Lena Rutishauser vermittelt in ihren Kochkursen, die sie unter dem Namen Linsenlena durchführt, wie vielseitig Hülsenfrüchte sind und wie sie sich kreativ und alltagstauglich nutzen lassen.
Was ist dein Lieblingsessen?
Lena Rutishauser: Das variiert je nach Saison: Im Winter ist es Wirz, im Frühling grüner Spargel, im Sommer definitiv Gurke und im Herbst esse ich am liebsten Kürbis und Rosenkohl.
Was hat dazu geführt, dass du dich mit zukunftsfähiger Ernährung resp. einem zukunftsfähigen Ernährungssystem beruflich beschäftigst?
Am Anfang habe ich mich einfach für gesunde Ernährung interessiert. Ich habe angefangen, bewusster einzukaufen und habe festgestellt, dass 95 % der Produkte im Supermarkt keine gute Wahl sind: weder für mich, noch für unseren Planeten. Dafür aber für wirtschaftliche Interessen anderer. Mich hat der Widerspruch beschäftigt, dass wir als Gesellschaft von A reden, aber B einkaufen/kochen/essen.
Auf der Suche nach konkreten Lösungen für mich selbst bin ich auf Hülsenfrüchte gestossen. Wenn man sich in unserer Gesellschaft pflanzlich ernährt, bekommt man meist grosse Portionen mit vielen Kohlenhydraten aufgetischt. Ich wollte bewusst mehr Proteine zu mir nehmen, um satt und gesund zu sein. So habe ich die Hülsenfrüchte für mich entdeckt – sie sind für mich ein zentraler Bestandteil einer zukunftsfähigen Ernährung.
Seit du dich damit auseinander setzt, was hat dich am meisten überrascht? Oder: Was ist für dich das Wichtigste, das du dabei gelernt hast?
Am meisten überrascht hat mich, wie wenig zufällig unser Ernährungssystem ist. Was wir einkaufen, welche Lebensmittel wir für «normal» halten und wie sie präsentiert werden, wird bewusst vom (Detail-)Handel beeinflusst. Früher war ich überzeugt, dass ich meinen Warenkorb selbstbestimmt fülle. Heute bin ich mir bewusster, wie viele wirtschaftliche Interessen darauf einwirken. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir uns daraus nicht zumindest teilweise befreien könnten. Es ist aber aufwendig und erfordert Wissen, Zeit und viele bewusste Entscheidungen – allesamt knappe Güter in unserer schnelllebigen, oft gestressten Welt.
Was denkst du, sollten unbedingt mehr Menschen über dein Fachgebiet wissen?
Ganz klar: wie vielseitig Hülsenfrüchte sind. In meinen Kochkursen erleben die Teilnehmenden, dass sich Hülsenfrüchte kreativ und alltagstauglich nutzen lassen. Die meisten Teilnehmer*innen haben ihre Berührungsängste mit Bohnen und Linsen (Stichwort: Blähungen) bereits hinter sich gelassen. Sie wissen aber schlichtweg nicht, was sie neben Hummus und Curry sonst noch zubereiten können.
In welche Richtung sollte sich unser Ernährungssystem in Zukunft entwickeln?
Ich hadere mit der Idee des «ewigen Wachstums», insbesondere im Ernährungssystem. Unsere Nahrung sollte unserer Gesundheit dienen, ökologische Kreisläufe respektieren und nicht vom wirtschaftlichen Expansionsdruck gesteuert sein.
Was machst du für deine persönliche Ernährungsgesundheit im Alltag?
Ich koche überwiegend selbst und achte auf eine ausreichend Proteinzufuhr, die ich vor allem durch Hülsenfrüchte decke. Zudem nehme ich gezielt Nahrungsergänzungsmittel ein (z.B. Omega 3 aus Algen und Vitamin D), weil es im Alltag schwierig bis unmöglich ist, alle Nährstoffe allein über Lebensmittel abzudecken.
Wo kaufst du am liebsten ein?
Seit mein Reformhaus um die Ecke geschlossen wurde, habe ich ein Bio Gemüse Abo von Familie Müller in Steinmaur, die mir jeden Dienstagabend vor die Haustüre geliefert wird. Für Toilettenpapier geh ich zur Migros, ökologische sinnvolle Reinigungsmittel kaufe ich online, Tee und Früchte gibt es in vielen Hoflädelis, weiter Einkäufe habe ich bislang häufig bei Alnatura gemacht – da muss jetzt natürlich eine neue Lösung her.
Wo isst du am liebsten?
Ich esse am allerliebsten im Salon vom Hammam Basar an der Mühlebachstrasse 157 im Zürcher Seefeld. Dort ist nicht nur alles von Grund auf frisch zubereitet, es werden nur biologische Lebensmittel von höchster Qualität verwendet – wo findet man das sonst noch?!