In 16 Rollen – grösstenteils doppelbesetzt – stehen 28 Sänger*innen der Glattal Voices auf der Bühne. Was bedeutet das Singen für sie? Wie bereiten sie sich auf ihre Rollen vor? Vier der Hauptdarsteller*innen erzählen von ihren Erfahrungen.
«Ich bin schon sehr lange im Chor. Die Gemeinschaft ist schon fast wie eine Familie für mich und wir teilen die Freude an der Musik», erzählt Selena Naef Camargo. Die 19-Jährige spielt Belle. Seit zwölf Jahren singt sie in der Singschule MKZ Glattal, seit fünf Jahren – und damit seit deren Gründung – bei den Glattal Voices. Aktuell besucht sie die Berufsmaturitätsschule nach ihrer KV-Lehre und ist an MKZ im Förderprogramm Sologesang bei Anne Czichowsky. Besonders intensiv und hilfreich sind für sie die Regieproben, in denen Szenen erarbeitet werden.
Den Text lernt sie auch zuhause auswendig – mit grosser Unterstützung ihrer Eltern. «Am leichtesten fällt mir das Einüben während der Proben in den Sportferien. Da kann ich mich voll darauf konzentrieren», erklärt sie. Mit der Rolle der Belle geht für sie ein grosser Traum in Erfüllung: «Es war schon immer mein Wunsch, die Prinzessin zu spielen – und ich liebe Disney-Filme. Ich schätze diese Chance sehr und gebe alles, um die Rolle gut umzusetzen.» Ihr Ziel sei klar: Sie möchte an der Zürcher Hochschule der Künste Musik studieren und später mit eigenen Kompositionen erfolgreich sein. Als nächsten Schritt bewirbt sie sich fürs Pre-College Pop/Rock/Jazz an MKZ.
«Es gibt einen grossen Unterschied zwischen Sologesang und dem Singen im Chor», sagt Benjamin Neary. «Im Chor bin ich Teil von etwas Grösserem. Viele individuelle Stimmen ergeben zusammen etwas Grosses.» Der 17-Jährige spielt das Biest und singt seit zehn Jahren im Chor der Singschule MKZ Glattal. Er besucht das Gymnasium und erhält Sologesangsunterricht bei Marina Bärtsch. Zusätzlich nimmt er Klavierunterricht. Seine Rolle als Biest ist intensiv und emotional: «Ich bin oft sehr zornig und es macht mir grosse Freude, diese negativen Emotionen zu spielen. Ich kann voll aus mir herauskommen und es kommt nie Langeweile auf.» Ein besonderer Höhepunkt ist für ihn sein Solo «Evermore», aber auch viele andere Momente in der Rolle bedeuten ihm viel. Es ist bereits sein viertes Musical. «Ich nehme viele schöne Erinnerungen mit meinen Gspänli mit. Man lernt immer dazu. Routine ist es noch nicht. Ich setze mir immer das Ziel, so gut vorbereitet zu sein, dass ich mir erlauben kann, auch etwas nervös zu sein.»
«Singen ist etwas unglaublich Schönes, und ich bin dankbar für dieses Talent. Gesang löst bei Menschen Emotionen aus», sagt Hanz Castillo. Der 20-Jährige singt seit zwölf Jahren in der Singschule MKZ Glattal und ist auch bereits seit fünf Jahren Mitglied der Glattal Voices. Er besucht das letzte Jahr des Gymnasiums und kürzlich bestand er in Sologesang, welchen er bei Dorien Wijn besucht, den Praxistest Stufe 6.
«Im Chor steckt so viel Potenzial. Es ist ein Ort, an dem ich mich zuhause fühle», betont er. Für seine Maturaarbeit beschäftigte er sich mit dem Thema «Zuhause» und stellte fest: «Im Chor der Glattal Voices fühle ich mich zuhause.» Er möchte sich weiter im Gesang entwickeln und bewirbt sich an der Zürcher Hochschule der Künste für Schulmusik. Er interessiert sich auch sehr für Musikproduktion. Seine Rolle als Gaston fordert ihn heraus: «Gaston hat ein grosses Ego und eine starke Ausstrahlung – ich bin privat eigentlich das Gegenteil davon.» Er ist in vielen Szenen präsent und hat viel Text zu lernen. Zur Vorbereitung schaut er sich auch den Film an, um die Figur besser zu verstehen.
«Singen hat eine grosse Bedeutung in meinem Leben», sagt die 17-jährige Yara Ricklin. Sie spielt Lafolle – anstelle von Lefou, Gastons treuer Begleiter. «Ich bin in einer Musikerfamilie aufgewachsen. Obwohl ich Instrumente gespielt habe, hatte das Singen immer einen höheren Stellenwert, weil es direkt von mir kommt». Seit zwölf Jahren singt sie in der Singschule MKZ Glattal und seit fünf Jahren bei den Glattal Voices. Sie besucht die Fachmittelschule (FMS) und erhält Sologesangsunterricht bei Marina Bärtsch.
Am Chor liebt sie besonders das Gemeinschaftsgefühl: «Jede Stimme ist individuell – und genau das macht es so besonders. Ich singe viel lieber im Chor als allein. Es gibt mir Selbstbewusstsein, weil so viele Menschen um mich herum sind, die mich unterstützen.» Seit ihrem vierten Lebensjahr spielt sie Theater. Texte auswendig zu lernen ist für sie selbstverständlich. Ihre Rolle als Lafolle ist eine neue Erfahrung: «Bisher spielte ich eher ernstere Rollen. Jetzt darf ich eine lustige Figur darstellen und viel mit Gestik und Mimik ausprobieren. Das gefällt mir sehr.» Besonders freut sie sich auf das Lied «Gaston», mit dem sie Gaston, die traurige Hauptfigur, aufmuntert. Eine grosse Herausforderung sei es, gleichzeitig zu spielen und zu singen: «Das ist neu für mich – normalerweise macht man entweder das eine oder das andere.» Sie freue sich sehr auf die Musical-Aufführungen am nächsten Wochenende.
Begleitet werden die Chöre von Marina Bärtsch und Luisa Funk, im Sologesang von Marina Bärtsch, Anne Czichowsky, Fabio de Giacomi, Ineta Karova, Chrysoula Peraki und Dorien Wijn. Regie, Beleuchtungskonzept, Skript und Bühnegestaltung übernimmt Seraphin Schlager, für die Tontechnik zeichnet Mario Baumann (Studio M) verantwortlich. Die musikalische Gesamtleitung sowie die Arrangements liegen in den Händen von Dorien Wijn. Ein engagiertes Musikerteam mit Violine, Cello, Kontrabass, Klarinette, Klavier sowie Schlagzeug und Percussion sorgt für den orchestralen Klang.