Das Hotel Schweizerhof beim Hauptbahnhof Zürich gilt als nachhaltiger Vorbildbetrieb in der Luxushotellerie. Wie das traditionsreiche Unternehmen mit rund 120 Mitarbeitenden Nachhaltigkeit versteht und umsetzt, darüber spricht Martina Bachmann mit dem Öko-Kompass.
Öko-Kompass: Frau Bachmann, Sie sind HR-Managerin und gleichzeitig Verantwortliche für Nachhaltigkeit im Hotel Schweizerhof. Das ist eine aussergewöhnliche Kombination.
Martina Bachmann: Nach der Hotelfachschuhe und einer HR-Weiterbildung kam ich Mitte 2023 zum Hotel Schweizerhof in Zürich. Kaum hatte ich die Stelle angetreten, wurde ich gefragt, ob ich zusätzlich zu meinen Aufgaben im Personalbereich das Thema Nachhaltigkeit betreuen könnte. Da mir Umweltschutz ein persönliches Anliegen ist, habe ich gerne zugesagt. Es ist vielleicht nicht üblich, aber mir gefällt diese Kombination. Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden deutlich mehr für die Umwelt erreichen können. Gemeinsames Engagement ist entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung von Massnahmen.
Die Kombination von Luxushotel und Nachhaltigkeit ist eher unerwartet.
Es ist wohl so, dass ein Grossteil unsere Gäste nicht wegen der Nachhaltigkeit zu uns kommen, sondern weil Sie eine Beherbergung und Gastronomie auf höchstem Niveau erwarten. Dies ist auch der Grund, dass wir unser Engagement nicht an die grosse Glocke hängen. Hinweise darauf sind in unserem Haus eher dezent zu finden.
Wie bringen Sie die Erwartungen der Gäste unter einen Hut mit ökologischen Grundsätzen?
Als Luxushotel müssen wir innovative Wege finden, Nachhaltigkeit mit den anspruchsvollen Erwartungen unserer Gäste in Einklang zu bringen. Das ist tatsächlich herausfordernd, aber die heutige Technologie eröffnet uns Möglichkeiten, den Komfort vom Energie- und Ressourcenverbrauch zu entkoppeln. So setzen wir beispielsweise konsequent eine sparsame LED-Beleuchtung ein. Auf diese Weise schaffen wir eine gute Atmosphäre, ohne Energie zu verschwenden. Die Frage ist immer, wie man etwas umsetzt, ohne dass es dem Gast negativ auffällt.
Die Heizungsthermostaten haben Sie demnach nicht heruntergeschraubt?
Nein, es steht unseren Gästen selbstverständlich frei, wie warm sie es in ihrem Zimmer haben möchten. Aber wir haben eine Gebäudeautomation umgesetzt, welche die Temperatur in den Zimmern auf einen Standardwert zurücksetzt, sobald ein Gast auscheckt. So werden Räume nicht unnötig beheizt oder gekühlt. Mit dieser Massnahme wurde unser Hotel für den World Sustainable Travel & Hospitality Award nominiert. Auch haben wir Spardüsen in allen Wasserhähnen und Duschen installiert. Auch dies ist eine wirksame Massnahme, die den Komfort nicht tangiert.
In welchen Bereichen sehen Sie die grössten Herausforderungen für eine Verminderung des ökologischen Fussabdrucks in der Hotellerie?
Sicher ist das Heizen und vor allem die Klimatisierung in Hotels ein entscheidender Bereich. Auch Geräte, insbesondere jene in der Küche, die ja fast dauernd in Betrieb sind, haben einen grossen Einfluss. Einen erheblichen Impact hat auch die Gastronomie. Hier versuchen wir die Gäste durch besondere Angebote auf regionale und saisonale Spezialitäten aufmerksam zu machen. So bieten wir zum Beispiel nur Spargel aus Flaach im Zürcher Unterland an. Für mich persönlich liegt auch ein grosser Hebel bei der Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeitenden. So etwa in Bezug auf eine schonende Reinigung der Etagen, das korrekte Recycling und den sorgsamen Umgang mit der Wäsche. Wir möchten auch, dass unsere Mitarbeitenden Auskunft geben können, wenn die Gäste sie nach unseren ökologischen Massnahmen und der Zertifizierung fragen.
Sie haben im vergangenen Jahr Ihren ersten Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Wie kam es dazu?
Unser Hotel setzt sich schon lange für Nachhaltigkeit ein. So arbeiten wir beispielsweise seit 2003 im Rahmen einer freiwilligen Zielvereinbarung mit der Energieagentur der Wirtschaft ENAW zusammen, um Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Ausserdem verfügen wir seit 2020 über eine Green-Key-Zertifizierung*. Dafür erheben wir jedes Jahr Daten für insgesamt 120 Kriterien über alle Abteilungen hinweg. Zudem planen wir übers Jahr hinweg unterschiedliche Aktivitäten, etwa einen Besuch beim Seifen-Recyclingprojekt SapoCycle mit unseren Lernenden oder eine Baumpflanzaktion. Ich fand, dass wir diese Anstrengungen auch extern ausweisen und damit Transparenz schaffen sollten.
Es gibt verschiedene Zertifizierungen im Hotelbereich, aus welchen Gründen haben Sie sich für Green Key entschieden?
Ausschlaggebend für Green Key war unter anderem, dass unser Direktor die Zertifizierung bereits kannte und deren Mehrwert einschätzen konnte. Besonders überzeugt hat uns jedoch der ganzheitliche Ansatz eines internationalen Zertifikates. Green Key bezieht alle Bereiche mit ein – von der Technik über die Etage und den F&B-Bereich bis hin zur Verwaltung und Einbindung unserer Mitarbeitenden – und ist weit über die Schweizer Grenzen bekannt.
Nun liessen Sie sich zusätzlich vor rund einem Jahr vom Öko-Kompass beraten. Was kam dabei heraus?
Grundsätzlich wussten wir dank der Green-Key-Zertifizierung bereits, wo wir stehen. Die Beratung gab uns jedoch zusätzlich eine externe Bestätigung, dass wir die Dinge richtig angehen und nichts Entscheidendes übersehen. Überdies konnten wir von verschiedenen praktischen Tipps, Inspirationen und Kontakten profitieren, die wir im Rahmen der Beratung erlangten. Konkret habe ich Informationen und Hilfsmittel erhalten, die ich direkt in meine Schulungen einbauen konnte. Die Beratung ging also sehr auf meine praktischen Bedürfnisse ein. Der Beratungsbericht enthält Vorschläge für zusätzliche Optimierungen und Massnahmen, beispielsweise Kurse in Bezug auf das nachhaltige Kochen, welche die Stadt Zürich unterstützt.
Welche Dinge möchten Sie aktuell angehen?
Dieses Jahr möchte ich den Fokus auf den Wasserverbrauch legen und Optimierungsmöglichkeiten erarbeiten. Ausserdem wird die Küche umgebaut – hier bietet sich jetzt die Chance, noch effizientere Geräte anzuschaffen. Auf meiner Liste steht auch das Frühstück, das wir möglicherweise noch etwas anders gestalten könnten. Es gibt viele spannende Themen, die wir angehen können. Gerade im Bereich Nachhaltigkeit gibt es keinen Endpunkt, sondern einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess, bei dem wir dranbleiben und gleichzeitig Kosten sowie Zeitaufwand im Blick behalten müssen.
Vielen Dank.
* Green Key International ist ein verbreitetes internationales Umweltzertifikat für Unterkünfte und andere Einrichtungen des Gastgewerbes, die sich zu nachhaltigen Geschäftspraktiken verpflichten. Zertifizierte Betriebe erfüllen strenge Kriterien, die durch regelmässige Audits vor Ort unabhängig überprüft werden. Weltweit sind mehr als 8500 Hotels and andere Beherbergungsbetriebe zertifiziert