Kinder bewegen sich, singen, klatschen, spielen auf Xylophonen und Trommeln. Dabei entdecken sie Rhythmen, Melodien und Klänge, lernen miteinander zu musizieren und ihre eigene Kreativität auszudrücken. Genau das macht die «Musikalische Grundausbildung» (kurz: MGA) in Zürich aus: Musik als Erlebnis, das alle Sinne anspricht.
«In der Musikalischen Grundausbildung wird das Kind in seiner Persönlichkeit ganzheitlich gefördert. Mit Kopf, Herz und Hand – und eben allen Sinnen», betont Klara Guntersweiler Specker, Lehrerin für MGA an MKZ.
Schon in der Antike sei den Sinneserfahrungen grosse Bedeutung zugemessen worden. Man sei davon ausgegangen, dass die Sinne und deren Entwicklung die Basis jeglichen Lernens seien. Heute werde der Sinnesschulung durch die veränderten Lebensbedingungen erneut grosse Bedeutung beigemessen. «Damit ein Kind seine Sinne entwickeln und verfeinern kann, braucht es viele Möglichkeiten, um diese zu erproben. Die MGA ist dabei ein wichtiges Lernfeld», so Klara Guntersweiler Specker.
Die MGA vermittelt Kindern musikalische Erfahrungen durch Singen und Sprechen, Bewegen, Musizieren, Hören und kreative Gestaltung. Der Unterricht orientiert sich am Konzept der Elementaren Musikpädagogik, das Musik, Bewegung und Sprache miteinander verbindet. Kinder sammeln Erfahrungen, erkennen Zusammenhänge und lernen, musikalische Inhalte zu benennen – immer entlang des Prinzips «Erleben – Erkennen – Benennen»
Dabei steht das Kind im Zentrum, umgeben von musikalischen Bausteinen wie Melodie, Rhythmus, Klangfarbe, Ausdruck und Form. Die Kinder entdecken Musik über die eigene Stimme, den Körper, Instrumente und vielfältige Materialien und entwickeln so eine persönliche Beziehung zur Musik.
Die Kinder sollen Musik nicht nur mit dem Kopf verstehen, sondern sie auch mit Gefühlen erleben, gemeinsam mit anderen erfahren und darüber nachdenken können. «Die Schüler*innen werden durch den Einsatz von Stimme, Körper und verschiedenen Instrumenten wie Trommeln, Stabspielen und anderen Klangmaterialien zu elementaren Musikerfahrungen und dabei zu einem persönlichen Ausdruck geführt», erläutert Klara Guntersweiler Specker.
Erst bewegen sich die Kinder beispielsweise frei zu einer Musik, danach zeigen sie einander, welche Bewegungen sie gemacht haben und bauen das Gesehene dann beim nächsten Mal in ihre eigenen Ideen ein. Mit der Zeit spüren sie, wann die Musik fertig ist und können beim letzten Ton absitzen. Danach bemerken sie, dass der erste Teil der Musik zweimal hintereinander gespielt wird, der zweite aber nur einmal. Nun kann die Bewegung entsprechend gestaltet werden: Ein Teil der Gruppe bewegt sich beim ersten Teil, der andere beim zweiten Teil. Oder es wird für jeden Teil Bewegung kreiert. «Damit werden das Schlussempfinden geschult, die Wiederholung gelernt und die verschiedenen Melodien wahrgenommen, sprich das aktive Hören geübt», erklärt Klara Guntersweiler Specker.
Im Unterricht erwerben die Kinder grundlegendes musikalisches Wissen und Können in folgenden fünf Kompetenzbereichen: Hören, Singen und Sprechen, Bewegen, Musizieren und Lesen/Zeichnen/Notieren. Beim Kompetenzbereich Singen und Sprechen können die Kinder das Empfinden für Grundschlag und Taktarten vertiefen. «Zum Beispiel, indem sie im Kreis sitzen, ein Lied singen und den Grundschlag mittels Klatschen auf die Hand des Nachbarkindes im Kreis herumgeben», sagt Klara Guntersweiler Specker.
Ein weiteres wichtiges Ziel der MGA ist es, die Kreativität und den Ausdruck der Kinder zu fördern. Die Kinder werden dabei unterstützt, im Unterricht eigene musikalische Ideen zu entwickeln und sie künstlerisch umzusetzen. «Zum Beispiel, indem wir gemeinsam ein Lied vom Meer singen, besprechen, welche Tiere im Meer leben, uns wie diese Tiere bewegen», konkretisiert Klara Guntersweiler Specker. Und ergänzt: «Im Anschluss an dieses Eintauchen in die Thematik dürfen die Kinder mit selbstgewählten Instrumenten in Kleingruppen Meer-Musiken erfinden und diese einander vorspielen.»
Über das musikalische Wissen und Können hinaus fördert die MGA wichtige Entwicklungsbereiche wie Wahrnehmung, Motorik, Konzentration und soziale Fähigkeiten. Beim gemeinsamen Singen, Spielen und Tanzen werden Teamfähigkeit, Rücksichtnahme und Kooperation gestärkt. Allesamt wichtige Grundlagen für erfolgreiches Lernen.
Die MGA ist in der Stadt Zürich für alle Kinder der 1. und 2. Klasse obligatorisch und wird als Grundbaustein musikalischer Bildung betrachtet. Insgesamt besuchen die Kinder zwei Wochenlektionen MGA über zwei Jahre hinweg. Der Unterricht findet im Rahmen der Blockzeiten in speziell ausgerüsteten Räumen statt und wird in Halbklassen erteilt. MGA-Lehrpersonen sind an MKZ angestellt, arbeiten aber eng mit den Schulteams der Volksschulen zusammen.
Der MGA-Unterricht deckt vollumfänglich die Kompetenzbereiche des Fachbereichs Musik des Lehrplans 21 (1. Zyklus) ab.