Gleichzeitig steht Zürich vor grossen Herausforderungen: Die Bevölkerung wächst, die Mobilitätsbedürfnisse nehmen zu und die Auswirkungen des Klimawandels werden immer stärker spürbar. Damit die Stadt auch in Zukunft lebenswert bleibt und ihre Klimaziele erreichen kann, muss der öffentliche Raum gezielt weiterentwickelt werden.
Hier setzt die Strategie «Stadtraum und Mobilität 2040» an. Sie verfolgt das Ziel, attraktive Stadträume, erlebbare Stadtnatur und ein effizientes, klimaneutrales Mobilitätsangebot miteinander zu verbinden. Schöne und vielseitig nutzbare Stadträume schaffen Lebensqualität und fördern das Zusammenleben. Mehr Grün verbessert das Stadtklima und stärkt die Biodiversität. Ein breites Mobilitätsangebot sorgt dafür, dass Menschen und Güter zuverlässig und umweltfreundlich unterwegs sind.
Damit dieser Wandel gelingt, werden Stadtraum und Mobilität gemeinsam gedacht. Der vorhandene Strassenraum wird schrittweise neu verteilt, sodass er nicht nur der Fortbewegung dient, sondern auch Raum für Begegnung, Aufenthalt, Spiel und Begrünung bietet. Die Stadt Zürich arbeitet an zahlreichen Projekten, die diese Vision konkret umsetzen:
Wo früher vor allem Durchgangsraum war, bieten heute die Stufen der Postterrasse einen neuen Treffpunkt direkt an der Sihl. Die 13 Sitzreihen der Natursteintreppe laden in unmittelbarer Nähe zur geschäftigen Europaallee für eine Pause am Wasser ein. 14 Bäume spenden künftig Schatten und helfen, die Sommerhitze zu mildern.
Auf der A1 fahren durchschnittlich mehr als 120 000 Fahrzeuge pro Tag durch Schwamendingen. Um den Lärm und die Luftbelastung für das Quartier zu reduzieren, wurde die Autobahn eingehaust. Auf dem Dach der Einhausung entstand auf einer Länge von rund 950 Metern ein gut 30 Meter breiter, neuer Freiraum – der Ueberlandpark. Wege laden zum Verweilen ein, bieten einzigartige Naturerlebnisse und zeigen, wie die Natur mitten in der Stadt aufblüht.
Einst als Autobahn geplant, ist der Stadttunnel für die Veloförderung ein entscheidender Schritt vorwärts. Er dient als sichere und einfache Verbindung zwischen den Stadtkreisen 4 und 5. Zudem bringt der Stadttunnel die Velofahrenden noch schneller zum öffentlichen Verkehr. Über eine neue Velostation mit 1240 geschützten und kostenfreien Veloabstellplätzen wird er direkt mit der Passage Sihlquai des Hauptbahnhofs verbunden.
Sogenannte Quartierblöcke sollen in Quartierstrassen für weniger Durchgangsverkehr, mehr Aufenthaltsqualität, höhere Verkehrssicherheit insbesondere auf Schulwegen und für zusätzlichen Grünraum sorgen. Mit Massnahmen wie Einbahnen oder Sackgassen wird der Durchgangsverkehr unterbunden und Elemente wie Bänke, Pflanztröge oder Veloabstellbügel ermöglichen eine zeitnahe Aufwertung. Die ersten vier Pilotgebiete sind in Aussersihl, Unterstrass, Riesbach und in Seebach-Süd geplant.
Über das Programm Stadtgrün werden gezielt kleinere Massnahmen zur Biodiversität und Hitzeminderung realisiert, die rasch umsetzbar sind und schnell Wirkung zeigen. So wurde zum Beispiel 2025 die beschädigte Pflästerung am Eingang zum Bullingerhof erneuert. Dafür wurde das ursprüngliche Pflaster recycelt und ein Mörtel verwendet, der Regenwasser versickern lässt. Vier neue Rosskastanien wachsen in grosszügigen, unterirdisch verbundenen Baumscheiben und sorgen für kühlenden Schatten.
Für den temporären Begegnungsort direkt an der Limmat wurden Parkplätze aufgehoben, der Boden entsiegelt und ein Grünkonzept erstellt. Provisorisch platzierte Bäume in sogenannten «Airpots» spenden Schatten und Kühlung, Bänke und Tische laden zum Verweilen ein. Die Umwandlung des Papierwerd-Areals erfolgt im Rahmen der Transformation des Globusprovisoriums und in enger Abstimmung mit dem Masterplan «Stadtraum Hauptbahnhof 2050».
Neben dem Ausbau der Velovorzugsrouten und im Rahmen weiterer Bauprojekte fördert die Stadt den Veloverkehr auch durch einfache, effektive Massnahmen wie Signalisation und Markierung. So wurde zum Beispiel auf der Gessnerbrücke die Fahrspur in Richtung Löwenplatz und die Abbiegespur in die Gessnerallee zusammengelegt, um Platz für einen 2,5 Meter breiten Velostreifen zu schaffen. Zuvor mussten sich die Velofahrenden stadteinwärts die Strasse mit den Autos oder das Trottoir mit den Fussgänger*innen teilen. Ergänzt wird die Massnahme durch eine Veloampel mit eigener Grünphase für die Velofahrenden.
Das Pilotquartier Netto-Null will aufzeigen, wie durch die Mitwirkung von Bevölkerung und Unternehmen Treibhausgasemissionen reduziert und Ressourcen clever genutzt werden können – mit innovativen Lösungen und Einbezug des Quartiers. Von 2025 bis 2030 werden in der Binz und in Alt-Wiedikon Klimaschutzmassnahmen in der Praxis erprobt und gemeinsam weiterentwickelt. Was funktioniert, soll längerfristig auf andere Quartiere übertragen werden können.
In einer Begegnungszone wird das Miteinander gelebt. Die Strasse ist nicht mehr nur Verkehrsfläche, sondern gleichzeitig auch Aufenthaltsort für Kinder und Erwachsene. Von Fussgänger*innen, Velofahrer*innen und Autofahrer*innen erfordert dies gegenseitige Rücksichtnahme und Verständnis. So geniesst die Anwohnerschaft mehr Wohn- und Aufenthaltsqualität und die Verkehrssicherheit ist dank der tiefen Geschwindigkeit von 20 km/h erhöht.
In wenigen Jahren werden rund 500 000 Menschen in Zürich leben. Einen Grossteil der künftigen Verkehrsentwicklung soll der öffentliche Verkehr aufnehmen. Die Nachfrage wird in den nächsten 15 Jahren voraussichtlich um rund 30 Prozent zunehmen. Mit ihrer Netzentwicklungsstrategie haben die VBZ die erforderlichen Ausbauschritte für das Tram- und Busnetz definiert. Das Tram Affoltern mit seiner attraktiven Verbindung ins Stadtzentrum ist ein wichtiger erster Schritt. Und zugleich Bestandteil der Tramtangente Nord, die zukünftig von Affoltern via Oerlikon nach Schwamendingen führen soll.
Kunst im öffentlichen Raum gehört zum urbanen Leben in Zürich. Sie ist Teil des städtischen Alltags und für alle zugänglich – manchmal prominent sichtbar, manchmal überraschend zu entdecken. Sie prägt das Stadtbild, schafft Orte der Begegnung und eröffnet neue Perspektiven auf gesellschaftliche, kulturelle und urbane Themen. So bespielt zum Beispiel derzeit das Kunstfestival «The Zurich Archipelago – Recreating Common Grounds» den Zürcher Stadtraum mit Installationen, Performances und gemeinschaftlichen Formaten. Dabei wird gemeinsam gekocht, Kartoffeln geschält, Pflanzen vorgelesen und Denkmäler neu entdeckt.
Ob mehr Grün, neue Begegnungsorte oder sichere Quartierstrassen: Die Beispiele zeigen, wie Zürich den öffentlichen Raum Schritt für Schritt weiterentwickelt. Denn Strassen, Plätze und Grünräume sind mehr als Verkehrsflächen. Sie sind Orte des Zusammenlebens und prägen die Lebensqualität unserer Stadt. Der Tag des öffentlichen Raums am 28. Juni 2026, initiiert von Open Square, macht auf den Wert dieser gemeinsamen Räume aufmerksam und lädt dazu ein, sie neu zu entdecken.