Du bietest Schnuppertrainings für Stadtzürcher Lehrpersonen und Schülerinnen ab der 6. Klasse an. Wie ist das Angebot aufgebaut?
Die Sportlehrpersonen können mich direkt kontaktieren, und wir vereinbaren einen Termin für eine kostenlose Doppellektion im Unterricht. Die Schülerinnen lernen Grundtechniken, Fussarbeit, Basis-Schläge sowie Theorie. In den anschliessenden Partnerinnenübungen stehen Respekt, Technik und Fairness im Vordergrund. Zum Abschluss findet ein Sparring ohne harte Schläge statt – dabei treten zwei Teilnehmerinnen gegeneinander an, allerdings nur mit Treffern auf den Körper und selbstverständlich freiwillig.
Warum richtet sich das Angebot gezielt an Mädchen ab der 6. Klasse?
Viele Mädchen hören in diesem Alter mit Sport auf, weil sich ihre Interessen verändern oder sie sich weniger zutrauen. Dabei ist Bewegung gerade jetzt entscheidend für das Selbstbewusstsein und die soziale Entwicklung. Mit unserem Projekt wollen wir Mädchen zeigen, wie sie sich durch Boxen behaupten können, und dass der Sport ihnen Raum gibt, sich selbst zu entdecken.
Wie erfolgreich ist dein Angebot, um Mädchen und junge Frauen langfristig für den Boxsport zu begeistern?
Das Projekt ist noch jung, und es braucht Zeit, bis man sieht, wie viele Mädchen tatsächlich langfristig dranbleiben. Das Interesse am Frauen- und Leichtkontakt-Boxen wächst. Immer mehr Boxclubs bieten gezielte Trainings für Frauen an. Auch das Bewusstsein, dass Boxen weit mehr ist als nur Kämpfen, nimmt zu.
Wo siehst du die grössten Hürden für Mädchen im Leichtkontakt-Boxen?
Das Bild von Boxen ist oft geprägt von Aggression, Gewalt oder blauen Augen. Dabei geht es im Leichtkontakt-Boxen um Technik, Disziplin, Selbstvertrauen und Respekt. Ein weiteres Hindernis ist die Unsicherheit vieler Mädchen in der Pubertät. Umso wichtiger sind weibliche Vorbilder, sichere Trainingsstätten und Angebote ohne Leistungsdruck. Boxen und Kampfsport sollen Teil des Schulsports sein, gerade dort können Berührungsängste abgebaut werden.
Was wünscht du dir für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass Mädchen und junge Frauen selbstbewusst ihren Platz im Sport einnehmen – ohne sich rechtfertigen zu müssen oder sich kleinzumachen. Mädchen sollen wissen: Ich darf das. Ich kann das. Ich gehöre hierher.