Starke Regenfälle waren stets eine ernste Gefahr für die Menschen und ihre Siedlungen.
Fallen grosse Mengen Wasser in kurzer Zeit, so drohen Sturzbäche, Überflutungen und Schäden an Mensch, Umwelt und Eigentum. Vor diesem Hintergrund wurden Städte über Jahrzehnte so gebaut, dass die unerwünschten Regenmengen schnellstmöglich aus dem Siedlungsgebiet abgeleitet werden. Die Art und Weise, wie unsere Stadt grösstenteils entwässert und Fliessgewässer noch immer vielerorts verbaut und begradigt sind, zeugen davon.
Zwar verlangt das Gewässerschutzgesetz bereits seit dem Jahr 1991, dass nicht verschmutztes Abwasser versickern zu lassen ist. Ein nachhaltiger Umgang mit der Ressource Regenwasser konnte sich jedoch noch nicht etablieren.
Erst mit dem sich bemerkbar machenden Klimawandel und einem sich verändernden Naturverständnis änderte sich die Wahrnehmung in Bezug auf den Umgang mit der Ressource Regenwasser. Bei der Milderung der Folgen des Klimawandels kommt der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung mit naturnaher Wasserbilanz (maximaler Verdunstung, optimierter Versickerung und minimalem Abfluss) eine wichtige Bedeutung zu.
Wasser, das von Wasser- oder Bodenoberflächen oder über Pflanzen verdunstet, trägt zur Kühlung der Umgebungsluft bei (Evapotranspiration). Versickerung und Zwischenspeicherung des Regenwassers verbessern die Vitalität der Vegetation und somit auch das Kronenwachstum schattenspendender Bäume.
Durch die multifunktionale Ausgestaltung von Regenwasser-Bewirtschaftungsflächen können die Flächen verschiedenen Nutzungen dienen, einen Beitrag zur Biodiversität sowie zur Aufenthaltsqualität leisten.
Auch die Revitalisierung von eingedolten oder stark verbauten Fliessgewässern steigern neben dem Hochwasserschutz die Lebensqualität in den Quartieren über den Aspekt der Hitzeminderung hinaus.
Aufgrund der stärkeren Erwärmung der Luft infolge des Klimawandels kann diese mehr Wasser aufnehmen und wieder abgeben. Es drohen vermehrt Starkregenereignisse, also Extremniederschläge, die sich dadurch auszeichnen, dass im Verhältnis zur (kurzen) Dauer des Niederschlags überproportional grosse Mengen an Regen anfallen. Die städtische Kanalisation ist auf ein Regenereignis ausgelegt, das durchschnittlich alle zehn Jahre auftritt. Starkregenereignisse können die Entwässerungsinfrastruktur überfordern. Entsiegelte Flächen sowie blau-grüne Infrastrukturen tragen zur Minimierung des Oberflächenabflusses bei. Um Schäden durch Oberflächenabfluss bei Extremereignissen zu minimieren sind zusätzliche Massnahmen wie temporär überflutbare Rückhalteräume und Abflusskorridore notwendig.
Fällt mehr Niederschlag, als die städtische Kanalisation samt Regenrückhaltebecken und Abwasserreinigungsanlage aufnehmen können, gelangt Abwasser über Mischwasserüberläufe in die Vorfluter (Gewässer). Die Minimierung des Abflusses durch die Bewirtschaftung des Regenwassers entlastet die Kanalisation und trägt zur verbesserten Wasserqualität in unseren Oberflächengewässern bei.
Das Regenwasser wird in den unterschiedlichen Boden- oder Substratschichten gereinigt und reichert das Grundwasser an. Eine optimierte Grundwasserneubildung kann über einen stabilen Grundwasserspiegel sowohl zum Erhalt der Vegetation beitragen als auch das Risiko trockenfallender Quellen reduzieren. Grundwasser ist die wichtigste Trinkwasserressource der Schweiz. Auch in der Stadt Zürich beruht die Trinkwasserversorgung nebst Seewasser wesentlich auf Grundwasser.
Indem wir Regenwasser als wertvolle Ressource begreifen und Massnahmen ergreifen, um den naturnahen Wasserkreislauf wiederherzustellen, leisten wir einen Beitrag zu einer biodiversen, lebenswerten und klimaresilienten Stadt.