Wie bist du auf die Idee zu «RIDE GIRLS!» gekommen? Was hat dich motiviert, das Projekt zu starten?
Gleichberechtigung ist für mich ein grosses Thema. Ich bin leidenschaftliche Mountainbikerin – ein Sport mit einem sehr geringen Frauenanteil. Im Stadtzürcher Mountainbikeverein «Züritrails» liegt der Mädchenanteil im Nachwuchsbereich bei fast null. Mädchen und Frauen können aber genauso gut biken. Für die Kleinsten werden Laufräder immer beliebter. Als Mutter fiel mir auf, dass Mädchen oft schon früh benachteiligt sind: schwere Velos, schlechteres Material, ungeeignete Kleidung und Schuhe. Hauptsache die Fahrräder sind schön farbig und mit Körbchen ausgestattet. So werden die Mädchen gebremst – buchstäblich. Irgendwann verlieren sie die Freude am Velofahren. Ich wollte dort ansetzen, wo alles beginnt.
Ist es nicht selbstverständlich, dass Eltern ihren Töchtern das Velofahren selbstständig beibringen? Warum braucht es frühe Förderung?
Vielen Eltern ist nicht bewusst, dass sie ihren Töchtern mit ungeeignetem Material und zu viel Druck das Velofahren erschweren. Deshalb braucht es Aufklärung und den Informationsaustausch durch «RIDE GIRLS!» Das Angebot stösst auf grosses Interesse, weil es niederschwellig ist, keine Anmeldung braucht sowie spielerisch ist. Frühförderung ist entscheidend, damit Mädchen im Schulalter mit denselben Voraussetzungen in den Vereinssport eintreten können wie Buben.
Wie sehen die «RIDE GIRLS!»-Angebote aus?
Wir organisieren Mini-Events auf Spielplätzen oder in Gemeinschaftszentren. Auf den Veloparcours schulen und fördern wir spielerisch die Geschicklichkeit auf dem Fahrrad. Und wir stellen den Mädchen passende Laufräder, Bikes und Helme zur Verfügung. So erleben sie, wie viel Spass Velofahren mit dem richtigen Equipment macht.
Wie unterstützt dich «Atleta»?
«Atleta» hat es mir ermöglicht, einen aktiven Beitrag zur Gleichberechtigung von Mädchen – vorerst im Mountainbikesport – zu leisten. Allein hätte ich das nicht geschafft. Durch die Zusammenarbeit hoffe ich, dass ein neues Selbstverständnis im Bikesport geschaffen wird.
Welche Herausforderungen begegnen dir in der Mädchenförderung im Bikesport?
Wir müssen immer wieder erklären, warum unser Angebot gezielt für Mädchen ist. Eltern von Knaben fühlen sich oft vor den Kopf gestossen. Weitere Gründe sind kulturelle oder religiöse Barrieren, die Mädchen daran hindern, aufs Velo zu steigen.
Wo siehst du «RIDE GIRLS!» in ein paar Jahren?
Wir wollen das Projekt schweizweit ausbauen. Im Fokus steht dabei die Zusammenarbeit mit Organisationen der öffentlichen Hand, Bildungsinstitutionen sowie Vereinen.