Was können Schulkinder bei dir in der Bauernhofschule lernen?
Die Kinder können aktiv in die Landwirtschaft eintauchen: Sie haben direkten Tierkontakt, dürfen bei einfachen Hofarbeiten mithelfen, Tiere füttern und misten. Sie können landwirtschaftliche Produkte degustieren und selbst herstellen, wie Butter schütteln, Frischkäse zubereiten oder Rapsöl pressen.
Gleichzeitig lernen die Schüler*innen, dass Tiere Bedürfnisse haben und sie direkt auf unser Verhalten reagieren. Diese unmittelbare Rückmeldung ist für die Kinder eine wertvolle Lernerfahrung. Sie merken schnell, dass man mit Ruhe und Geduld weiterkommt.
Du unterrichtest auf drei verschiedenen Bauernhöfen. Was gehört alles zu deinen Aufgaben?
Ich betreue jährlich rund 70 Schulklassen – vom Kindergarten bis zur Oberstufe. Das Lernprogramm richtet sich nach dem Alter der Kinder, den Schwerpunkten des jeweiligen Bauernhofs und welche Tiere es dort gibt. Je nach Thema bin ich auf dem Gutsbetrieb Juchhof, Riedenholzhof oder Waidhof unterwegs.
Zu meiner Arbeit gehört aber noch mehr als die Bildungsarbeit mit den Schulklassen: Ich erstelle Lernmaterialien, gestalte die Lernorte mit, kümmere mich um administrative Aufgaben, stimme mich im Team ab und pflege den Austausch mit den Hofpächter*innen. Das Konzept der Bauernhofschulen durfte ich vor 15 Jahren mitentwickeln, heute stemmen wir die Arbeit zu dritt. Das ist eine schöne Entwicklung und wir haben viel erreicht!
Wie sieht ein typischer Arbeitstag auf dem Bauernhof aus?
Bevor die Schulklasse kommt, mache ich einen Hofrundgang. Wie geht es den Tieren heute? Welche Situationen könnten die Kinder erwarten? Gerade zu Beginn sollen sie positive Erfahrungen machen. Deshalb passe ich mein Programm flexibel an den Alltag des Bauernhofs an. Gemeinsam mit der Klasse geht es dann ans Entdecken, Beobachten und Mithelfen. Z'Mittag gibt es gemeinsam draussen am Feuer.
Was sind deine persönlichen Highlights?
Beobachte ich die besondere Zwiesprache zwischen Kindern und Tieren, ist das immer ein Geschenk. Viele Kinder versinken regelrecht im Moment, sobald sie sich einem Tier nähern. Dabei zählt vor allem der Respekt. Wenn die Kinder am Ende des Tages sagen: «Wir haben gelernt, wie wir gut mit Tieren umgehen.», dann macht mich das glücklich.
Genauso schätze ich den tollen Spirit mit meinen Arbeitskolleg*innen der Naturschulen. Der Umgang untereinander ist sehr wertschätzend. Wir haben viel Raum für Innovationen, persönliche Entwicklung und können unsere persönlichen Stärken einbringen.
Schon während ihrer Zeit als Primarlehrerin merkte sie, wie wertvoll Lernen draussen in der Natur und mit Tieren ist. 1991 wechselte sie deshalb als Naturpädagogin zur damaligen Sihlwaldschule – der ersten Waldschule der Stadt Zürich. Als in der Stadt der Wunsch nach weiteren Lernorten und Bildungskonzepten wuchs, unterrichtete Bettina in einer Pilotphase auf Bauernhöfen. Das Konzept kam bei den Klassen gut an, so entwickelte sie dieses im Team stetig weiter. Ihr Fachwissen zu Landwirtschaft und Bauernhoftieren eignete sie sich in Weiterbildungen an diversen Landwirtschaftsschulen an. Heute blickt die 63-Jährige auf 35 abwechslungsreiche Jahre Bildungsarbeit bei Grün Stadt Zürich zurück.
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