Wie habt ihr als «TrioColores» zueinander gefunden und was verbindet euch?
Wir haben uns an der Zürcher Hochschule der Künste kennengelernt und uns dort auch schnell schätzen gelernt. Auch wenn wir uns meist in Probenphasen und bei Konzerten sehen, sind wir in erster Linie drei Freunde, die gemeinsam musizieren – und nicht einfach Kollegen. Musikalisch verbindet uns unsere gemeinsame Ausbildung: Sie prägt sowohl unsere technische Herangehensweise als auch unsere Klangvorstellung und unseren «Workflow», wie wir Stücke erarbeiten. Gleichzeitig ergänzen wir uns durch unsere Unterschiede: Jeder von uns bringt eigene Fachgebiete ein, die sich im Ensemble zu einem sehr gut funktionierenden Ganzen zusammenfügen.
Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem JSOZ?
Es waren gleich mehrere glückliche Fügungen. Alles begann damit, dass ich im ersten Bachelorjahr kurzfristig als Pauker im JSOZ einspringen durfte. Das hat mir nicht nur viel Erfahrung im Orchesterspiel gebracht, sondern auch grossen Spass gemacht – gerade mit den vielen gleichaltrigen Mitspielenden. Über diesen Weg entstand auch der Kontakt zu Prorektorin Seung-Yeun Huh, die die Entwicklung von «TrioColores» von Anfang an mitverfolgt hat.
Worin liegen die Herausforderungen oder die Chancen im Zusammenspiel mit einem Orchester?
Im Zusammenspiel mit einem Orchester gibt es natürliche Unterschiede: Während wir Schlagzeuger den Ton praktisch unmittelbar beim Anschlag erzeugen, ist ein Orchester ein grosser, trägerer Klangkörper. Der Ton kommt wegen der längeren Einschwingzeit bestimmter Instrumente später vorne an. Dadurch ist es eine Herausforderung, rhythmisch absolut synchron zu bleiben. Doch gerade weil wir als Trio perfekt aufeinander eingespielt sind, können wir flexibel reagieren und schaffen so eine Einheit mit dem Orchester.
Ihr spielt Avner Dormans «In Flux», eine Schweizer Erstaufführung. Worauf darf sich das Publikum freuen?
«In Flux» ist ein dreisätziges Werk im klassischen Konzertaufbau – schnell, langsam, schnell. Dormans Idee war es, die Form und Atmosphäre eines barocken Concerto grosso mit unserer Begeisterung für Polyrhythmen, verschiedene rhythmische Ebenen und den eindrucksvollen Klangfarben der Stabspielinstrumente zu verbinden.
Ihr beschreibt euch als «energiegeladen, facettenreich und innovativ». Wie zeigt sich das in euren Konzerten?
Wir achten sehr darauf, abwechslungsreiche Programme zu gestalten, die die ganze Bandbreite des Schlagwerks erlebbar machen. Unser Ziel ist es, das Publikum sowohl mit überraschenden neuen Klangwelten herauszufordern als auch mit unterhaltsamen Elementen zu begeistern. Besonders wichtig ist uns, das Schlagwerk aus dem Klischee von «Show» und «Lautstärke» zu befreien und es Schritt für Schritt als gleichwertige Instrumentengruppe im klassischen Konzertbetrieb zu verankern.
Was unterscheidet euch von anderen Schlagwerkensembles?
Ein markanter Unterschied ist, dass wir nur selten originale Schlagzeugliteratur spielen. Wir arrangieren selbst Werke, zum Beispiel aus der Klavierliteratur, und machen sie so für Percussionisten zugänglich. Oft entwickeln wir auch eigene Versionen: Gibt es zum Beispiel ein Stück für zwei Spieler, schreiben wir einen dritten Part dazu sofern dadurch die Musik besser wird, was uns bisher immer gelungen ist. Uns liegt die Erweiterung des Repertoires für Schlagzeugtrios sehr am Herzen. Deshalb arbeiten wir regelmässig mit zeitgenössischen Komponisten zusammen und geben Werke in Auftrag, die speziell für unser Ensemble geschrieben werden.
Ihr arbeitet mit namhaften Komponisten wie Avner Dorman zusammen. Wie läuft so ein Prozess ab, wenn ein Werk für euch entsteht?
Das findet in mehreren Phasen statt. Zunächst steht der persönliche Kontakt: Man tastet sich heran und findet heraus, wie beide Seiten ticken. Danach findet ein längerer Austausch statt über die Charakteristik, die Form und die Aussage des geplanten Stücks – noch ohne konkrete Details. Parallel dazu müssen wir die Finanzierung sichern, was Zeit in Anspruch nimmt, denn ein Kompositionsauftrag ist ein aufwendiges Projekt. Dann beginnt das Warten auf den ersten Entwurf, während wir oft schon mit der organisatorischen Arbeit starten: Wo könnte das Werk uraufgeführt werden? Mit welchem Orchester und unter welcher Leitung? Wenn das Stück dann eintrifft, sollte bereits alles vorbereitet sein, damit sich alle Beteiligten voll auf die Proben und das Musizieren konzentrieren können. Und ab diesem Moment heisst es: geniessen!
Ihr legt grossen Wert auf Social Media und hochwertige Video-Inhalte. Wie wichtig ist digitale Präsenz für ein modernes Ensemble?
Für uns sind Social Media inzwischen das wichtigste Werbemittel. Viele Veranstalter suchen uns online, wenn sie unseren Namen hören. Je professioneller unser Auftritt in den sozialen Medien ist, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass wir für Konzerte gebucht werden. Ein grosser Vorteil: Unsere Inhalte sind nicht an eine Region gebunden – ob Europa, USA oder Asien, alles lässt sich leicht teilen und verbreiten. Und wir stecken viel Leidenschaft in unsere Videos. Jede Produktion bedeutet viele Stunden an Konzeptarbeit und Proben – und das merkt man den Resultaten an. Social Media ist für uns ein optimaler Raum, um diese Energie mit unserer Percussion-Community und allen Musikliebenden zu teilen.
«TrioColores» ist ein junges, preisgekröntes Schlagzeugensemble aus der Schweiz und Österreich, bestehend aus Matthias Kessler, Luca Staffelbach und Fabian Ziegler. Ihr Repertoire reicht von klassischer bis zeitgenössischer Musik, mit eigenen Bearbeitungen bekannter Werke. Das Ziel des Trios ist es, die Vielfalt der Schlaginstrumente neu zu interpretieren und im klassischen Konzertbetrieb zu verankern. Dazu arbeitet es mit renommierten Komponisten wie Avner Dorman und John Psathas zusammen und war unter anderem 2021 im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie zu hören. Unterstützt wird «TrioColores» von erfahrenen Mentor*innen und Dozent*innen der Zürcher Hochschule der Künste.
Im Oktober 2025 begibt sich das JSOZ auf eine Konzerttournee nach Bremen, Potsdam und Berlin. Mit im Gepäck ist ein abwechslungsreiches Programm mit der feierlichen Ouvertüre zu «Die Zauberflöte» von W. A. Mozart, Dormans dreisätzigem Perkussionkonzert «In Flux» sowie der Sinfonie Nr. 1 von Johannes Brahms.
- So, 12. Oktober, 20 Uhr – Die Glocke, Bremen
- Di, 14. Oktober, 20 Uhr – Nikolaisaal, Potsdam
- Do, 16. Oktober, 20 Uhr – Grosser Konzertsaal, UdK, Berlin
- Di, 21. Oktober, 19.30 Uhr – Tonhalle Zürich
- Sa, 25. Oktober, 18 Uhr – Galakonzert, Eröffnung Musikzentrum Brunnenhof