Welche Erinnerung hast du an deinen Start bei der Sukkulenten-Sammlung?
Mein erster Arbeitstag war der 1. Juli 1994, ein sehr heisser Tag. Und schon in der ersten Woche musste mich mein damaliger Chef in den Notfall bringen: Nicht wegen eines dornigen Kaktus, sondern weil mich eine Biene gestochen hatte!
Was macht deinen Arbeitsalltag so besonders?
Ich liebe Pflanzen wirklich über alles. In der Sukki bin ich vor allem für die Pflanzen aus Südamerika zuständig. Mich um sie in dieser weltweit einzigartigen wissenschaftlichen Sammlung kümmern zu können, geniesse ich jeden Tag. Es gibt für meine Kolleg*innen und mich viel Abwechslungsreiches zu tun: von der Anzucht kleiner Kakteen übers Umtopfen, Giessen, Samen gewinnen, Beschildern und Dokumentieren. Aktuell kommt hinzu, besonders gut zu lüften und die Kakteen vor der Sonneneinstrahlung zu schützen. Entgegen oft gehörter Annahmen, vertragen diese Pflanzen die Hitze nämlich auch nicht immer gut.
Welche Arbeitsutensilien brauchst du in deinem Job am meisten?
Ohne meine grosse Pinzette geht gar nichts! Mit ihr kann ich Kakteen anheben, umtopfen oder jäten, ohne mit den Dornen in Kontakt zu kommen. Ganz wichtig sind auch eine Reb-Schere und ein Giessschlauch. Momentan ebenfalls unerlässlich: ein schattenspendender Hut. Wegen diesem hat mich letztens übrigens ein Besucher gefragt, ob ich unser Sukki-Maskottchen «Sara Dorn» bin.
Was schätzt du vor allem an deiner Arbeit?
Die Zusammenarbeit mit den Team-Kolleg*innen erlebe ich als unglaublich hilfsbereit. Viele von ihnen sind für mich schon fast wie eine zweite Familie. Dass ich so selbstständig arbeiten kann, schätze ich ebenfalls sehr. Zudem: Nicht nur wir Sukki-Mitarbeitenden strahlen Freude aus, auch unsere Besucher*innen. Sie allen kommen in die Sukki, um die Pflanzenpracht zu bestaunen oder, um sich einfach zu erholen. Einen schöneren Ort zum Arbeiten gibt es aus meiner Sicht gar nicht.
Welches Talent sollte man für deinen Job als Gärtnerin mitbringen?
Nebst Begeisterung für Pflanzen, ist es gut, aufmerksam und «auf Zack» zu sein: Denn kleinere und grössere Arbeiten fallen immer und überall an. Es ist zudem sicher von Vorteil, damit umgehen zu können, an einem öffentlichen Ort zu arbeiten. Unsere Besucher*innen können uns ja praktisch immer ansprechen oder zumindest unsere Arbeiten mitverfolgen. Empfehlenswert sind auch Englischkenntnisse – das sollte meiner Meinung nach ein Bestandteil jeder Berufslehre sein.
Wie erholst du dich von der Arbeit?
In meinem Zuhause im Wägital auf 1000 m ü.M. habe ich ebenfalls ein Pflanzenparadies. Meine Familie hält mich manchmal schon für verrückt, aber ich bekomme von Blumen oder Kräutern, ihren Farben und Düften einfach nicht genug. Wenn ich nicht im eigenen Garten unterwegs bin, dann in den Bergen oder überhaupt in der Natur. Wandern ist meine zweite Leidenschaft. Und zwischendurch lese ich gerne Romane oder – natürlich – Gartenzeitschriften.
Die Sukkulenten-Sammlung Zürich beherbergt seit 1931 die weltweit artenreichste, wissenschaftlich geführte Sammlung sukkulenter Pflanzen – mit über 4400 verschiedene Arten aus rund 80 Pflanzenfamilien. Sie ist im Schweizerischen Kulturgüterschutzinventar als Objekt von nationaler Bedeutung erfasst.
Jedoch wurde die Anlage letztmals 1985 saniert und ist baulich und energetisch in die Jahre gekommen. Mit dem Masterplan «Gebiet Sukkulenten-Sammlung», den der Stadtrat im Sommer 2024 verabschiedet hat, wurde nun die Grundlage für die künftige Entwicklung der Sukkulenten-Sammlung und des umliegenden Seeuferabschnitts geschaffen.
Gut 60 000 Besucher*innen verzeichnet die Sukkulenten-Sammlung jährlich. Geöffnet hat sie an 365 Tagen jeweils von 9.00 bis 16.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Zusätzlich finden zahlreiche Veranstaltungen statt.
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