Wie wird man eigentlich Wildhüterin?
Mein Weg war alles andere als klassisch: Ich bin gelernte Direktionsassistentin mit eidgenössischem Fachausweis und habe diesen Beruf in der Telekombranche ausgeübt. Bei meiner ehrenamtlichen Tätigkeit auf einem Landwirtschaftsbetrieb bin ich das erste Mal so richtig mit den Wildtieren, ihrem Lebensraum und ihren Bedürfnissen in Kontakt gekommen. Ab da hat mich das Thema Jagd in seinen Bann gezogen – nicht als Hobby, sondern als verantwortungsvolle Aufgabe im Dienst der Natur. So habe ich ehrenamtlich die kantonale Ausbildung zur Jägerin gemacht und mich danach zur Jagdaufseherin weitergebildet. Die eidgenössische Berufsprüfung zur Wildhüterin kann man im Anschluss daran berufsbegleitend absolvieren.
Was schätzt du besonders an deinem Beruf – und was fordert dich am meisten heraus?
Die hohe Eigenverantwortlichkeit ist für mich das Schönste und gleichzeitig die grösste Herausforderung. Man muss ständig priorisieren, flexibel auf das Wetter und unvorhergesehene Ereignisse reagieren. Mein Anspruch an mich selbst ist hoch, manchmal muss ich mich bewusst bremsen. Ich denke sehr leistungsorientiert, aber die Natur lässt sich nicht planen – das ist eine gute Lebensschule.
Stichwort Tier und Mensch im urbanen Raum: Was empfiehlst du für ein friedliches Miteinander?
Wildtiere sollten «wild» bleiben dürfen. Das heisst: Nicht füttern und nur dort eingreifen, wo es wirklich notwendig ist. Die Natur folgt ihren eigenen Kreisläufen – Rangordnungen und das Prinzip von Fressen und Gefressenwerden gehören dazu. Wenn wir das akzeptieren, entsteht ein respektvolles Nebeneinander.
Du bist eine Frau in einem eher männlich geprägten Berufsfeld – wie erlebst du das?
Im Team ist das kein Thema. In der Bevölkerung spüre ich oft eine zurückhaltende bis interessierte Überraschung. Das Berufsfeld an sich weckt Neugier. Negative Reaktionen erlebe ich daher äusserst selten, und wenn, dann eher wegen unterschiedlichen Ansichten, zum Beispiel beim Füttern von Wildtieren. Hier klären meine Kollegen und ich gerne auf, das ist ein wichtiger Bestandteil unserer Aufgabe.
Wie verändert sich deine Arbeit mit den Jahreszeiten – und hast du einen Lieblingsmonat?
Vor jedem Saisonwechsel denke ich: «Jetzt kommt meine Lieblingssaison!». Jede Jahreszeit hat ihre schönen Seiten, wie jeder Lebensabschnitt. Die langen Tage im Sommer sind intensiv – da läuft viel in der Natur. Schön finde ich auch den Herbst, wenn es morgens später hell wird und alles etwas ruhiger wirkt. Vieles in der Natur richtet sich nach dem Tageslicht.
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