Mit der Harfe wird oft eine fast schon märchenhafte Atmosphäre verbunden: Junge Musiker*innen in langen Kleidern, die leise Töne spielen. Das Instrument steht sinnbildlich für Zartheit und Unschuld. «Bis heute ist dieses Klischee in der Gesellschaft verankert», weiss Lea Knecht, Harfenlehrerin an MKZ. Das möchte sie ändern.
Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Harfe neu zu interpretieren und sie in überraschende Zusammenhänge zu stellen. Schon lange hatte sie den Wunsch, ihr Instrument mit Tanz zu verbinden. Peter Reichen, damals Schulleiter an MKZ Limmattal, brachte Lea Knecht und Michael Reichert 2024 für das «Januarloch» zusammen. Seither brennen sie für das Projekt. Eine weitere Bestätigung und Inspiration war der Besuch in San Francisco. Dort begegnete Lea Knecht auf der Strasse einer E-Harfenistin und einem Freestyle Hip-Hopper, die gemeinsam auftraten. «Das hat mich sofort fasziniert», erzählt sie. Was in San Francisco selbstverständlich wirkte, wollte sie auch in Zürich sichtbar machen.
Mit Michael Reichert, genannt «My-Key 77» und ebenfalls Lehrer an MKZ, fand sie dafür den passenden Partner. «Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden», sagt Knecht. Eine wichtige Voraussetzung für ein Projekt, das von Grund auf neu entwickelt werden musste.
Am Anfang stand die Suche nach einem gemeinsamen musikalischen Gefühl. Michael Reichert sang Lea Knecht den Beat vor und tanzte gleichzeitig dazu. «Wir suchten einen Beat, den wir beide fühlen», erklärt Knecht. Sie sammelten gemeinsam Ideen und entwickelten ein Play-along mit E-Harfe. Schon bald war für Knecht klar, dass ein Saxofon den Sound ergänzen musste. Ihr MKZ-Kollege und Saxofonlehrer Valentin Marti konnte ihr weiterhelfen und eine passende Schülerin vorschlagen.
Nun begann die Arbeit an den Choreografien. Michael Reichert probt mit seinen Breaking-Schüler*innen ohnehin dreimal pro Woche. Für die Hip-Hop-Schüler*innen, die einmal in der Woche proben, kamen zusätzliche Proben hinzu. Schritt für Schritt entstand die Choreografie, zuerst mit Spiegel, später ohne. Danach kamen die Soli hinzu. «Es steckt viel Knochenarbeit dahinter», erklärt Reichert. Er bringt viel Erfahrung mit und weiss, wovon er spricht: Bis vor einigen Jahren nahm «My-Key 77»selbst an internationalen Shows im Breaking teil.
Sowohl Reichert wie auch Knecht brennen für ihre Kunst, und man spürt sofort, dass die Chemie zwischen den beiden Lehrpersonen von MKZ stimmt. Mit ihrem Projekt «Harp Break» sind sie bereits an mehreren Shows aufgetreten, wie letzten Mittwoch an einem internen Anlass von MKZ.
Lea Knecht freut sich über die positive Resonanz, die «Harp Break» bisher erhalten hat. Ihr Ziel, die Harfe aus ihrer etwas klischeebehafteten Ecke zu holen, scheint geglückt. Und was sie besonders freut: «Es ist eine Bereicherung für alle Beteiligten.»