Wie bist du damals zur Gartendenkmalpflege gekommen?
Ich wurde quasi «gefunden». Das Gartenbauamt suchte eine Nachfolge für Walter Frischknecht, der nur kurz als Gartendenkmalpfleger tätig war. Da ich als junge Gartenarchitektin in einem bekannten Zürcher Büro an verschiedenen Grossprojekten wie dem Irchelpark, mitwirkte, wurde mein Name von mehreren Seiten genannt. So startete ich im Oktober 1990 im «learning by doing»-Modus.
1989 begann mit der Inventarfestsetzung eine neue Ära für die Zürcher Gartendenkmäler. Welche Projekte waren für dich besonders prägend?
Fünf Anlagen – die Big Five sozusagen – haben mich über Jahrzehnte auf Trab gehalten: der Patumbah-Park, der Rieter-Park, der Friedhof Sihlfeld, das Arboretum und der Platzspitz. In akuten Krisen musste ich mich vehement für deren Erhalt einsetzen respektive die Qualität dieser Kulturgüter zu sichern versuchen (vgl. dazu Zürichs grüne Wunderkammern).
Wichtig zu verstehen ist: Gärten entwickeln sich ständig weiter – es gibt keinen «endgültigen» Zustand, der für die nächsten hundert Jahre gilt.
Was hat dich besonders an deiner Arbeit begeistert – und was hat dich manchmal auch an deine Grenzen gebracht?
Begeistert hat mich der weite Horizont: zu wissen, dass wir in einer langen Reihe von Menschen stehen, die sich um diese Gärten kümmern. Heutige Entscheidungen können eine Anlage zwar langfristig prägen – dennoch darf die eigene Bedeutung nicht überschätzt werden. Besonders bereichernd war der Austausch mit Fachleuten aus der Stadt, der Schweiz und dem Ausland.
An die Grenzen bringt uns das Unplanbare unserer Arbeit: Wir reagieren auf Bauvorhaben, Nutzungsdruck oder Klimawandel, oft im Spannungsfeld ganz unterschiedlicher Interessen. Das erfordert nicht nur Ausdauer, sondern auch die Fähigkeit, solche Prozesse positiv zu beeinflussen.
Wie hat sich der Umgang mit historischen Gärten und Parks in Zürich verändert?
Vieles hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zugunsten der alten Gärten bewegt, nicht nur in Zürich, sondern in der ganzen Schweiz. Internationale Impulse wie das Europäische Jahr des Denkmals 1975 und die Charta von Florenz 1981 legten den Grundstein dafür. In der Schweiz liegt ein besonders wichtiger Fokus auf der Erarbeitung von Garteninventaren. Die Fachgruppe Gartendenkmalpflege von ICOMOS Schweiz leistete langjährige Basisarbeit, indem sie potentiell schutzwürdige Gärten und Anlagen kantonsweise in Listen erfasste. Diese dienen als Grundlage zur Erarbeitung echter, rechtskräftiger Inventare.
In Zürich setzen wir uns aber nicht nur für den Erhalt und die denkmalgerechte Pflege der Gärten ein, sondern machen die Schönheit und Geschichte dieser Gärten durch Führungen, Ausstellungen und Publikationen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.
Die Fachstelle war lange eine Pionierin. Wie hast du es geschafft, das Thema Gartendenkmalpflege in Zürich und darüber hinaus zu etablieren?
Es waren vor allem konkrete Projekte, die Aufmerksamkeit erregten: etwa die Restaurierung des Platzspitz nach der Schliessung der offenen Drogenszene oder der jahrelange Kampf um den Erhalt des Patumbah-Parks.
Auch bei der Frage des Umgangs mit den immer schwächer belegten Friedhöfen war die Gartendenkmalpflege stark involviert – sieben grosse Friedhöfe stehen heute unter Schutz, als Zeitzeugen, aber auch, um sie als Biodiversitätsinseln in der Stadt erhalten zu können. Zudem konnte ich durch meine Mitarbeit in Fachgremien und regelmässige Publikationen in Fachzeitschriften das Thema über Zürich hinaus bekannt machen.
Nach über 30 Jahren: Was nimmst du aus dieser Zeit mit?
Im Garten kann man nichts beschleunigen. Projekte müssen reifen, die Natur braucht ihre Zeit. Dankbar bin ich, dass ich durch die Kontinuität meiner Tätigkeit Entwicklungen miterleben konnte und teilweise ernten durfte, was Jahre zuvor gesät wurde.
Nicht genug betonen kann man, dass sich auch alte Gärten ständig verändern. Leider ist kein Zustand je von Dauer. Kürzlich musste eine mächtige Blutbuche auf einem Friedhof gefällt werden, weil sie abgestorben war. Sie wird unermesslich fehlen, und es wird Jahrzehnte dauern, bis die nachgepflanzte Buche wieder eine ähnliche Atmosphäre vermitteln kann. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass dieses Erlebnis in Zukunft wieder erfahrbar sein wird. Dieses Denken in langen Zeiträumen ist für mich die Kernfaszination der Gartendenkmalpflege.
Die ausgebildete Landschaftsarchitektin leitete die Gartendenkmalpflege der Stadt Zürich seit 1990. Zunächst allein, später über zwei Jahrzehnte gemeinsam mit Silvia Steeb. Nach deren Pensionierung im Jahr 2021 wurde das Team personell neu aufgestellt. Mit der bevorstehenden Pensionierung von Judith Rohrer ist die Leitung per Anfang 2026 an Sylvia Rembold übergegangen.
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