«Ist das Ohr, insbesondere das Hörorgan im Innenohr, einmal geschädigt, lässt sich der Schaden in der Regel nicht mehr rückgängig machen», sagt David Bächinger, Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde am Universitätsspital Zürich. «Deshalb ist es so wichtig, die eigenen Ohren zu schützen».
Studien zeigen, dass Musiker*innen häufiger von Hörproblemen betroffen sind als die Allgemeinbevölkerung. Fachleute sprechen dabei von musikinduzierten Hörstörungen. Betroffene sind Musiker*innen aus ganz unterschiedlichen Bereichen: Das Risiko besteht sowohl in der klassischen Musik als auch in Pop, Rock und Jazz.
«Die Grenze liegt bei 85 Dezibel über acht Stunden», erklärt Bächinger. Ab dieser Belastung steige das Risiko für eine Schädigung des Gehörs deutlich. Doch woran merkt man, dass die Ohren zu stark beansprucht wurden? Nach einer hohen Lärmbelastung können verschiedene Symptome auftreten: Die Ohren fühlen sich beispielsweise an, als wären sie mit Watte verstopft, leichte Schwerhörigkeit oder auch unangenehme Ohrgeräusche, ein sogenannter Tinnitus, können auftreten. Solche Warnsignale sollte man ernst nehmen und den Ohren eine Pause gönnen.
Besonders hohe Schallpegel können beispielsweise Trompete, Posaune, Klarinette oder Querflöte erreichen. Trompete erreicht bis zu 94 Dezibel. Die erlaubte Expositionszeit beträgt dann nur noch eine Stunde pro Tag ohne Gehörschutz.
Auch in einem Orchester können einzelne Instrumente sehr laut werden – wie zum Beispiel Blechblasinstrumente oder das Schlagzeug. Für Musiker*innen, die direkt neben diesen Instrumenten sitzen, kann die Belastung deshalb besonders hoch sein.
Ein lautes Orchester oder eine Band kann einen Schallpegel von deutlich über 90 Dezibel erreichen. Bei solchen Lautstärken kann das Gehör bereits nach relativ kurzer Zeit belastet werden.
Eine der wichtigsten Massnahmen für Musiker*innen ist, die Lärmreduktion, sowohl beim Musizieren als auch in der Freizeit. David Bächinger empfiehlt deshalb, bei hohen Schallpegeln mit Gehörschutz zu musizieren. Idealerweise gewöhnt man sich schon früh daran, beispielsweise während der musikalischen Ausbildung.
Gehörschutz ist bei Amateurmusiker*innen noch wenig verbreitet. Laut Suva schützt sich nur rund ein Viertel von ihnen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Ohren zu schützen. Herkömmliche Schaumstoff- oder Kunststoffstöpsel schützen zwar, können aber beim Musizieren den Klang verändern. Für Musiker*innen eignen sich deshalb Gehörschutzstöpsel mit Musikfilter.
Musik-Gehörschutz gibt es bereits für etwa 20 bis 40 Franken. Es lohnen sich Filtersysteme, bei denen die Dämpfung an die jeweilige Lautstärke angepasst werden kann. Professionelle Musiker*innen verwenden oft einen individuell an den Gehörgang angepassten Gehörschutz, welcher rund 300 Franken kostet.
Aber beeinträchtigen Ohrstöpsel nicht gerade das Musizieren? «Gehörschutz ist immer ein Kompromiss, weil er das Hörerlebnis einschränkt», sagt Bächinger. Das bedeutet allerdings nicht, dass man immer mit Gehörschutz spielen müsse. Aber wer sich früh daran gewöhne, könne damit in der Regel gut musizieren. Man müsse eben ein Gehörschutz mit Musikfilter anwenden, der den Lärm gleichmässig über alle Frequenzen reduziert, um die Klangqualität zu erhalten. Oft werde der Schall stärker gedämpft als nötig: «30 oder 40 Dezibel sind in den allermeisten Fällen nicht nötig». Bereits eine Dämpfung von drei Dezibel, ein sehr leichter Schutz, verdoppelt die erlaubte Lärmbelastungszeit.
Neben dem richtigen Gehörschutz spielt auch die Dauer der Belastung eine wichtige Rolle. Wer lange und laut probt, sollte deshalb regelmässige Pausen einplanen. Je kürzer die Ohren dem Lärm ausgesetzt sind, desto geringer ist die Belastung. Auch nach einer besonders lauten Probe, einem Konzert oder einer Party lohnt es sich, den Ohren Ruhe zu gönnen.
David Bächinger rät Musiker*innen, ihr Gehör prüfen zu lassen zum Beispiel in einer musikmedizinischen Sprechstunde oder einem spezialisierten Zentrum. Dies geschieht idealerweise zu Beginn der Ausbildung und danach in Abständen, die sich nach der individuellen Belastung richten. Am Universitätsspital Zürich gibt es beispielsweise eine Sprechstunde für Musikermedizin.
- Pausen einplanen: Bei langen und lauten Proben Pausen machen und so die Dauer der Lärmbelastung reduzieren.
- Nach Lärm Ruhe gönnen
- Ohren richtig pflegen: Wattestäbchen oder Ohrkerzen vermeiden. Bei Problemen oder starkem Ohrschmalz ärztlichen Rat einholen.
- Gehör testen lassen.
- Warnsignale ernst nehmen: Wattegefühl, Tinnitus, vorübergehende Schwerhörigkeit oder eine erhöhte Geräuschempfindlichkeit können Anzeichen einer Überlastung sein.
- Früh anfangen: Wer sich bereits während der musikalischen Ausbildung an Gehörschutz gewöhnt, kann später leichter damit musizieren.
PD Dr. Dr. David Bächinger ist Oberarzt an der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie des Universitätsspitals Zürich und hat sich auf die Arbeit mit Musiker*innen spezialisiert. Er betreut die musikmedizinische Sprechstunde für Gehörprobleme bei Musiker*innen und berät unter anderem Musikhochschulen, Berufsorchester und die Schweizerische Gesellschaft für Musikermedizin. Am Plenartag an MKZ referierte er im August 2026 vor rund 600 Musiklehrpersonen zum Thema «Ohr- und Hörgesundheit bei Musiker*innen» vgl. Titelfoto.