Bettina Wolfgramm ist Co-Betriebsleiterin der Huebhof GmbH. Dieser solidarische Landwirtschaftsbetrieb in Schwamendingen betreibt Tierhaltung, Obst- und Ackerbau. Dank vielen engagierten Arbeitsgruppen und zahlreichen Kursen und Anlässen ist der Hof auch ein sozialer Treffpunkt im Quartier.
Was hat dich dazu gebracht, dich mit einem zukunftsfähigen Ernährungssystem zu beschäftigen?
Bettina Wolfgramm: Ich war in der Entwicklungszusammenarbeit tätig und habe in Tadschikistan in Zentralasien gelebt. Dort haben wir uns vor allem auf den lokalen Märkten versorgt und immer sehr frisches, schmackhaftes Gemüse von den lokalen Bauern gekauft. Im Winter haben wir alte Rezepte mit Kohl, Randen, Zwiebeln usw. zusammengesucht. Zurück in der Schweiz bin ich in eine Solawi (Solidarische Landwirtschaft) eingestiegen, habe einen Alpsommer gemacht und schliesslich die Landwirtschaftslehre absolviert.
Seit du dich mit der Zukunft der Ernährung auseinandersetzt, was ist deine wichtigste Erkenntnis?
Wie viel wir aus der Hand geben und auf wie viel wir verzichten, wenn wir unsere Lebensmittel im Supermarkt einkaufen. Wir verzichten auf Geschmack und Wissen, beispielsweise über Gemüse- und Obstanbau sowie die Lebensmittelverarbeitung. Und wie viel Spass es macht, sich selber die Hände schmutzig zu machen und selbst zu ernten.
Was ist dein Tipp für eine nachhaltigere Ernährung?
Die solidarische Landwirtschaft ist kaum zu überbieten, was die Nachhaltigkeit angeht. Sie verbindet unglaublich vieles: Wir produzieren gemeinsam lokal und saisonal, mit biologischen und nachhaltigen Ansätzen. Lokale Höfe können risikoarm wirtschaften und haben Luft, um Neues auszuprobieren. Solawi ermöglicht faire Anstellungen. Ausserdem sind das sehr soziale Projekte, über die viel Austausch im Quartier entsteht.
Wohin sollte sich unser Ernährungssystem in Zukunft entwickeln?
«Weniger ist mehr» fasst vieles zusammen, was wichtig ist: weniger verarbeitete Lebensmittel, dafür mehr gesunde Frischprodukte. Weniger exotische Produkte, dafür mehr diverse und seltene lokale Sorten. Weniger Fleisch, dafür mehr Genuss, mit teurem tiergerecht produziertem Fleisch. Wir sollten weniger beim Einkauf von Lebensmitteln sparen und dafür mehr Freude an nachhaltigen agrarökologischen Systemen und einer gesunden Umwelt haben.
Wo kaufst du am liebsten ein?
Je mehr Produkte ich direkt ab Hof beziehen kann, umso mehr schätze und geniesse ich das Essen. Gemüse, Eier, Fleisch, Most und Äpfel kommen von unserem Huebhof. Milchprodukte beziehe ich von der Solawi basimilch. Wir haben hier in Schwamendingen ausserdem die FoodKooperative Konsumkoopi12 gegründet und kaufen gemeinsam bei anderen Höfen ein, zum Beispiel Hafermilch, Pasta und Mehl.