Wie bist du zu Grün Stadt Zürich gekommen?
Es war ein klassischer Fall von «Wenn sich eine Tür schliesst, öffnet sich eine neue». Nach meiner Ausbildung zur Detailhandelskauffrau war ich viele Jahre im Backoffice und Customer Service internationaler Mode- und Kosmetikunternehmen tätig. Als mein letzter Arbeitgeber während der Pandemie den Schweizer Standort schloss, stand ich plötzlich vor einem Neuanfang.
Zur gleichen Zeit suchte die Stadtgärtnerei eine Person für die Sachbearbeitung mit Erfahrung in Koordinationsaufgaben – für mich eine ideale Gelegenheit. Nach dem Schock des Jobverlusts erwies sich diese Stelle als echter Glücksfall. Seit Januar 2021 arbeite ich nun bei Grün Stadt Zürich.
Hattest du bereits vorher einen Bezug zur Stadtgärtnerei?
Nein, die Arbeit in der grünen Fachwelt und innerhalb einer städtischen Verwaltung war für mich neu. Eine Verbindung zur Natur hatte ich jedoch schon immer – ich bin auf dem Land aufgewachsen. Schon länger wünschte ich mir zudem eine sinnstiftende Tätigkeit. Während es in der Konsumgüterbranche stark um Verkauf und Gewinn ging, kann ich heute aktiv dazu beitragen, die Stadt grüner und lebenswerter zu gestalten – an einem Ort, der mich täglich inspiriert.
Wie sieht dein Arbeitsalltag bei Grün Stadt Zürich aus?
Zusammen mit einer Kollegin bin ich die zentrale Anlaufstelle der Stadtgärtnerei. Unser Aufgabenbereich ist sehr vielseitig – genauso wie die Menschen, mit denen wir täglich in Kontakt stehen: alle, die hier arbeiten, die den Park besuchen, an Veranstaltungen teilnehmen oder unsere Seminarräume nutzen… Wir bearbeiten, koordinieren, organisieren, beraten und beantworten unterschiedlichste Anliegen. Diese Vielfalt macht meinen Arbeitsalltag besonders spannend.
Zusätzlich hast du in den vergangenen zwei Jahren eine Weiterbildung absolviert. Was war deine Motivation?
Da ich als Quereinsteigerin ohne «grünen» Hintergrund gestartet bin und mich langfristig in diesem Bereich weiterentwickeln möchte, war es mir wichtig, mir das entsprechende Fachwissen anzueignen. Deshalb habe ich die Weiterbildung zur Umweltberaterin mit eidgenössischem Fachausweis absolviert. Die Themen – Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Energiewende, Rohstoffknappheit, geopolitische und soziale Spannungen – waren manchmal schwer zu verdauen, haben mich aber darin bestärkt, dass ich am richtigen Ort bin. Ich möchte mit meiner Arbeit einen Beitrag leisten. Meine Abschlussarbeit «Bunter Balkon» konnte ich direkt in der Stadtgärtnerei umsetzen – ein Projekt, das Theorie und Praxis ideal verbindet.
Kannst du darüber mehr erzählen?
Die meisten Menschen in der Stadt leben in Wohnungen mit Balkon – und haben damit grosses Potenzial für mehr Grün. Oft fehlt jedoch das Wissen, wie man beginnt. Genau hier setzt mein Projekt an. Ich habe einen «Schaubalkon» entwickelt, der unterschiedliche Lichtverhältnisse abbildet und vielfältig bepflanzt ist. Dank der grossen Unterstützung meiner Arbeitskolleg*innen wurde er auch dieses Jahr wieder auf dem Areal der Stadtgärtnerei aufgebaut. Er zeigt anschaulich, wie sich mit einfachen Mitteln ein kleines grünes Paradies schaffen lässt – ein Ort, der uns Freude bereitet und gleichzeitig als wertvoller Trittstein für Bienen, Schmetterlinge und Vögel dient. Ziel ist es, zu inspirieren und zur eigenen Umsetzung zu motivieren. Ergänzend bieten wir einen Kurs für Einsteiger*innen an. Auch für eine Weiterentwicklung habe ich bereits eine Idee: Wie wäre es den Balkon mobil zu machen, um noch mehr Menschen zu erreichen und zu begeistern? Es bleibt spannend.
- Vielfalt pflanzen – Unterschiedliche Pflanzen fördern Biodiversität und bringen Leben auf den Balkon.
- Heimische Arten wählen – Sie sind robust und besonders wertvoll für Insekten.
- Essbares integrieren – Kräuter, Beeren & Gemüse verbinden Nutzen und Schönheit.
- Grosse Töpfe nutzen – Sie speichern Wasser besser und sind stabiler.
- Recycelte Gefässe verwenden – Nachhaltig, kreativ und individuell.
- Auf gute Drainage achten – Verhindert Staunässe und schützt die Wurzeln.
- Standort beobachten – Sonne, Schatten und Wind bestimmen die Pflanzenauswahl.
- In die Höhe denken – Wände und Geländer bieten Platz für mehr Grün auf kleinem Raum.
- Richtig giessen & pflegen – Am besten morgens oder abends, möglichst mit Regenwasser.
- Lebensräume schaffen – Mit Wasserstellen und passenden Pflanzen Insekten und Vögel fördern.
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