Rund 60 Vertreter*innen von Unternehmen und Organisationen mit Sitz im Pilotquartier Netto-Null folgten Anfang Dezember der Einladung zum Klimaforum in die Alprausch-Fabrik. Mit im Gepäck war eine Vielfalt an Kompetenzen und Ressourcen aus den unterschiedlichsten Branchen – von Architektur, Bauplanung und Logistik über die Produktion von Kleidung oder Lebensmitteln bis zu Bildung und Marketing. Nicht weniger vielfältig war die Motivation der Anwesenden: Über die Hälfte interessierte sich dafür, klimafreundliche Angebote für die Bevölkerung oder andere Unternehmen im Quartier bereitstellen zu können. Auch die kooperative Entwicklung von Projekten, etwa durch das Schliessen von Materialkreisläufen, stiess auf grosses Interesse. Andere wollten vor allem die Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten sowie die Beratungsangebote der Stadt Zürich und ihrer Partner kennenlernen.
Die verschiedenen Beratungs- und Förderangebote wurden an einem Markt der Angebote vorgestellt: von erneuerbarer Energie, Gebäudesanierung, Begrünung und Kreislaufwirtschaft bis zu spezifischen Workshops für Unternehmen im Pilotquartier.
«Begreifen wir das Pilotquartier als Lego-Stadt, werden plötzlich viele neue Lösungen vorstellbar», sagte Peter Haberstich, Klimaforum-Co-Leitung, zum Einstieg und lud ein zu einer visuellen Reise. In einer kurzen Geschichte – illustriert mit Lego-Szenen – erzählte er von Herausforderungen, Kompetenzen und Ressourcen einzelner Unternehmen, mit denen er im Vorfeld gesprochen hatte. Beispielhaft zeigte er auf, welche Synergien und Lösungen möglich wären, wenn all das, was die Unternehmen im Quartier einbringen können, ähnlich einem Lego-Spiel, kreativ zusammengesetzt wird.
In moderierten Diskussionen identifizierten die Teilnehmenden zu verschiedenen Themen weiteres Synergiepotenzial und skizzierten in Gruppen konkrete Projektideen.
Klimafreundlich wärmen und kühlen, bauen und sanieren
Bei der Versorgung und dem Verbrauch von Energie in Gebäuden stand die Etablierung von Wärmeverbunden im Fokus. Die Idee eines Gebäudeeigentümer-Forums wurde entwickelt, mit dem energetische Optimierungsmöglichkeiten für Bestandsbauten vermittelt werden könnten.
Energie produzieren, speichern, verteilen
Wie kann Solarstrom effizienter genutzt, Speicherkapazitäten gebündelt und der gesamte Energiefluss im Quartier optimiert werden? Eine Projektidee adressierte die Herausforderung, Produzent*innen und Verbraucher*innen intelligent zu vernetzen. Als mögliche Massnahme wurde die Entwicklung einer Plattform für die gemeinsame Nutzung von E-Ladestationen skizziert. Über eine Matchmaking-Funktion sollen Stromproduzent*innen (z. B. Solaranlagen-Betreibende) und Verbraucher*innen (z. B. E-Auto-Besitzende) vernetzt und integriert werden.
Logistik und Mobilität
Hier wurde unter anderem diskutiert, wie der Warentransport auf der letzten Meile oder für die innerbetriebliche Beschaffung effizienter und emissionsärmer gestaltet werden könnte. Dabei wurde der effiziente Zugang zu Liegenschaften als Herausforderung identifiziert. Dazu wurde die Bereitstellung von online reservierbaren Flächen für den Güterumschlag angedacht. Eine weitere Projektidee sieht die Etablierung eines Sharing-Systems für E-Cargo-Bikes vor, das von mehreren Unternehmen sowie den Bewohnenden genutzt werden kann.
Teilen von Räumen, Geräten, Maschinen und Fahrzeugen
Wie können Ressourcen – zum Beispiel Infrastruktur oder Geräte – effizient geteilt werden, um Neuanschaffungen zu vermeiden? Die diskutierten Ideen umfassten die Einrichtung einer lokalen Online-Plattform als Miet- und Tauschbörse für Unternehmen und die Quartierbevölkerung sowie einen Entrümpelungsservice, bei dem Jugendliche ein Taschengeld verdienen können, indem sie bei der Erfassung, Organisation und Weitergabe von ungenutztem Objekten im Quartier helfen. Zudem wurde die Schaffung eines zentralen Re-Use-Lagers im Quartier für wiederverwendbare Güter skizziert. Ein Raum dafür wird gesucht.
Klimafreundliche Verpflegung
Im Fokus standen Strategien für eine nachhaltigere Gastronomie, von der Produktion über den Einkauf bis zur Vermeidung von Food-Waste für Mitarbeitende und Bewohnende. Die Gruppe erarbeitete als konkrete Vorschläge die Einführung eines lokalen Re-Use-Verpackungssystems für die Take-away-Gastronomie zur Müllreduktion, die Organisation von Workshops, die zeigen, wie man saisonales Gemüse und Früchte haltbar machen kann, oder die Erstellung eines Verzeichnisses, das auf einen Blick zeigt, welche lokalen Betriebe eine gesunde und klimafreundliche Mittagsverpflegung anbieten.
Begrünung von Gebäuden und Aussenräumen
Hier ging es um Synergien zwischen Unternehmen und der Stadt Zürich bei der Schaffung neuer, kühlender oder gar produktiver Grünräume und der Steigerung der Biodiversität im städtischen Raum. Als Projekte wurden die Realisierung eines Pop-up-Parks oder einer Klima-Allee durch Entsiegelung und Begrünung von Flächen vorgeschlagen sowie die Einrichtung von Hochbeeten auf Firmenarealen, die durch Firmenpatenschaften unterhalten werden. Auch die Gründung einer Mikrofarm im Quartier als Ort des Lernens und für den lokalen Gemüseanbau wurde skizziert.
Reparatur und Upcycling
Eine Gruppe widmete sich der Kreislaufwirtschaft, insbesondere der Verlängerung des Produktlebenszyklus durch Reparatur, Upcycling und die Verwertung von Nebenströmen und Resten. Die Diskussion mündete in Vorschlägen wie der Schaffung eines geteilten gemeinsamen Reparatur-Ateliers, das von Unternehmen und Bewohnenden genutzt werden kann, der Entwicklung eines zentralen Wassermanagementsystems zur Wiederverwendung von Grauwasser im Quartier sowie der Organisation einer Wertstoff-Sammel-Tour mit Gamification-Aspekten zur Steigerung des Altkleiderrecyclings.
Klimaforum mit Fokus Unternehmen im Pilotquartier Netto-Null
Das Klimaforum hat eindrücklich gezeigt, dass viele Unternehmen im Quartier interessiert und bereit sind, zur Erreichung der Klimaschutzziele im Pilotquartier beizutragen. Durch die schlaue Verknüpfung von Ressourcen und die Etablierung gemeinsamer Infrastrukturen können innovative, klimafreundliche Angebote entstehen, die nicht nur einer klimafreundlichen Wirtschaft, sondern auch der lokalen Gemeinschaft zugutekommen. Neben branchenspezifischen Workshops von MyClimate und der Möglichkeit einer Förderung über das partizipative Budget im Pilotquartier stehen allgemeine städtische Beratungs- und Förderangebote im Bereich Klima und Umwelt zur Verfügung.
Der Anlass wurde durch das Klimaforum Zürich organisiert (Co-Leitung durch Umwelt- und Gesundheitsschutz Zürich und Impact Hub Zürich). Das Klimaforum plant, die gesammelten Herausforderungen und deren Lösungsansätze an einem Folgeanlass ab August 2026 zu vertiefen und weiterzuentwickeln.