Wie ist dein beruflicher Weg bis zur Stadtgärtnerei Zürich verlaufen?
Ich habe Umweltingenieurwesen an der ZHAW studiert und als Bauphysikerin gearbeitet – doch mir fehlte der Naturbezug. Daher habe ich noch ein Studium in Agrarwissenschaften an der ETH angehängt. Anschliessend arbeitete ich beim Kanton Zürich im Bereich Agrarpolitik. Die Pandemie hat den Wunsch geweckt, mehr «im Feld» tätig zu sein: Ich wechselte zu einem grossen Betrieb für Kräuteranbau und arbeitete in der Produktionsleitung – es war eine intensive, handfeste Erfahrung. Seit November 2022 bin ich bei der Stadtgärtnerei Zürich in der Grünen Bildung tätig und entwickle dort verschiedene Bildungsangebote.
Welche Projekte beschäftigen dich momentan besonders?
Aktuell organisiere ich vor allem grössere Veranstaltungen, etwa eine Fachtagung im Juni und den alljährlichen Martinimarkt im November. Wir planen auch bereits die nächste Ausstellung in der Stadtgärtnerei. Zudem mache ich Führungen, etwa durch den Ueberlandpark in Schwamendingen oder durch unsere aktuelle Ausstellung. Hin und wieder gebe ich Kurse in der Stadtgärtnerei, zum Beispiel über Nützlinge auf dem Balkon und im Garten.
All das ist immer mit der Frage verbunden: Wie vermittelt man komplexe ökologische Zusammenhänge so, dass sie für alle verständlich sind? An unseren Anlässen nehmen Menschen mit sehr verschiedenen Hintergründen teil – vom Laien bis zu Landschaftsarchitekt*innen, von Schulkindern bis zu Senior*innen. Jeder Kurs und jede Führung ist anders. Bei all den neuen Entwicklungen in der Stadt sowie in Sachen Fauna und Flora, bin auch ich gefordert, fachlich stets am Ball zu bleiben.
Was treibt dich bei deiner Arbeit am meisten an?
Mir geht es darum, zu zeigen, dass wir nicht einfach grüne Flächen verwalten, sondern sie als lebendige Orte und Lebensräume begreifen. Es sind Räume der Begegnung, des Lernens und der Erholung. Für mich ist Grün in der Stadt kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit: Es geht um Klima, Artenvielfalt, Bildung und auch soziale Gerechtigkeit. Wir alle haben einen Anteil daran.
Gab es auch schon Momente, wo das schwierig zu vermitteln war?
Ich erinnere mich gut an eine Führung, an der jemand alles kritisierte: «Das ist doch unnötig» oder «Warum pflanzen Sie das, das ist doch nur ein Unkraut!». Es war unangenehm – aber auch ein Lernmoment: Nicht alle kommen mit Offenheit. Aber die meisten sind neugierig. Unser Kern ist: Wir zeigen die Natur in der Stadt ohne erhobenen Zeigefinger – und lassen Raum für Fragen.
Du bist vor einem Jahr Mami geworden. Wie vereinbarst du Familie und Beruf?
Vorher habe ich 80 Prozent gearbeitet – aber nun 60 Prozent. Ich bin sehr froh, dass unser Team so flexibel ist. Man kann Elternschaft und Beruf vereinbaren – wenn das Umfeld es zulässt.
Was tust du privat, um abzuschalten?
Mein persönlicher Ausgleich ist das Sportklettern. Am liebsten draussen, wenn es sich einrichten lässt – im Sommer im Wallis, im Winter im Tessin. Und wir haben einen Schrebergarten ausserhalb der Stadt, wo das Leben tobt: Zauneidechsen, Bienen, Schmetterlinge, Nachbarn, die sich austauschen und unser Kind, das im Erdreich wühlt und glücklich ist. All das gibt mir Ausgleich.
Welchen Beitrag können Städte zu mehr Biodiversität leisten? Wie werden die städtischen Lebensräume vernetzt? Welche Wege gehen andere Städte, etwa Hamburg, um die Natur im Siedlungsraum zu stärken? Um diese und weitere Fragen geht es an der Fachtagung «Ökologische Vernetzung im Siedlungsraum» von Grün Stadt Zürich. Sie findet am 4. und 5. Juni 2026 in Zürich statt. In Referaten, Workshops und bei Exkursionen lernen die Teilnehmenden verschiedene Planungsgrundlagen kennen. Zudem erfahren sie, wie die Wirksamkeit bereits umgesetzter Massnahmen überprüft wird.
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