Carlo Balmelli, was hat Sie dazu bewogen, das JBOZ zu übernehmen?
Ich habe das JBOZ schon seit seiner Gründung immer wieder mitverfolgt und fand die Idee dahinter von Anfang an grossartig. Auf so hohem Niveau mit jungen Musiker*innen zu arbeiten, hat mich sofort angesprochen.
Was fasziniert Sie an der Blasmusik?
Ich bin in der Blasmusikwelt aufgewachsen und durfte meine ersten Erfahrungen in einem Musikverein in Mendrisio sammeln. Mich fasziniert besonders, dass man in der Blasmusik auf jedem Niveau eine richtig gute Qualität erreichen kann. Schon als kleines Kind wollte ich Posaune spielen, erhielt jedoch zunächst ein Euphonium als erstes Instrument. Mein Vater spielte ebenfalls Blasmusik, und ich durfte ihn zu vielen Konzerten begleiten. Dieser Klang hat mich einfach nie mehr losgelassen. Neben meiner Arbeit als Posaunist habe ich auch immer wieder Blasorchester dirigiert. Ich finde, Blasmusik wird oft unterschätzt – viele denken sofort an Marschmusik. Das gehört zwar dazu, ist aber nur ein kleiner Teil davon.
Und was begeistert Sie an einem musikalischen Grossprojekt wie das JBOZ?
Ein sinfonisches Blasorchester wie das JBOZ kann in einem grossen Konzertsaal wie der Tonhalle auftreten und dabei eine sehr hohe Qualität erreichen. Mit dem JBOZ habe ich ein ausgezeichnetes Orchester vorgefunden. Das Niveau ist schon sehr hoch, und ich freue mich darauf, gemeinsam noch einen Schritt weiterzugehen und spannende Programme zu erarbeiten. Die Auswahl an Repertoire ist riesig, da gibt es unglaublich viele Möglichkeiten.
Was gefällt Ihnen an der Arbeit mit Jugendlichen?
Sie sind neugierig, offen und bringen viel Energie mit. Das macht die Arbeit unglaublich lebendig. Zudem sind sie sehr fokussiert und sind an den Proben voll dabei. So können wir gemeinsam auch an kleinen Details feilen, und das macht richtig Spass.
Wie würden Sie die Musik beschreiben, welche die Zuhörer*innen am Konzert in der Tonhalle erwartet?
Das Konzert ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil ist sinfonisch geprägt – viele Stimmen und Klangfarben fügen sich zu einem harmonischen Ganzen zusammen und zeigen die gesamte klangliche Vielfalt des Blasorchesters und damit die ganze «Farbpalette». Der zweite Teil hat einen leichteren Charakter, bleibt jedoch musikalisch anspruchsvoll. Insgesamt dürfen sich die Zuhörer*innen auf abwechslungsreiche und gut zugängliche Musik freuen.
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Als Dirigent, Posaunist und Musikschulleiter engagiert sich der 1969 im Tessin geborene Carlo Balmelli seit Jahrzehnten für die Förderung der Szene.
Nach seinem Studium in Bern übernahm er zahlreiche Dirigate und leitete unter anderem das Nationale Jugendblasmusikorchester – ein zentrales Projekt zur Förderung junger Talente. Auch als Lehrer an Musikschulen setzt er sich intensiv für den Nachwuchs ein. Mit der Gründung des orchestra di fiati della svizzera italiana (ofsi) schuf er zudem eine Plattform, die junge Musiker*innen mit ambitionierter Blasmusik verbindet.
Neben seiner pädagogischen Arbeit wirkt Balmelli als Herausgeber von Blasmusikliteratur und stärkt so die Verbindung zwischen Amateur- und Profimusik. Für sein grosses Engagement – insbesondere für die Jugendförderung – wurde er 2022 mit dem Stephan-Jaeggi-Preis ausgezeichnet.