Ursina Krähenmann, Geschäftsführerin von foodwaste.ch
Was ist dein Lieblingsessen?
Ursina: Ich liebe Abwechslung und Vielfalt. Ich mag es, wenn Gerichte bunt sind und das Essen mit Freude zubereitet wurde. Geröstete Kerne, Crumbled Tofu mit Sojasauce oder Knoblauch und Zitrone machen jedes Gericht besser.
Was hat dazu geführt, dass du dich mit zukunftsfähiger Ernährung resp. einem zukunftsfähigen Ernährungssystem beruflich beschäftigst?
Ursina: Beim Thema Ernährung kommen sehr viele Bereiche zusammen, welche unsere Gesellschaft prägen. Essen ist politisch, hat viel mit der Natur zu tun, ist technisch spannend, sinnlich und kreativ. Es bringt Menschen zusammen, fördert Gemeinschaft oder löst Heimatsgefühle aus. Dieses kunterbunte und faszinierende Spannungsfeld zieht mich an.
Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der*die seine Ernährung nachhaltiger gestalten möchte?
Ursina: Food-Waste reduzieren oder vermeiden. Du musst auf nichts verzichten, es ist eine wirklich einfache und wirksame Massnahme, um die Umwelt und das Portemonnaie zu schonen. Die Haushalte verursachen rund 30 % der gesamten Verluste entlang der Wertschöpfungskette. Wusstest du, dass jede Person durchschnittlich 80 kg Lebensmittel pro Jahr wegwirft? Viele Menschen kennen beispielsweise den Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum nicht und werfen Lebensmittel weg, die noch einwandfrei sind. Auf unserer Webseite foodwaste.ch bieten wir einen Haltbarkeitscheck an, den wir zusammen mit der ZHAW entwickelt haben. Verbraucher*innen können sich dort schlau machen, ob Lebensmittel noch geniessbar sind.
Wie sollte sich unser Ernährungssystem in Zukunft entwickeln?
Ursina: Wir sollten in unserem Alltag mehr Zeit für die Zubereitung von Mahlzeiten und gemeinsame Essen schaffen. Viele Entwicklungen haben in den letzten 100 Jahren dazu beigetragen, Zeit zu sparen. Mir scheint, wir nutzen diese Zeit nicht für Erholung und Gemeinschaft, sondern für Effizienzsteigerung und zusätzliche Aktivitäten. Ich bin überzeugt, dass es für unser Ernährungssystem und unsere Gesundheit wichtig wäre, unserer Ernährung mehr Zeit, Aufmerksamkeit und Wertschätzung einzuräumen.
Wo isst du am liebsten?
Ursina: Mein Highlight war eine Tavolata auf der Alpe Soladino, genannt «Delizie delle Alpe». Der Koch hatte alle Zutaten selbst gesammelt, angebaut oder auf der Alp hergestellt und dann über dem Feuer zubereitet. Es war eine wild-kreative Mischung aus Ziegenmilchprodukten, Wildpflanzen und Pilzen, serviert in einer fantastischen Umgebung mit fremden Menschen, die sich durch dieses spezielle Ambiente innert Kürze wie langjährige Freund*innen anfühlten.