Christine Brombach ist Dozentin für Ernährung und Consumer Sciences am Institut für Lebensmittel- und Getränkeinnovation an der ZHAW in Wädenswil und setzt sich dort täglich mit unserem Ernährungssystem auseinander.
Was ist dein Lieblingsessen?
Christine Brombach: Ich esse fast alles gerne. Für mich ist Essen immer auch ein situatives Erlebnis, geprägt von Kontext, Gesellschaft und Stimmung. Deshalb ist mir am wichtigsten, wo, wann und mit wem ich esse.
Was hat dazu geführt, dass du dich beruflich mit zukunftsfähiger Ernährung bzw. einem zukunftsfähigen Ernährungssystem beschäftigst?
Ich habe Ernährungswissenschaften studiert und setze mich seit vielen Jahren intensiv mit Essen und Lebensmitteln auseinander. Wenn wir heute von zukunftsfähiger oder nachhaltiger Ernährung sprechen, beziehen wir das gesamte Agro-Food-System mit ein: von der landwirtschaftlichen Produktion über die Verarbeitung und den Handel bis hin zum Konsum. Wie beeinflusst unser Essverhalten das Ernährungssystem und wie prägt umgekehrt das System die Gesellschaft und unsere Ernährungsentscheidungen? Diese wechselseitigen Zusammenhänge haben mich schon immer fasziniert. Besonders motivierend finde ich die Frage, wie wir Menschen dazu befähigen können, ihre Ernährung so zu gestalten, dass sie sowohl gesundheitsförderlich als auch ökologisch und sozial nachhaltig ist.
Was hat dich am meisten überrascht, seit du dich damit auseinandersetzt? Oder: Was ist für dich das Wichtigste, das du dabei gelernt hast?
Am meisten fasziniert mich, wie vielschichtig Essen ist und welche verschiedenen Funktionen und Wirkungen es gleichzeitig erfüllt. Es ist Ausdruck der eigenen Werte und Lebensweise, es verbindet Menschen, kann aber auch soziale Unterschiede sichtbar machen oder verstärken.
Was denkst du, sollten unbedingt mehr Menschen über dein Fachgebiet wissen?
Viele unterschätzen, wie faszinierend, komplex und weitreichend das Thema Essen ist. Es betrifft uns alle, denn wir müssen täglich essen. Unsere Ernährungsweise hat enorme Auswirkungen – nicht nur auf unsere individuelle Gesundheit, sondern auch auf Umwelt, Klima und globale Ernährungssysteme.
Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der*die seine Ernährung nachhaltiger gestalten möchte?
Essen ist Genuss und Erlebnis, zugleich aber stark in unseren Alltag und in Routinen eingebettet. Veränderungen im Essverhalten brauchen daher Zeit. Ich empfehle, schrittweise vorzugehen und mit kleinen, realistischen Veränderungen zu beginnen. Radikale Umstellungen sind oft nicht nachhaltig und führen selten langfristig zum Ziel.
Wohin sollte sich unser Ernährungssystem in Zukunft entwickeln?
Unser Ernährungssystem sollte sich klar in Richtung einer pflanzenbetonteren Ausrichtung entwickeln. Das hat gleich mehrere Vorteile: Eine solche Ernährungsweise wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus und verbessert gleichzeitig die CO₂-Bilanz. Konkret bedeutet das, den Anteil an möglichst unverarbeiteten pflanzlichen Lebensmitteln wie Hülsenfrüchten, Nüssen, Samen, Kernen, Vollkornprodukten sowie Obst und Gemüse zu erhöhen und gleichzeitig den Konsum von stark verarbeiteten, zuckerreichen Lebensmitteln sowie von tierischen Produkten im Vergleich zur heutigen Ernährungsweise zu reduzieren.