Das Bild zu den indirekten Treibhausgasemissionen aus dem Neubau und der Erneuerung von Gebäuden in der Stadt Zürich schärft sich. In früheren Berechnungen, die auf den damals bekannten um- und neugebauten Geschossflächen basierten, zeichnete sich noch ab, dass die Emissionen pro Einwohner*in seit 1990 gestiegen sind. Die aktuelle Berechnungsmethodik berücksichtigt weitere Daten zur Bautätigkeit seit 1990. Die Modellierung ist detaillierter, bildet verschiedene Gebäude- und Konstruktionstypen ab und bezieht die verwendeten Bauelemente und -materialien mit ihren spezifischen Treibhausgasemissionen ein.
Seit 1990 hat die Bevölkerung der Stadt Zürich um ein Viertel zugenommen und die Anzahl Beschäftigte in der Stadt ist deutlich gestiegen. Entsprechend sind auch zusätzliche Gebäudeflächen für Wohnen und Arbeiten erstellt worden und die Gebäudeflächen haben seit 1990 um 16 % zugenommen. Die jährlich neu gebaute Fläche war 2024 etwa um drei Viertel grösser als 1990. Weil viele der bestehenden Gebäude in der Stadt Zürich erneuerungsbedürftig werden, hat tendenziell auch die Bautätigkeit für den Ersatz von Gebäudeelementen und Modernisierungen seit 1990 zugenommen.
Da insgesamt 2024 mehr gebaut wurde als 1990, nahmen die gesamten dadurch verursachten indirekten Treibhausgasemissionen seit 1990 um 30 % zu. Es gelang jedoch, im gleichen Zeitraum, die Baumaterialien klimaschonender herzustellen, sodass die Zunahme der Emissionen geringer ist als die Zunahme der Bautätigkeit. Der kleinere Klimafussabdruck der Baumaterialien wog somit den erhöhten Materialbedarf für Neubauten und Erneuerungen teilweise auf. Da zudem seit 1990 die Bevölkerung stärker zunahm als die indirekten Treibhausgasemissionen aus der Bautätigkeit, bleiben die relativen Emissionen pro Einwohner*in ungefähr gleich.
Mithilfe von drei Szenarien wurde analysiert, wie sich die indirekten Treibhausgasemissionen aus Neubau und Erneuerung bis 2040 entwickeln könnten und welche Hebel den grössten Einfluss haben.
Die Szenarien weisen darauf hin, dass Bauen klimafreundlicher wird und die indirekten Emissionen bis 2040 abnehmen. Selbst im pessimistischen Szenario (Szenario 1: Verlangsamt) nehmen die Emissionen bis 2040 nicht zu. Die Hauptgründe: Bereits eingeleitete Klimaschutzmassnahmen greifen und die Neubautätigkeit geht zurück, weil das Bevölkerungs- und Arbeitsplatzwachstum gemäss Prognosen bis 2040 leicht abflacht und die Wohn- und Arbeitsfläche pro Person leicht abnimmt. Wenn die Entwicklungen optimal verlaufen (Szenario 3: Beschleunigt), könnten die Emissionen bis 2040 um 60 % vermindert werden. Dazu braucht es jedoch deutlich mehr Schwung und rasch griffigere Massnahmen für den Klimaschutz in Politik und Wirtschaft auf allen Ebenen. Wenn sich der Klimaschutz ausserhalb der Stadt nur moderat entwickelt (Szenario 2: Moderat beschleunigt), kann die Stadt Zürich als Vorreiterin die indirekten Emissionen im Vergleich zu 2024 höchstens um ein Viertel senken.
Für die Szenarien wurden unterschiedliche Geschwindigkeiten für den Klimaschutz in der Stadt Zürich und ihrem Umfeld (Kanton, Bund, International) angenommen. Im optimistischen Szenario (Szenario 3: Beschleunigt) werden die grundsätzlich möglichen Massnahmen rasch und umfassend auf allen politischen Ebenen und in der Wirtschaft umgesetzt. Im pessimistischen Szenario (Szenario 1: Verlangsamt) werden die bestehenden Klimaschutzmassnahmen noch umgesetzt, aber nicht mehr mit zusätzlichen Massnahmen ergänzt.
Anhand der Szenario-Beschreibung wurden Einflussfaktoren beziffert, beispielsweise der Klimafussabdruck von Baumaterialien. Die Treibhausgasemissionen aus Neubau und Erneuerung wurden dann nach der gleichen Berechnungsmethodik (Gebäudeparkmodell) in die Zukunft gerechnet wie bei der Berechnung der Emissionen von 1990 bis 2024.
90 Jahre lang wurden im Radiostudio Brunnenhof Sendungen produziert. Jetzt hat die Stadt das denkmalgeschützte Gebäude in eine Schulanlage umgenutzt. Dabei wurde möglichst wenig in den Baubestand eingegriffen. Mit dem Erhalt und dem Umbau der Gebäudestrukturen fielen die indirekten Treibhausgasemissionen im Vergleich zu einem Ersatzneubau um rund 70 Prozent tiefer aus.
Im Schwamendinger Quartier Saatlen entsteht die grösste und vielseitigste Stadtzürcher Schulanlage. Dank kompakter Baukörper, der geplanten Holzmodulbauweise mit Holz-Beton-Verbunddecken sowie der extensiven Nutzung von Solarenergie können die Treibhausgasemissionen in der Erstellung und im Betrieb optimiert werden.
Die neue Schulanlage Tüffenwies wurde bereits vor dem Bau so geplant, dass die verwendeten Bauteile später leicht demontierbar sind und weiterverwendet oder verwertet werden können. Mit dem kreislauforientierten Bauen können die Treibhausgasemissionen gesenkt werden.