Thien Brogli war 19 Jahre alt, als er beim Fotoshooting für die MKZ-Publikation «Das Angebot» mitmachte. Er erinnere sich sehr gut an diesen grauen, kühlen Herbsttag, als er im Stadion Letzigrund mit seiner Querflöte vom Fotografen Patrick Gutenberg abgelichtet wurde: «Die Atmosphäre war sehr locker, und es war ein eindrückliches Erlebnis, dieses riesige Stadion exklusiv für uns zu haben.»
Vom Fotoshooting habe er sich insgeheim erhofft, dass es seine Chancen erhöhe, für die grosse Bühne entdeckt zu werden. Denn das Theater war schon damals seine grosse Leidenschaft: Während zwölf Jahren besuchte er an MKZ den Unterricht bei der Theaterpädagogin Kristin Anderegg. «Sie hat mich gebändigt und gebündelt», erzählt Thien lachend. Und fügt erklärend hinzu: «Ich war ein Wildfang!» Im Theaterkurs habe er gelernt, etwas durchzuziehen und eine Sache ernst zu nehmen. Dies habe ihm auch bei seinem grossen Hobby, der Pfadi Zürichberg, stets weitergeholfen. 18 Jahre lang war er dort aktiv, davon 10 Jahre als Leiter.
Als es darum ging, den traditionellen Familienabend – unter Pfadis «FA» genannt – zu organisieren, hat er kurzerhand den Lead übernommen und für rund 70 Kinder ein Theater auf die Beine gestellt. Er schrieb die Texte für 36 Sprechrollen selbst. «Die Erfahrungen, die ich im Theaterkurs an MKZ gesammelt hatte, kamen mir dabei zugute», erinnert sich Thien an diese intensive Zeit. «Ich kannte alle Pfadis so gut, dass ich wusste, wer für welche Rolle in Frage kam und worauf es in einem Theater ankommt. Zum Beispiel wie man die Handlung im Theater strukturell aufbauen muss, so dass Spannung und Wirkung beim Publikum entstehen. Und ich hatte das Gefühl für einen roten Faden.»
Er erzählt auch, dass er nie ein guter Sänger war, das Singen am Lagerfeuer jedoch liebte: «In der Pfadi konnte ich alles ausleben, niemand hat dort den Anspruch, dass es perfekt sein muss». Während dieser Lagerfeuer-Singsangs hat er jeweils auf allen verfügbaren Materialien, wie Holzbrettern oder Eimern den Takt getrommelt. Um diese so spontan und aus dem Bauch heraus entstandene Technik zu verfeinern, besuchte er an MKZ den Djembe- und Rhythmikunterricht.
Später, während seiner Ausbildung zum Primarlehrer, nahm er dann ab und zu wieder die Querflöte hervor. Seit ein paar Jahren bringt Thien in einer Sonderschule erwachsenen Flüchtlingen Deutsch bei und studiert parallel dazu integrative Kommunikation an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Die Musik sei ein wichtiger Bestandteil in seinem Unterricht mit den fremdsprachigen Erwachsenen: «Da wo ich mit Sprache nicht weiterkomme, öffnet die Musik viele Türen», erklärt er. Deshalb setzt er in seinem Unterricht diverse Instrumente wie Triangel, Gitarre, Ukulele oder Djembe ein, und einmal wöchentlich singen alle zusammen. «Hier, wie auch damals in der Pfadi, haben wir keinen Anspruch auf Perfektion, sondern einfach Freude daran. Das gefällt mir sehr».
Musik und Theater begleiten Thien in seinem Leben, seit er an MKZ als Erstklässler seine erste Unterrichtsstunde besuchte. Der Funke war damals speziell im Theaterkurs bei Kristin Anderegg gesprungen. Seither durfte er ab und zu in Laientheatern mitspielen. Ein grosses und unvergessliches Projekt war für ihn das Theaterprojekt «Die Grille» von Charlotte Birch Pfeiffer, in dem er gemeinsam mit Berufsschauspieler*innen auftreten durfte.
Für seine Zukunft wünscht er sich, wieder im Schauspiel Fuss zu fassen: «Ich bin ein quirliger Theatermensch, der versucht, in die Gesellschaft reinzupassen», beschreibt er sich selbst. Er verspüre den steten Drang, auszubrechen und wieder ein neues Projekt auf die Beine zu stellen.
Thien Brogli, 32 Jahre alt, möchte künftig öfter auf der Bühne stehen, vielleicht sogar als Kabarettist.