«Ich war nervös und voller Vorfreude», erinnert sich Julia an den Tag des Fotoshootings vor 13 Jahren. Die heute 33-Jährige war damals 20 Jahre alt. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihr die beeindruckende Akustik im Gewächshaus der Stadtgärtnerei und ihr beiges Maturakleid, das sie für das Fotoshooting trug.
An ihre Nervosität erinnert sie sich ebenfalls noch gut: «Beim Auspacken meiner Violine stiess ich mir so fest den Kopf am Tisch, dass die Beule auf meiner Stirn sogar – wenn man ganz genau hinsah – auf dem Foto zu sehen ist.»
Das trotzdem sehr gelungene Bild erwies sich später als nützlich. «Das Foto konnte ich gut in meine erste Model-Portfoliomappe integrieren». Tatsächlich wurde sie kurz darauf von einer Modelagentur für mehrere Fotoshootings engagiert, worauf viele weitere Jobs vor der Kamera folgten.
Neben dem Theaterkurs gehörte das Geigenspiel damals zu Julias grössten Leidenschaften. Mit fünf Jahren begann sie mit dem Geigenunterricht und blieb MKZ 17 Jahre lang treu. Unterricht erhielt sie von verschiedenen Lehrpersonen, an die sie nur positive Erinnerungen hat: «Es sind alle auf mich eingegangen und ich konnte zu ihnen eine sehr gute Beziehung aufbauen», erzählt sie.
Nach anfänglichem grossem Respekt vor den Stufentests gab sie sich einen «Schupf» und bestand den 4. Stufentest mit Bravour und später dann auch noch den 5. Stufentest. «Das war eine schöne Bestätigung für das, was ich konnte». Auch die zahlreichen Schülerkonzerte sind ihr in guter Erinnerung geblieben, speziell die Auftritte in der Kirche. Ein Konzert bedeutet ihr bis heute besonders viel: Damals wurde sie von ihrem Vater begleitet, der Pianist ist und viele Jahre selbst Lehrperson an MKZ war. «Wir haben später noch oft zusammengespielt und gemeinsam Konzerte gegeben», erzählt Julia. Auf diese Weise konnte sie in ihrer Jugend sogar etwas Sackgeld verdienen. In ihren letzten Jahren an MKZ spielte sie in einer grossen Jazzband, auch unter der musikalischen Leitung ihres Vaters – mit einem grossen letzten Auftritt im Stall 6.
Der Theaterkurs an MKZ war wichtiger Ausgleich zur kopflastigen Schule. Das dort Gelernte konnte sie auch später beruflich einsetzen, als sie in der Schnitt-Redaktion und Realisation von Fernsehsendungen arbeitete. «Ich kannte mich mit musikalischer Dramaturgie aus und wusste, wie man mit Musik die Wirkung eines Films beeinflussen kann», sagt sie.
Rückblickend ist Julia bewusst, wie viel sie MKZ zu verdanken hat: «MKZ hat mich geprägt». Besonders eine Erkenntnis begleitet sie bis heute: Die Bedeutung des regelmässigen Übens. «Von heute auf morgen schreibt man kein Drehbuch und produziert man keinen Film. Es ist ein Prozess. Man muss jeden Tag ein bisschen machen. Ich lebe nach dem Motto: Langsam ist der schnellste Weg.» Diese Haltung habe sie aus dem Musikunterricht mitgenommen. Die Vorbereitung auf Schülerkonzerte habe sie immer wieder motiviert, dranzubleiben und kontinuierlich an sich zu arbeiten.
Jugendlichen rät sie, einen Musikstil zu finden, der sie begeistert, und eine Lehrperson, die diesen Weg unterstützt. Auch das Spielen in einer Band könne zusätzliche Motivation bringen. «Als Teenager fand ich es manchmal mühsam Geige zu spielen. Trotzdem habe ich weitergemacht. Heute bin ich froh, dass ich drangeblieben bin und dass meine Eltern mich dabei unterstützt und gepusht haben.»
Auch heute spielt Kultur eine wichtige Rolle in ihrem Leben. Rund ein- bis zweimal im Monat besucht sie ein Theater, ein Konzert oder eine andere kulturelle Veranstaltung. Und vor kurzem hat Julia an der Zürcher Hochschule der Künste ihren Master in Creative Producing Film abgeschlossen. Ihr Ziel für dieses Jahr ist es, wieder regelmässig Geige zu spielen: «Ich habe grosse Lust, in meiner Freizeit wieder etwas für mich zu machen». Die Geige sei über viele Jahre ihr wichtigstes Hobby gewesen. Dies möchte sie wieder auffrischen. Besonders schön fände sie, wenn sie wieder in einer Band mitspielen könnte. «Ich finde, jeder Mensch braucht ein Hobby, das emotionalen Sinn, aber keinen finanziellen Mehrwert stiftet.»
Sehr gerne würde sie in die Amapiano-Szene einsteigen. Amapiano, ein Musik- und Tanztrend aus Südafrika, verbindet Elemente aus Deep House, Jazz, Kwaito und Soul: «Falls es irgendwo in der Schweiz eine Amapiano-Band gibt, die noch eine Violine braucht, wäre ich sofort dabei, meldet euch bei mir!»