Warum bist du zu Grün Stadt Zürich gekommen?
Nach mehr als 25 Jahren als selbstständiger Architekt wollte ich nochmals eine Aufgabe, bei der man im grösseren Stil gestalten kann. Als die Stadt entschied, das Areal Dunkelhölzli – eine riesige Fläche mit Gärtnerei, Gewächshäusern und Wohnhaus – zu kaufen, suchte man jemanden mit Erfahrung in Planung, Entwicklung und Strategie. Das bringe ich mit und so bin ich hier gelandet. Jetzt, mit über 60, ist das für mich ein schönes, vielleicht letztes grosses Werk.
Was hat dich auf deinem Berufsweg besonders geprägt?
Ich habe Ende der 1980er-Jahre diplomiert – ohne digitale Tools, ohne vorgegebene Prozesse. Wir mussten Lösungen suchen, ausprobieren, improvisieren. Diese Haltung habe ich mitgenommen: offen, kreativ, aber systematisch denkend. In meiner Selbstständigkeit arbeitete ich oft in kleinen Netzwerken mit klaren Rollen. Dieser kollaborative Stil bringt mir auch bei Grün Stadt Zürich viel.
Wie hat deine berufliche Laufbahn begonnen?
Unkonventionell. Ich schloss mein Studium in Zürich ab und wurde bereits während meiner Diplomarbeit in Davos eingestellt – für Stadt- und Landschaftsplanung, damals ein neues Feld. Gemeinsam mit dem Umweltschutzamt bauten wir Strukturen auf, die es nicht gab. Diese frühe Verantwortung hat mich geprägt: Raumplanung, Verfahren, Politik, Dialog – alles passierte gleichzeitig. Ich lernte unglaublich viel «on the job», gerade im Zusammenspiel von Planung, Recht und Politik.
Und doch hast du dich nachher selbstständig gemacht – warum?
Ich wollte entwerfen und gestalten, nicht nur verwalten. Vor allem für Nutzungsplanungen, Arealentwicklungen und Public-Private-Partnerships. Viele Gemeinden haben wenig Geld. Sie brauchen Modelle, die Qualität ermöglichen, ohne die öffentliche Hand zu überlasten. Das ist anspruchsvoll und hochspannend. Ich habe oft direkt Exekutiven beraten – sachlich, pragmatisch und auf Augenhöhe.
Gestalten statt verwalten – und dennoch der Schritt zurück zu den Wurzeln in die Verwaltung. Wie passt das zusammen?
Wie das Leben halt so spielt … Ehrlich gesagt, war der Einstieg dann ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe. Die Stadt Zürich ist enorm komplex. Tausende Flächen, Immobilien, Verträge, Schnittstellen, Digitalisierung – viel grösser, als man es von aussen annimmt. Beeindruckt hat mich auch die Kultur der Zusammenarbeit: Jede Person ist ein kleiner Tropfen Öl im gut geschmierten Getriebe.
Also Ende gut, alles gut?
Ich vermisse ab und an die Freiheiten, die man als Selbstständiger hat: zwei Tage ins Museum gehen, dann konzentriert liefern. In der Verwaltung ist der Rhythmus ein anderer – mehr Abstimmung, mehr Prozesse, mehr Excel. Gleichzeitig bietet die Stadt Themen, die ein Einzelbüro nie bekommt: grosse, langfristige Projekte, echtes Gestaltungspotenzial. Ein Beispiel ist das Gärtnerei-Areal, an dem wir arbeiten: ein künftiger Quartierhof, kombiniert mit einem Pionierprojekt zur Energieproduktion. Solche Aufgaben erhält man nur, wenn man Teil einer solchen Organisation ist.
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