Wolltest du schon als Kind Gärtnerin werden?
Ja, denn mein Grossvater hatte einen schönen grossen Garten. Und als Jugendliche habe ich gerne auf Erdbeerfeldern ausgeholfen. In der Nähe von Thun absolvierte ich dann eine Lehre in einem Betrieb, der sich schon früh auf biodynamisches und biologisches Gärtnern spezialisiert hatte. Damals gab es nur wenige solcher Ausbildungsplätze. Nach dem Lehrabschluss hat es mich der Liebe wegen aber für 20 Jahre nach Irland verschlagen. Dort gab es aber wenig Jobs für Gärtner*innen, daher habe ich das nur sporadisch in Selbstständigkeit gemacht und stattdessen als Deutschlehrerin gearbeitet. Inzwischen freue ich mich, wieder in meiner Geburtsstadt zu leben und zu arbeiten.
Du bist seit über einem Jahr bei Grün Stadt Zürich. Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?
Ich arbeite im so genannten Villenteam im Bezirk Süd 2, der sich rund um das Seebecken erstreckt. Wir sind fünf Personen und jeweils für einen Garten der hiesigen Villen zuständig: Bleuler, Hohenbühl, Patumbah, Neumünsteranlage und Tobler. Die Gärten sind öffentlich zugänglich und stehen – genauso wie die Gebäude – unter Schutz. Das heisst, dass wir die Anlagen mit den Pflanzen, Bäumen, Wegen und weiteren Gestaltungselementen möglichst so erhalten müssen, wie sie zu ihrer Entstehungszeit waren. Dazu stimmen wir uns eng mit dem Team der Gartendenkmalpflege ab.
Welche besonderen Herausforderungen bringt die Arbeit mit sich?
Einerseits geben die Vorgaben zur Bewahrung der Anlage Klarheit bei der Planung, Pflanzung und Pflege. Wo bisher eine Kastanie stand – da soll auch in Zukunft wieder eine Kastanie stehen, falls der alte Baum einmal ersetzt werden muss. Aber einige Pflanzen- und Baumarten haben es inzwischen schwerer als zu der Zeit als die Gärten angelegt wurden. Das bedeutet: Hin und wieder müssen wir inzwischen doch abweichen. Auch machen neue Umwelt- und Naturschutzauflagen gelegentlich Anpassungen im Pflegeplan notwendig.
Und obwohl der über 140-jährige Park der Villa Hohenbühl nicht so gross ist, gibt es aber noch einen anderen Aspekt, der die Arbeit hier etwas herausfordernder macht: die terrassenförmige Anordnung oberhalb des Bahnhofs Stadelhofen. Da kommen tagtäglich einige Höhenmeter zusammen.
Hast du einen Lieblingsort im Park?
Sogar mehrere. Ich mag den Blick über die Stadt und zu den Bergen von der grossen Terrasse aus. Tagsüber ist es dort im Sommer zu heiss. Dann bin ich froh, wenn ich im Schatten der alten Bäume oder bei der kleinen Grotte mit Wasserfall arbeiten kann. Besonders schön finde ich den Garten im Herbst, zum Beispiel wenn sich die Blätter der Felsenbirne rot-orange verfärben – übrigens eine Strauchart, die recht gut mit Hitze und Trockenheit zurechtkommt.
Ausser mit Pflanzen beschäftigst du dich auch mit Pädagogik …
Ja, neben meinem 50-Prozent-Pensum als Gärtnerin unterrichte ich weiterhin Deutsch in einer Sprachschule. Bildung liegt mir sehr am Herzen – nicht nur als Mutter von zwei inzwischen erwachsenen Kindern (lacht). Daher finde ich es auch toll, dass es bei Grün Stadt Zürich zum einen die Naturschulen für Kinder gibt als auch grüne Bildungsangebote für die breite Öffentlichkeit.
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