Alexandra Aebersold ist Geschäftsführerin des Vereins Soil to Soul, der ein jährliches Symposium organisiert. Dieses hat zum Ziel, Aufmerksamkeit auf gesunde Böden und die vernetzten Auswirkungen von Bodenproblemen auf die Umwelt und die Gesundheit des Menschen zu richten.
Was hat dazu geführt, dass du dich mit zukunftsfähiger Ernährung resp. einem zukunftsfähigen Ernährungssystem beruflich beschäftigst?
Alexandra Aebersold: Mich hat die Frage interessiert, wo unser Essen eigentlich herkommt und was entlang dieser Kette alles passiert. Sehr schnell wurde mir klar, dass Ernährung viel mehr ist als individuelle Konsumentscheidungen: Essen verbindet Klima, Boden, Gesundheit und Kultur. Mit dem, was wir täglich essen, können wir darauf aktiv Einfluss nehmen. Das ist seither meine Motivation, mein eigenes Handeln immer wieder zu hinterfragen und mit Soil to Soul, das Bewusstsein für genau diese Zusammenhänge zu stärken
Was ist für dich das Wichtigste, das du dabei gelernt hast?
Echte Veränderung entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch viele kleine, bewusste Schritte. Nachhaltige Ernährung ist kein starres Regelwerk, sondern ein langfristiger Prozess. Dieser erfordert ein Verständnis dafür, wie eng alle Stufen der Wertschöpfungskette miteinander verbunden sind und dass Veränderung nur dann wirksam ist, wenn diese Zusammenhänge mitgedacht und weiterentwickelt werden.
Was denkst du, sollten unbedingt mehr Menschen über dein Fachgebiet wissen?
Böden können viel CO2 speichern. Wenn der Humusgehalt unserer Böden weltweit um nur 0,4 % steigt, könnte das den jährlichen Zuwachs der globalen CO2-Emissionen ausgleichen. Das bedeutet: Wenn wir unsere Böden gut pflegen und fruchtbar halten, leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Gleichzeitig sorgen sie für gesunde Lebensmittel, speichern mehr Wasser und machen die Landwirtschaft widerstandsfähiger gegen Trockenheit und Starkregen.
Wie sollte sich unser Ernährungssystem in Zukunft entwickeln?
Unser Ernährungssystem sollte regenerativ und resilient werden. Das bedeutet: Böden aufbauen statt auslaugen, lokale Kreisläufe stärken, faire Arbeitsbedingungen schaffen und Ernährung als Teil von Gesundheits- und Bildungssystemen begreifen. Eine zukunftsfähige Ernährung sollte sowohl die Gesundheit der Bevölkerung als auch die Gesundheit unseres Planeten in den Mittelpunkt stellen.