mehr Erfüllung und Freude haben sie bei der Arbeit – und das kommt auch den Bewohnenden zugute.
Der Master of Science (MSc) in Pflege an der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften bereitet auf die Rolle als Advanced Practice Nurse (APN) vor und eröffnet vielseitige berufliche Perspektiven in Praxis, Forschung, Lehre und Management. Die drei Schwerpunkte Forschung, Clinical Nurse Specialist (CNS) und Nurse Practitioner (NP) ermöglichen eine Spezialisierung und bereiten Absolvent*innen optimal auf ihre zukünftige Rolle vor.
Die Gesundheitszentren für das Alter unterstützen Interessierte nach Möglichkeit, ihre berufliche Laufbahn mit einem Masterstudium voranzubringen. Bei der Masterarbeit steht ihnen die Leiterin Forschung, Dr. Kornelia Kotkowski, mit möglichen Themen sowie als Erst- oder Zweitbegleiterin zur Seite und unterstützt den gesamten Prozess. Sie ist überzeugt: «In einem Masterstudium sind wissenschaftliche Vorkenntnisse nicht das Entscheidende. Viel wichtiger sind die Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln, Durchhaltevermögen, Interesse am gewählten Masterthema sowie die Offenheit, aus Feedback zu lernen.» Forschung sieht sie als Teamarbeit und freut sich, gemeinsam mit den Mitarbeitenden der Gesundheitszentren für das Alter die Wissenschaftlichkeit in der Pflege weiter voranzutreiben.