Die Wasserbilanz der Stadt Zürich stellt Wasserzu- und -abflüsse auf Stadtgebiet in einem Gesamtsystem gegenüber. Damit bildet sie den städtischen Wasserkreislauf ab und gibt Auskunft darüber, woher das Wasser stammt, wie es «genutzt» wird und wohin es letzten Endes fliesst. Vergleicht man die Wasserbilanzen mehrerer Jahre miteinander, lassen sich Veränderungen im städtischen Wasserkreislauf ablesen.
Die Wasserbilanz liest sich von links nach rechts. Auf der linken Seite lässt sich die Herkunft des Wassers, das in der Stadt Zürich zur Verfügung steht, herauslesen – grob eingeteilt in die Systeme Regenwasser (grün), Trinkwasser (hellblau) und in geringerem Masse importiertes Abwasser aus ausserstädtischen Gemeinden (gelb). Signalrot dargestellt sind jene Wasserströme, die aus Sicht eines nachhaltigen Umgangs mit der Ressource Regenwasser problematisch sind.
Wie das Wasserflussdiagramm aufzeigt, nimmt das Regenwasser ganz unterschiedliche Wege, abhängig davon, auf welchem Untergrund es niedergeht.
- Regen auf unbebauten Böden (Wald, Grünfläche) versickert zu einem kleinen Teil im Grundwasser oder gelangt über Sickerleitungen oder undichte Kanäle als unerwünschtes Fremdwasser in die Mischwasserkanalisation. Der weitaus grössere Teil verdunstet jedoch über Blattoberflächen (Transpiration) sowie von Boden- und Wasseroberflächen (Evaporation).
- Regen auf versiegelten Flächen verdunstet zu einem verhältnismässig kleineren Teil. Ebenfalls einen kleinen Anteil bildet Wasser, das über die Meteorkanalisation in öffentliche Gewässer (Bäche, Flüsse, Zürichsee) gelangt, bzw. zur Entlastung der Kanalisation im Boden versickert. Mehrheitlich gelangt der Niederschlag über die Strassenentwässerung in die Kanalisation (Oberflächenabfluss) und von dort in die ARA. Bei einer Überlastung des Entwässerungssystems, z. B. infolge Starkregens, gelangt dieses Gemisch aus Regen und Schmutzwasser über Entlastungen der Regenrückhaltebecken in ein Oberflächengewässer (Vorfluter). Im Falle der Stadt Zürich in die Sihl, in die Glatt und die Limmat.
Das Trinkwasser der Stadt Zürich wiederum speist sich aus Oberflächenwasser (Seewasser und Quellwasser), Grundwasser sowie importiertem Trinkwasser. Nach der Aufbereitung durch die Wasserversorgung der Stadt Zürich wird ein Grossteil davon auf Stadtgebiet verbraucht, ein kleiner Anteil in andere Gemeinden exportiert und ein relativ geringfügiger Teil als Produktewasser genutzt.
Das genutzte Trinkwasser gelangt als Abwasser mehrheitlich über die Mischkanalisation gemeinsam mit Oberflächenabflüssen (v.a. Niederschlag) und Fremdwasser zur ARA Werdhölzli.
Es gelangt derzeit noch zu viel Regenwasser zur ARA Werdhölzli. Dies ist aus mehreren Gründen problematisch:
- Regenwasser, das über die Strassenentwässerung zur ARA abgeleitet wird, wird dem innerstädtischen Wasserkreislauf entzogen. Dieses Wasser steht für Versickerung und Verdunstung nicht zur Verfügung – mit potenziell negativen Auswirkungen auf Grünräume, die Biodiversität sowie das lokale Klima an Hitzetagen.
- Sauberes Regenwasser belastet die ARA, da es die Reinigungsleistung der biologischen Reinigungsstufe herabsetzt.
- Sauberes Regenwasser belastet überdies die Kapazität des Entwässerungssystems und führt zu Mehrkosten. Bei starken Niederschlägen kann der Zufluss des Oberflächenwassers in die Kanalisation zu einer Überlastung führen. Infolgedessen kommt es notgedrungen zu Entlastungen von Mischabwasser in öffentliche Gewässer. Dies ist aus Sicht des Gewässerschutzes unerwünscht, lässt sich aufgrund des mehrheitlich als Mischsystem konzipierten Entwässerungssystems jedoch nicht verhindern.