Brot gehört zu den Grundnahrungsmitteln in der Schweiz. Und Wissen zu Brotherstellung sei seit Corona weit verbreitet - aber die echte Wertschätzung fehle. Warum diese und Vertrauen für eine gute Ernährung für ihn wichtig sind, erklärt Jens Jung, der bei John Baker Bio-Zutaten als Standard definiert hat.
Was hat dazu geführt, dass du dich mit zukunftsfähiger Ernährung beschäftigst?
Jens Jung: Mein Elternhaus hat mich stark geprägt, ebenso wie die Tatsache, dass ich seit über 30 Jahren regelmässig im Piemont bin. Dort habe ich früh erlebt, wie eng Genuss, Herkunft und Handwerk zusammenhängen. Zusätzlich haben mich Autoren wie Michael Pollan sehr beeinflusst und in vielem bestätigt.
Seit du dich damit auseinandersetzt: Was hat dich am meisten überrascht? Oder was ist für dich das Wichtigste, das du dabei gelernt hast?
Dass es weniger auf Labels als auf Vertrauen ankommt. Vertrauen in die Produzent*innen, die Gastgeber*innen oder die Verkäufer*innen. Wenn ich zuerst nach einem Label oder der Herkunft suchen muss, bin ich meist am falschen Ort.
Was denkst du, sollten unbedingt mehr Menschen über dein Fachgebiet wissen?
Das Wissen rund um die Brot-Herstellung ist heute breit verbreitet, spätestens seit Corona. Was oft fehlt, ist die echte Wertschätzung. Diese wächst enorm, sobald man ein Produkt einmal selbst hergestellt hat – mit Zeit, Handwerk und Liebe.
Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der oder die seine Ernährung nachhaltiger gestalten möchte?
Wie Michael Pollan sagt: «Don’t eat anything your great-grandmother wouldn’t recognize as food.» (Iss nichts, was deine Urgrossmutter nicht als Nahrung erkennen würde.)
Wohin sollte sich unser Ernährungssystem in Zukunft entwickeln?
Ich bin überzeugt, dass es eine deutlich stärkere Regulierung der produzierenden Industrie braucht. Täuschende und ungesunde Zutaten sowie problematische Praktiken sollten entweder teuer werden oder konsequent verboten sein. Eine Umkehr der heutigen Logik wäre dabei besonders wirkungsvoll: Bio als Normalfall. Alles, was gespritzt, genmanipuliert, ungesund für den Menschen und unseren Planeten ist oder auf der wirtschaftlichen Ausnutzung von Drittweltländern basiert, sollte klar und unmissverständlich gekennzeichnet sein.