Ein unscheinbares Gebäude an der Limmatstrasse 180 – doch die klare Tafel vor dem Eingang und das erkennbare Logo mit Schriftzug am Gebäude verraten: Hier befindet sich eine Apotheke. Innendrin zwei Schalter, an denen die Kundschaft bedient wird, und links neben dem Eingang eine Tür zu einem kleinen Nebenzimmer. Dieser Raum dient Sabine Schmidt als Rückzugsort für vertrauliche Beratungen. «Diesen Ort haben wir erst seit einer Renovation», sagt sie. «Damit wir ungestört Behandlungen durchführen können.»
Sabine Schmidt ist Apothekerin und Geschäftsführerin der Medbase Apotheke Zürich Industrie. Ursprünglich aus Basel, zog es sie beruflich nach ihrem Studium nach Zürich. «Ich konnte praktisch frei entscheiden, wo ich arbeiten will, und Zürich sprach mich an.»
So vielfältig wie die Stadt Zürich sind auch die Menschen, die sich Apotheke an der Limmatstrasse beraten lassen: Kinder, die heute kommen, sind oft die Nachkommen von Personen, die vor 20 oder 30 Jahren schon hier waren. «Das ist auch das Schöne: wenn man die Kundschaft kennt, ihre Geschichten weiss», meint Sabine Schmidt. Viele Kund*innen stammen aus dem Quartier, aus dem direkt dahinterliegenden Alterszentrum oder aus den beiden städtischen Wohnsiedlungen Limmat I und Limmat II in der Nähe. Aber auch Pendler*innen, die in Zürich arbeiten, kommen regelmässig in die Filiale.
Neben der klassischen Medikamentenabgabe bietet Schmidt und ihr Team Vorsorgeuntersuchungen wie den «AllergieCheck» oder den «ImpfaufsweisCheck» an. Die Kundschaft kann sich impfen, zur «Pille danach» beraten, Stützstrümpfe abmessen lassen oder andere Soforthilfen in Anspruch nehmen. Damit wird die Apotheke zu einem Pfeiler der Grundversorgung in der Nachbarschaft. Doch die tägliche Arbeit verlangt nicht nur Fachwissen, sondern manchmal auch Improvisationstalent und Fingerspitzengefühl: «Nicht alle Kund*innen sprechen Deutsch. Manchmal muss man sich mit Händen und Füssen verständigen, manchmal übersetzen Angehörige am Telefon», sagt die Geschäftsführerin. Generell machen Sie und ihr Team positive Erfahrungen mit der Kundschaft.
Neben der Kundschaft hat die Apothekerin auch oft mit Krankenkassen oder Hausärzt*innen zu tun. «Wenn ein Medikament nicht mehr lieferbar ist, müssen wir eine Alternative finden und dafür manchmal Rücksprache mit den Ärzt*innen halten», erklärt Sabine Schmidt, «So finden wir das passende Medikament und können gleichzeitig prüfen, ob es mit anderen eingenommenen Mitteln verträglich ist.
Ein weiterer zentraler Aspekt ihres Berufs ist die Ausbildung: Sabine Schmidt betreut zwei Lernende. «Das bereitet mir die grösste Freude.» Ob sie Mühe bei der Rekrutierung habe? Sie winkt ab: «Ich merke, dass es weniger Bewerbungen gibt, aber die Auswahl ist immer noch gut genug, dass wir alle Lehrstellen besetzen können.»
Ihr Team besteht aus drei Lernenden, drei Fachfrauen Apotheke, zwei Apothekerinnen sowie ihr selbst. Dennoch macht der Fachkräftemangel auch vor Apotheken keinen Halt. Wer heute das fünfjährige Studium «Pharmazeutische Wissenschaften» absolviert, hat nach dem Abschluss gute Chancen, sich die Arbeitsstelle aussuchen zu können. In einer Zeit, in der die Anzahl Hausärzt*innen kleiner wird, sind Apotheker*innen oft die erste Ansprechperson. Das wird von Krankenkassen unterstützt: Mit Modellen in der Grundversicherung, bei denen Versicherte Prämien sparen, wenn sie sich zuerst in der Apotheke beraten lassen.
Die Leistungen, die Apotheken erbringen dürfen, sind kantonal geregelt. Zürich gilt als einer der liberalsten Kantone: Hier dürfen Apotheker*innen seit 2015 Impfungen durchführen. In Nachbarkantonen wie beispielsweise dem Kanton Aargau ist dies erst seit 2020 möglich. «Es ist nur schade», sagt Sabine Schmidt, «dass die Krankenkassen die Impfungen in der Apotheke nicht bezahlen. Dabei erbringen wir die gleiche Leistung wie in der ärztlichen Versorgung.»
Termine können online gebucht werden – oder man kommt einfach direkt vorbei. Die Apothekerin ergänzt: «Wir können aber nicht garantieren, dass wir dann gleich impfen können. Im Moment bin ich hier die Einzige, die Impfungen durchführen darf.»
Was sich auch verändert hat: die Selbstherstellung. Viele Apotheken mischten früher Salben direkt vor Ort. Stattdessen stellt Medbase ihre Salben heute zentral her und beliefert von dort aus ihre Filialen. «Die Vorgaben zur Herstellung sind strenger geworden, und es gibt weniger Inhaltsstoffe – aber das Mischen war von Anfang an ein Grund, warum ich diesen Beruf gewählt habe. In der Schule haben wir einmal Salben hergestellt, das hat mich sofort gepackt», erklärt sie. Biologie und Chemie haben sie schon immer fasziniert; ihre Eltern arbeiteten beide in der chemischen Industrie. Dass sie diesen Beruf ergreifen würde, war daher kaum überraschend.
In den zwanzig Jahren, in denen Sabine Schmidt als Apothekerin arbeitet, hat sich der Beruf stark gewandelt: «Früher kamen viele mit Papierrezepten, wollten offene Tees oder selbstgemischte Salben. Heute kommt die Kundschaft mit Rezepten auf dem Handy oder schickt uns digitale Rezepte per E-Mail. Durch das Internet ist sie oft besser informiert. Manchmal kommen sie auch mit Wünschen nach Medikamenten, die in der Schweiz gar nicht zugelassen sind.» Auch die Verschreibungen hätten sich verändert: Inhalationslösungen, um Schleim zu lösen oder Entzündungen zu lindern, waren früher häufig, heute verschreibe sie kaum noch ein Arzt.
Ob sie den Beruf heute noch einmal wählen würde? «Natürlich gibt es heute spannende Berufe, die es zu meiner Zeit noch nicht gab. Aber Apothekerin zu sein, das macht mir immer noch grossen Spass.»